Poker um Autobauer

GM-Chefunterhändler berät in Berlin Opels Zukunft

Gerüchte, dass GM den deutschen Autobauer nicht mehr verkaufen will, haben Bund und Beschäftigte in Alarmstimmung versetzt. Licht ins Dunkel könnte GM-Verhandlungsführer John Smith bringen. Über die Ergebnisse seines Treffens mit der Bundesregierung wurde zunächst Stillschweigen vereinbart.

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Die Opel-Belegschaft singt gegen die Ungewissheit an. „Gebt nicht auf“ so lautet der Titel einer Motivationshymne, den die deutsche Rocksängerin Liza für sie eingespielt hat. „Es ist allerhöchste Zeit, dass wir den vielen Opel-Mitarbeitern Mut machen“, sagte die Rock- und Pop- Preisträgerin bei der Vorstellung des Liedes in Rüsselsheim.

Die Idee zu der Motivationshymne stammt von Karl-Heinz Krummeck, der familiär fest in dem Konzern verwurzelt ist. Er hatte bereits zu Beginn des Jahres mit einem Lied auf die Situation der Belegschaft aufmerksam gemacht. „Doch nicht zuletzt durch die von General Motors verlängerte Hängepartie ist das Nervenkostüm der Opelaner jetzt bis zum Platzen strapaziert“, sagt Krummeck.

In der Tat liegen die Nerven der Opelaner blank. Der Verhandlungspoker um die Zukunft ihres Arbeitgebers geht weiter. Ein Treffen zwischen Vertretern des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) und der Bundesregierung ging heute in Berlin zu Ende. GM-Chefunterhändler John Smith traf sich mit Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann. Homann ist Leiter der sogenannten Opel-Task-Force, in der der Bund und die Länder mit Opel Standorten – also Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen – vertreten sind.

Ergebnisse wollte das Bundeswirtschaftsministerium später mitteilen. Zunächst war Stillschweigen vereinbart worden. Zuvor hatten mehrere Zeitungen berichtet, dass GM nun auch erwägt, Opel nicht zu verkaufen. Unterdessen wächst bei den rund 25.000 deutschen Opel-Beschäftigten der Unmut über die Hängepartie. Einen Verbleib bei GM lehnen Arbeitnehmervertreter ab.

Wie das „Wall Street Journal“ sowie die Onlineausgabe der „Financial Times Deutschland“ am Dienstag übereinstimmend berichteten, arbeitet das GM-Management in Detroit indes auf Drängen des Verwaltungsrates an einem Finanzierungsplan im Umfang von 4,3 Milliarden Dollar (3,0 Milliarden Euro), um Opel selbst umstrukturieren zu können.

„Deutschland hat Interesse an Magna bekundet, aber es gibt möglicherweise andere Finanzierungsquellen“, zitiert das deutsche Portal informierte Kreise mit Blick auf den von Deutschland favorisierten Opel-Bieter, den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna. Der neue Plan sehe vor, dass GM für Opel und die britische Schwestermarke Vauxhall Hilfen aus den USA und den europäischen Staaten mit Opel-Standorten erhält.