Kursgewinne

Auf diesen Zukunftsmärkten tobt die Börsenrallye

Zukunftsmärkte verzeichnen die größten Kurszuwächse seit Jahrzehnten. Allein in Peru ist der Leitindex im Jahr 2009 um knapp 109 Prozent angestiegen. Auch auf den Finanzmärkten anderer Ländern ruhen nun die Hoffnungen der Anleger. Nur Afrika hinkt der Entwicklung hinterher.

Die im Schatten sieht man nicht. Nahezu unbemerkt von der hiesigen Anlegerschaft spielt sich an einigen Börsen der Welt eine der stärksten Rallyes des Jahrzehnts ab – mit Kursgewinnen von bis zu 109 Prozent seit Jahresanfang. Das Dax-Plus von sechs Prozent nimmt sich dagegen mickrig aus. Die Rede ist von den sogenannten Grenzmärkten oder Frontier-Markets. Dazu zählen Länder wie Jordanien, Kasachstan, Peru, Nigeria und Vietnam. Aber auch osteuropäische Länder wie Bulgarien oder Slowenien werden – obgleich EU-Mitglieder – dazugezählt.

Citibank-Stratege Andrew Howell ist ein großer Anhänger dieser Börsen: "Es mag komisch klingen, diese Märkte jetzt zu empfehlen, aber sie bieten schlicht riesige Chancen." Für die Grenzmärkte spreche die ausgeprägte Dynamik der jungen Volkswirtschaften. Beispiel Peru: Während die deutsche Ökonomie 2009 um sechs Prozent schrumpfen soll, trauen Experten dem lateinamerikanischen Boomstaat ein Wachstum von 3,5 Prozent zu .

Im Jahr 2010 sollen es sogar fünf Prozent werden. Anders als in den etablierten Industriestaaten stehen die Staatsfinanzen in Lima auf soliden Füßen. Die öffentliche Verschuldung beträgt lediglich ein Viertel der Wirtschaftsleistung, auch das Haushaltsdefizit ist kaum der Rede Wert. Mit zunehmender Gesundung der Weltkonjunktur kommt dem Anden-Staat sein Rohstoffreichtum zugute, der Devisen ins Land spült.Dass Peru ökonomisch auf einem guten Weg ist, lässt sich daran ablesen, dass die Ratingagenturen die Bonität zuletzt gegen den weltweiten Trend heraufgestuft haben.

Ein anderer Investment-Standort, der hierzulande nur selten auf dem Radarschirm der Anleger auftaucht, ist Indonesien. Die Inselnation mit 237 Millionen Einwohnern verzeichnet mit einem Plus von 4,4 Prozent im ersten Quartal die drittbesten Wachstumszahlen in der gesamten pazifischen Region. Doch anders als bei China oder Indien wird kein Aufhebens um die Indonesien-Story gemacht. Hedgefonds und heimische Investoren indes wissen um die Attraktivität indonesischer Aktien und haben die Notierungen seit Januar um 69 Prozent nach oben getrieben.

Weitere Kurszuwächse könnten folgen: "Setzen die Märkte generell ihren Anstieg fort, wird Indonesien ganz vorne mit dabei sein", ist Arief Wana, Asien-Experte bei der Credit Suisse, überzeugt. Besonderes Kennzeichen der Börse Jakarta ist die Binnenorientierung der meisten dort notierten Titel. Sprich: Die Ökonomie ist nicht so stark auf die Erholung der westlichen Exportmärkte angewiesen wie zum Beispiel Singapur oder Taiwan. Ein weiteres Argument für Indonesien hat Wana in der Untergewichtung europäischer Investoren in Jakarta ausgemacht. Gefahren wie der Ölpreis oder die Währungsentwicklung würden überbewertet. "Es gibt die Chance auf weitere Kapitalzuflüsse aus dem Ausland", sagt der Asien-Spezialist. Das könnte der Hausse zusätzlichen Schub geben. Gleiches gilt für das "kleine China" Vietnam, einst Lieblings-Geheimtipp deutscher Privatanleger.

Auf Kapitalzuflüsse hoffen auch die Frontier-Markets auf dem Schwarzen Kontinent. Anders als in Südamerika oder Fernost ist dort indes noch keine größere Erholung zu registrieren. Die Börsen in Nigeria oder Kenia gehören mit zweistelligen Abschlägen zu den schwächsten in diesem Jahr - und das obwohl das ökonomische Wachstum zumindest passabel ist. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für die Länder südlich der Sahara mit einem Plus der Wirtschaftskraft von 1,5 Prozent für 2009.

Im nächsten Jahr sollen die Ökonomien um mindestens vier Prozent expandieren. Auch in Afrika ist die Staatsverschuldung im Kontrast zur Situation in Europa, Japan und den USA auf einem historisch niedrigen Niveau. Beobachter machen für die enttäuschende Kursentwicklung die Kanalisierung der internationalen Kapitalflüsse weg von Afrika verantwortlich.

Nach Berechnungen des Institute for International Finance werden die Gelder, die dieses Jahr von Privaten auf dem Schwarzen Kontinents investiert werden um ein Drittel auf 27 Milliarden Dollar sinken.

Einzig die Performance an der Börse Johannesburg kann sich sehen lassen. Südafrika profitiert nicht nur von seinem Status als bedeutender Rohstoffproduzent, sondern auch von den Aussichten auf zusätzliche Investitionen durch die Fußballweltmeisterschaft 2010 am Kap der Guten Hoffnung.

Im Osten Europas präsentiert sich die Bilanz der Zukunftsmärkte durchwachsen. Während die Notierungen in Bulgarien und Kasachstan noch immer am Boden liegen, haben sich die Kurse in Kroatien, Slowenien und der Ukraine bereits deutlich berappelt. Osteuropa macht aber deutlich, wie schnell sich die Stimmung in Frontier-Markets drehen kann. Marktteilnehmer sprechen von einem Ventilator-Effekt. "Mal ist das Glas halb voll, mal halb leer", sagt Carmen Arsene, Analystin bei Unicredit.