Pleite-Gefahr

Bund lehnt rettenden Kredit für Arcandor ab

Die Bundesregierung will dem bedrohten Handelskonzern Arcandor nicht helfen: Der Bund lehnt nach einer Bürgschaft aus dem Deutschlandfonds auch eine Rettungsbeihilfe ab. Damit droht Arcandor die Pleite. Doch eine Chance gibt es noch – und die Großaktionäre wollen jetzt mehr Geld einbringen.

Der Bund lehnt nach Informationen von Morgenpost Online aus Regierungskreisen einen Notkredit für den ums Überleben kämpfenden Touristik- und Handelskonzern Arcandor ab. Das Unternehmen hatte eine Rettungsbeihilfe von 437 Millionen Euro beantragt, um Finanzierungslücken zu stopfen. Zuvor hatte ein Sprecher des Unternehmens mitgeteilt, dass ohne die Beihilfe die Insolvenz beantragt werden müsse.

Der Beitrag der Banken, Eigentümer und Vermieter sei zu gering, hieß es laut der Deutschen Presse-Agentur zur Begründung. Die Entscheidung ist endgültig ist, aber es wäre dem Unternehmen möglich, noch einen nachgebesserten Antrag zu stellen. Arcandor hatte die staatliche Rettungsbeihilfen in Form eines Kredits beantragt, um die drohende Insolvenz abzuwenden.

Zuletzt hatte der Bund ein stärkeres Engagement auch der Eigentümer und Gläubiger von Arcandor sowie der Vermieter bei der Sanierung des Konzerns verlangt. Am 12. Juni läuft eine Kreditlinie über 650 Millionen Euro aus. Spätestens bis dahin muss ein verbessertes Rettungskonzept stehen.

Die Arcandor-Großaktionäre Sal. Oppenheim und Madeleine Schickedanz sind dafür zu einer Kapitalerhöhung von 150 Millionen Euro für das Unternehmen bereit. „Wir alle haben das Ziel, zu einer Lösung zu finden, bevor es zu einer Insolvenz kommt“, sagte Friedrich Carl Janssen, der zugleich persönlich haftender Gesellschafter des Bankhaues Sal. Oppenheim sowie Aufsichtsratschef von Arcandor ist.

„Die Gesellschafter von Sal. Oppenheim unterstreichen noch einmal ihre Bereitschaft, als Miteigentümer von Arcandor an einer Kapitalerhöhung von bis zu 150 Millionen Euro teilzunehmen. Ich kann hier auch für Frau Schickedanz sprechen, die ebenfalls entsprechend ihrer Beteiligung an der Arcandor AG die Kapitalerhöhung mit trägt.“

Sal. Oppenheim war im September 2008 bei Arcandor eingestiegen. Die Bank hält direkt und indirekt 28,6 Prozent der Anteile und liegt damit knapp vor dem Aktionärspool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz, dem 26,7 Prozent zugerechnet werden. Beide wollen ihrem Anteil entsprechend zu der Kapitalerhöhung mittragen und für den Rest der Summe Partner ins Boot holen.

Zuvor hatte der Lenkungsausschuss des „Wirtschaftsfonds Deutschland“ bei der Bundesregierung in Berlin eine von Arcandor (Karstadt, Quelle) beantragte 650-Millionen-Euro-Bürgschaft abgelehnt.

Vor der Essener Zentrale schwor Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick die Belegschaft des Konzerns auf einen Kampf um jeden Job ein. Bundesweit versammelten sich Karstadt-Beschäftigte zu Aktionen. Sie hielten Mahnwachen ab, verhüllten Schaufenster, und die Mitarbeiter fuhren in Autokorsos in die Innenstädte.

Die Aktie des Unternehmens mit über 50.000 Arbeitsplätzen stürzte um mehr als 40 Prozent ab, zeitweilig auf ein historisches Tief von 1,10 Euro ab. Aus Sicht von Karstadt würde eine Pleite nicht nur zahlreiche Jobs vernichten; ohne Karstadt drohe auch die Verödung zahlreicher Innenstädte.

„Ich erwarte, dass Unternehmen, Eigentümer und Vermieter alle Möglichkeiten ausschöpfen, die Standorte zu erhalten“, sagte Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) nach einem Gespräch mit Bürgermeistern aus Städten mit Karstadt-Standorten. Daneben sollten Sondermittel für Stadtteil-Sanierungen in den betroffenen Städten eingesetzt werden, um diesen Prozess zu begleiten. „Wir werden weder die Arbeitnehmerinnen und Arbeiter noch die Städte im Regen stehen lassen“, sagte Tiefensee.

Nach Unternehmensangaben hätte der von Arcandor parallel beantragte 437-Millionen-Euro-Rettungskredit des Staats die Pleite noch abwenden können. Vor den Beratungen über diesen Notkredit hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf mehr Engagement der Arcandor-Eigentümer und Gläubiger gedrängt.

Auf einer Krisensitzung in München hatten Gesellschafter, Manager, Vermieter und Vertreter des Warenhaus-Konkurrenten Kaufhof ohne konkretes Ergebnis über eine Fusion verhandelt, mit der etwa zwei Drittel der Karstadt-Häuser weitergeführt werden könnten. Die weitergeführten Verhandlungen seien hart, hieß es aus dem Unternehmen.

Der Kaufhof-Mutterkonzern Metro hatte vorgeschlagen, 60 der 90 Karstadt-Häuser weiterzuführen. Außer 30 Karstadt-Häusern sollten nach Worten von Metro-Chef Eckhard Cordes auch zehn Kaufhof-Filialen geschlossen oder umgestellt werden.

Merkel erinnerte daran, dass auch die von Arcandor jetzt verlangten Rettungsbeihilfen des Staats schon wegen der Vorgaben des EU-Rechts „mit einem erheblichen Stellenabbau“ verbunden sein müssten.