Tagesgeld & Co.

Wo Sparer jetzt noch hohe Zinsen bekommen

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Karsten Seibel und Frank Stocker

Foto: picture-alliance/ ZB / dpa

Die Zinsen von Tagesgeld und Unternehmensanleihen sind deutlich gesunken. Im Schnitt bringt Tagesgeld nur noch 1,5 Prozent. Doch vom gesparten Geld bleibt dank niedriger Inflation mehr als vor einem Jahr. Morgenpost Online verrät, wo es die höchsten Tagesgeld- und Anleihenzinsen gibt.

Schnell sprach es sich im Internet herum. Die Volksbank Darmstadt-Kreis Bergstraße bietet über ihre neue Internetplattform www.volksbanking-direkt.de einen Tagesgeldsatz von vier Prozent. Plötzlich war die Zinswelt vieler Anleger wieder in Ordnung. Vier Prozent Zins, das ist ein Wort, wenn bei sonst keiner drei Prozent mehr zu holen sind, im Durchschnitt sogar nicht einmal 1,5 Prozent. „Der Ansturm in den ersten Tagen war gewaltig“, sagt Ralf Gremm, Bereichsleiter Direktbank bei der südhessischen Volksbank. Aus allen Teilen Deutschlands hätten sie Anträge erhalten.

Doch das Glück der Zinsjäger währte nur kurz. Gerade fünf Tage war die Direktbank im Netz, da beschränkten die Genossen das Vier-Prozent-Angebot drastisch. Vergangenen Donnerstag fügten sie auf ihrer Internetseite die Klausel hinzu, dass das Angebot nur für „Privatpersonen mit Wohnsitz im Postleitzahlengebiet 64000 bis 68999“ gilt. Gremm begründet dies mit der großen Nachfrage. 1000 Kunden in fünf Tagen. Die Darmstädter hatten im gesamten ersten Jahr lediglich mit 5000 kalkuliert. Sie seien bei der Bearbeitung der Aufträge an ihre Grenzen gestoßen. Dass Proteste anderer Volks- und Raiffeisenbanken für den ungewöhnlichen Schritt gesorgt haben, wie manch einer vermutet, wies er indes zurück.

Was auch immer der Grund für den Rückzug ist, wer nicht in besagtem Postleitzahlenbereich wohnt, muss sich neue Quellen für einigermaßen rentierliche Zinsen suchen. Doch das ist schwierig. Seit Banken auch über andere Wege wieder leichter an Liquidität kommen, halten sie sich mit Lockzinsen zurück. Dazu gehören auch die Autobanken, die noch zum Jahreswechsel die Tages- und Festgeldranglisten anführten, dann aber ebenfalls unter dem Ansturm einknickten

Viele der einstigen Lieblinge ziehen nicht mehr. Die im Vorjahr noch so verlockende Tagesgeldanleihe des Bundes wirft gerade noch 0,2 Prozent ab. Da kann auch das Argument der höchstmöglichen Sicherheit dank des deutschen Staates als Schuldner nur noch wenige überzeugen.

Um überhaupt einigermaßen attraktive Zinsen bieten zu können, verlängern die Banken die Laufzeit. So wirbt die Deutsche Bank mit einem Festgeld mit drei Prozent Zinsen für drei Jahre. Die HypoVereinsbank hat eine „HVB-Anleihe“ mit 3,17 Prozent pro Jahr bis 2015 im Angebot – allerdings inklusive Emittentenrisiko. Im Fall der Pleite zahlt keine Einlagensicherung.

Die Nachteile einer langen Bindung zu vergleichsweise niedrigen Zinsen liegen auf der Hand: Auch wenn es mit den Zinsen wieder nach oben geht, kommen Anleger nicht an ihr Geld, oder zumindest nur mit deutlichen Abschlägen, um es rentierlicher anzulegen. Drei Prozent Rendite pro Jahr erscheinen aus Kundensicht kaum ein adäquater Ausgleich zu sein für dieses Zinsänderungsrisiko. Zumal die besten Tagesgeldofferten oder Festgeld über zwölf Monate immerhin noch grob in diesem Bereich liegen.

Wer deutlich mehr will, der muss andere Wege gehen, beispielsweise auf Unternehmensanleihen ausweichen. So bekommen Anleger für ein bis September 2014 laufendes Papier von Peugeot eine Rendite von 6,8 Prozent pro Jahr, für eine Anleihe von Adidas, die bis September 2014 läuft, sind es immerhin noch 4,23 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick verlockend.

Allerdings holen Anleger sich damit eben auch entsprechende Risiken ins Depot. Denn wenn ein Unternehmen Pleite geht, werden die Anleihen wertlos. Und die Frage ist, ob die Renditen – auch wenn sie im Vergleich zu Tages- und Festgeld hoch erscheinen – im Verhältnis zum Risiko angemessen sind. Denn die durchschnittlichen Renditen für Unternehmensanleihen guter Qualität liegen derzeit niedriger als Anfang 2007. Damals jedoch boomte die Weltwirtschaft und die Pleite eines großen internationalen Konzerns war eigentlich kaum vorstellbar. Heute dagegen ist das trotz aller positiver Konjunktursignale immer noch eine äußerst reale Gefahr.

Bei all den Überlegungen kommt ein Punkt hinzu: die Inflation. Viele Experten fürchten, dass angesichts der enormen Verschuldung der Staaten die Inflationsraten in zwei oder drei Jahre deutlich anziehen könnten. Eine jährlicher Preisauftrieb von vier, fünf oder sechs Prozent scheint vielen möglich – und dann ist eine Rendite von vier bis sechs Prozent für Unternehmensanleihen angesichts des Risikos auf keinen Fall mehr angemessen.

So bleibt der etwas ernüchternde Schluss: Wer flexibel bleiben will, muss sich bis auf weiteres mit nicht einmal drei Prozent beim Tagesgeld zufrieden geben. Was allerdings bei genauerem Hinsehen gar nicht so schlecht ist. Schließlich sinken derzeit die Preise, vor einem Jahr lag die Inflation dagegen noch bei vier Prozent. Die Nettorendite liegt heute also sogar höher als bei den damals wesentlich höheren Zinsen.

Und vielleicht überlegt es sich die Volksbank Darmstadt-Kreis Bergstraße auch bald schon wieder anders. „Wir behalten uns vor, die Postleitzahlenbeschränkung auch wieder aufzuheben“, sagt Gremm.