Wirtschaftslexikon

Quantitative Lockerung – die große Geldschwemme

In der schlimmsten Phase der Finanzkrise öffneten die Zentralbanken die Geldschleusen. So wird es künftig wohl in Geschichtsbüchern über die Turbulenzen Ende der Nullerjahre stehen. Notenbanken wie die Europäische Zentralbank oder die amerikanische Federal Reserve (Fed) griffen im Lauf der Krise zu unkonventionellen Maßnahmen, um den Finanzmarkt „mit Geld zu fluten".

Vor allem die Fed ging bei ihren Lockerungen ziemlich weit: Sie kaufte Staats- und Unternehmensanleihen direkt am Markt auf. Dadurch steigerte die Notenbank die Menge an Dollar im Finanzsystem und nahm Anlegern zugleich in begrenztem Umfang die Möglichkeit, ihr Geld in Wertpapieren anzulegen.

Auch die Bank von England griff mit massiven Käufen in den Markt ein. Die drastischen Aktionen hatten zum Ziel, die Geldversorgung des Finanzsystems in Gang zu halten, den Banken also mehr Liquidität zu verschaffen. In der Krise war das notwendig, weil die Institute sich untereinander kaum noch Geld liehen und finanzschwache Banken Gefahr liefen, zahlungsunfähig zu werden.

Dieses Krisenziel überlagerte 2009 das eigentliche Ziel der quantitativen Lockerung, nämlich die Konjunktur anzuheizen. Denn unter normalen Bedingungen würden die Banken die Geldschwemme in Kredite an ihre Kunden umwandeln und damit Investitionen ermöglichen.

Für eine Notenbank, die ihre Leitzinsen bereits nahe null gesenkt hat, ist der Anleihekauf eines der letzten Mittel, die Konjunktur anzustoßen. Als erste Zentralbank hatte die Bank von Japan solche quantitativen Lockerungen in den 90er-Jahren ausprobiert.

Hauptargument der Kritiker: Staatsschulden werden durch die Maßnahme per Notenpresse finanziert. Außerdem steigt die Geldmenge, wenn die Zentralbank Schulden des Finanzministers kauft, indem sie neues Geld druckt. Langfristig führt das zu Inflation.

Da in der Eurozone die Angst vor einer Hyperinflation wie Ende der 20er-Jahre in Deutschland besonders hoch ist, verzichtet die Europäische Zentralbank (EZB) bisher auf den Kauf von Staatspapieren. Im vergangenen Jahr kaufte sie allerdings Unternehmensanleihen sehr guter Bonität, um den Markt für Pfandbriefe zu stützen. Außerdem senkte sie die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken als Sicherheiten für Kredite von der EZB hinterlegen müssen.

Diesen Schritt gilt als abgeschwächte Form der quantitativen Lockerung. Denn wenn eine Zentralbank eine größere Zahl von Sicherheiten akzeptiert, können sich schwächere Banken mehr Geld von ihr leihen. Das führt zwar zu einer Marktverzerrung in der Bankenbranche, insgesamt aber zu einer Stabilisierung des Finanzsystems.