Milliarden-Betrug

Elektronische Fußfessel für Börsenmakler Madoff

Der mutmaßliche Milliarden-Betrüger Bernard Madoff steht unter Hausarrest. Die Behörden entzogen Madoff den Reisepass und legten ihm eine elektronische Fußfessel an. Der Investment-Manager soll Anleger um bis zu 50 Milliarden Dollar geprellt haben – und die Aufsichtsbehörden sahen weg.

Bei der Aufarbeitung des Milliarden-Betrugs an der Wall Street hat die US-Finanzaufsicht SEC schwere Fehler eingestanden. Mindestens seit 1999 sei mehreren konkreten Vorwürfen gegen den New Yorker Investmentmanager Bernard Madoff und sein gigantisches „Schneeball-System“ nicht ausreichend nachgegangen worden, räumte SEC-Chef Christopher Cox ein. Er äußerte sich „tief besorgt“ und verschärfte eine interne Untersuchung. Nun sollen auch alle Kontakte von SEC-Mitarbeitern zu Madoff und seiner Familie geprüft werden.

In dem wohl größten Betrugsfall der Finanzgeschichte bezifferte Madoff selbst den Vorwürfen der Behörden zufolge den Schaden auf 50 Milliarden Dollar. Auch europäische Investoren und Banken sind massiv betroffen. Von deutschen Häusern sind noch keinen größeren Ausfälle bekannt.

Der 70-jährige Madoff bleibt unterdessen gegen hohe Auflagen vorerst in Freiheit. Er stehe unter Hausarrest und müsse zur Überwachung eine elektronische Fußfessel tragen, berichteten US-Medien am Mittwoch. Seine Frau habe zudem zusätzliche Sicherheiten für die Kaution in Höhe von zehn Millionen Dollar erbracht. Die Summe werde vor allem über Immobilien abgesichert, zu denen auch Madoffs Millionen-Appartement in New York zählt. Der Manager hatte den Schwindel vergangene Woche laut US-Medien seinen zwei in seiner Firma beschäftigten Söhnen gestanden.

Nun drang auch an die Öffentlichkeit, dass Madoffs Nichte Shana 2007 einen ehemaligen ranghohen SEC-Mitarbeiter heiratete. Der Beamte Eric Swanson sei 1999 und 2004 an Überprüfungen von Handels- Aktivitäten bei Madoffs Firma beteiligt gewesen, sagte die Chefin der SEC-Inspektionsabteilung, Lori Richards, dem „Wall Street Journal“. Swanson hatte die SEC im Jahr 2006 verlassen. Nach Angaben eines Swanson-Vertreters begann die Beziehung mit Madoffs Nichte auch 2006, so die Zeitung. Sie arbeitete in Madoffs Firma als Compliance- Juristin – war also für die Einhaltung der Gesetze und Vorschriften zuständig.

Die SEC ist im Zuge der Finanzkrise seit längerem massiv unter Druck. Kritiker werfen der Behörde und Cox selbst mangelnde Kontrolle vor. Der SEC-Chef steht früheren Berichten zufolge ohnehin kurz vor seinem Abschied von der SEC.

Behördenvertretern zufolge könnte es viele Monate dauern, mehr Licht in den Skandal zu bekommen. Auch das genau Ausmaß des Betrugs ist weiterhin offen. Cox sagte, nach bisherigen Erkenntnissen habe Madoff Investoren und Aufseher mit gefälschten Papieren getäuscht. Der jahrzehntelang angesehene Wall-Street-Manager und Aktienbroker Madoff soll den Riesen-Schwindel über den abgeschotteten Investment-Arm seiner Firma betrieben haben. Er selbst behauptet, allein agiert zu haben.

Beim Schneeball-Prinzip werden die versprochenen hohen Renditen mit dem Geld immer neuer Investoren bezahlt. Die tatsächlichen Gewinne sind weit niedriger oder existieren gar nicht.

Bis zuletzt versuchte Madoff dem "Wall Street Journal“ zufolge, neue Kunden zu finden. Er habe seit Mitte November auch eine der reichsten US-Familien umworben, die Pritzkers, die unter anderem die Hyatt-Hotelkette kontrollieren. Das Betrugssystem soll aus den Fugen geraten sein, als Anfang Dezember ein Investor sieben Milliarden Dollar zurückforderte. Um wen es sich dabei handelt, wurde bisher nicht bekannt.