Googles Kartendienst

Mehrheit der Deutschen lehnt Street View ab

In Deutschland wächst der Widerstand gegen Googles Kartendienst Street View. In einer Umfrage äußerten sich vor allem Frauen skeptisch.

Eine knappe Mehrheit der Deutschen möchte die Außenansicht ihrer Wohnung oder ihres Hauses nicht im „Street View“- Programm von Google im Internet sehen. 52 Prozent sprachen sich in einer Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“ dagegen aus, 47 Prozent hatten nichts gegen eine Ansicht. Auffällig sei die unterschiedliche Einstellung zu „Google Sreet View“ von Männern und Frauen: Gegen eine Internet-Präsentation sprachen sich 66 Prozent der weiblichen Befragten aus, aber nur 37 Prozent der befragten Männer.

Google hat einem Zeitungsbericht zufolge bereits eine Vielzahl von Widersprüchen gegen die Veröffentlichung von Häusern in seinem Internet-Straßenbilderdienst Street View erhalten. Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, geht der Internetkonzern einem Unternehmenssprecher zufolge von einer fünfstelligen Zahl an Widersprüchen aus. Google hatte diese Woche angekündigt, seinen umstrittenen Bilderdienst noch in diesem Jahr zunächst für die 20 größten deutschen Städten zu starten.

Mit Street View können Internet-Nutzer sich in Fußgängerperspektive durch die Straßen von Städten bewegen und dabei Rundum-Panoramen der Straßenzüge betrachten. Street View gibt es bereits in 23 Ländern. Der Dienst ist bei Datenschützern umstritten, weil er nach deren Ansicht private Details über das Wohnumfeld von Menschen verrät. Google bot Mietern und Hausbesitzern in Deutschland deswegen an, deren Häuser unkenntlich zu machen.

Westerwelle will gegen Street View vorgehen

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) will ebenso wie andere Politiker gegen das „Street View“-Programm von Google vorgehen und verhindern, dass Aufnahmen seiner Wohnung ins Internet gestellt werden. „Das werde ich auch tun. Für mich ist das eine prinzipielle Frage und deshalb werde ich meine Möglichkeiten nutzen, dies zu verhindern“, sagte Westerwelle „Bild am Sonntag“. Westerwelle sieht die FDP als Anwalt für das Bürgerrecht auf Privatheit: „Die Sensibilität für das Thema Schutz der Privatheit wird in Deutschland wieder erkennbar zunehmen. Und dieses Bürgerrecht hat in der FDP einen bewährten Anwalt. Wir stehen an einer Grenze: Die moderne Netzwelt und die schutzwürdige Privatsphäre dürfen nicht zu Gegnern werden

Auch der Verband Haus & Grund Bayern ist entschieden gegen Google Street View. Google verstoße damit gegen das Datenschutzgesetz und schaffe ein „riesiges Sicherheitsproblem“, sagte die Vorstandschefin des Verbandes, Ulrike Kirchhoff der Nachrichtenagentur dpa. Google fotografiere Häuser ab, ohne dass deren Eigentümer damit einverstanden seien. So würden personenbezogene Daten gewonnen und weitergegeben, erklärte Kirchhoff. „Wir sehen darin aber auch ein ganz riesiges Sicherheitsproblem: Jeder kann einfach in Google nachsehen, wie die Häuser aussehen, und dann nach deren Wertigkeit entscheiden, wo er einbricht.“

Google bringe zudem die Kameras in großer Höhe an und könne so über Mauern und Hecken sehen. „Bei Street View ist von den Häusern erheblich mehr zu sehen, als Menschen beim Spazierengehen sehen“, so Kirchhoff. Das vergrößere die Gefährdung. Wenn Google schon die Häuser ablichte, müsse wenigstens eine vernünftige Widerspruchsfrist eingeräumt werden, und nicht nur eine kurze Zeit von knapp vier Wochen, sagte Kirchhoff. Viele der rund 116.000 Mitglieder von Haus & Grund Bayern seien sehr verunsichert.

„Es war eine richtige Welle, die Mitglieder sind empört. Viele haben uns gefragt, wie sie sich verhalten sollen.“ Kirchhoff empfiehlt Hausbesitzern, Widerspruch gegen Google Street View einzulegen, eine Bestätigung darüber anzufordern und darauf zu achten, dass diese auch bei ihnen ankommt. Zudem sollten sie überprüfen, ob das Haus in dem Internet-Dienst dann auch tatsächlich unkenntlich gemacht wird. In der kommenden Woche will der Verband Haus & Grund einen Musterbrief für den Widerspruch auf seine Internetseite stellen. „Ich glaube, dass sehr viele Widersprüche erhoben werden“, sagt Kirchhoff. Sie selbst will ihr Widerspruchsschreiben am Wochenende fertigstellen. „Denn ich finde das wirklich vermessen von Google“.

Google macht Schwächen des Datenschutzes deutlich

Der Fall Google „Street View“ macht nach Ansicht des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar die Schwächen des Datenschutz in Deutschland deutlich. Es zeige sich, „dass der Umgang mit Geodaten dringend geregelt gehört“, sagte Caspar der „Süddeutschen Zeitung“. Zwar habe Google zugesagt, bei der Veröffentlichung der Straßenansichten den Datenschutz zu wahren. „Wenn sich das Unternehmen aber nicht an seine Zusagen hält, hätte ich wenig in der Hand“, sagte Caspar. „Einen Bußgeldbescheid durchzusetzen, wäre bei der gegenwärtigen Gesetzeslage schwierig.“

Caspar mahnte ein rasche Reform des Bundesdatenschutzgesetzes an. Der Staat habe eine Schutzpflicht gegenüber den Bürgern. „Er muss Regeln schaffen, die einen wirksamen Datenschutz möglich machen“, sagte er. „Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Aufregung verstehe ich nicht, wieso man sich da Zeit lässt.“