Vertrauensschwund

Fast jede zweite Firma fürchtet Crash der Eurozone

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Hans Evert

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Die Turbulenzen in der Eurozone haben Spuren hinterlassen. In den Unternehmen wächst die Angst, die Gemeinschaftswährung könne am Ende sein.

Die eigenen Geschäfte laufen wieder gut, die Sorgen um die Konjunktur sind verschwunden. Die deutschen Unternehmen haben das Rezessionsjahr 2009 nun wirklich hinter sich gelassen. Doch die Turbulenzen in der Eurozone, die in den vergangenen Monaten für Schlagzeilen und eine zweite Finanzkrise sorgten, haben Spuren hinterlassen.

Einer Umfrage der Unternehmensberatung Ernst&Young, die Morgenpost Online exklusiv vorliegt, zufolge befürchten fast die Hälfte (47 Prozent) ein Auseinanderbrechen der Eurozone auf mittlere Sicht. Noch im Februar äußerten lediglich ein Drittel (34 Prozent) der Firmen diese Sorge. Da dürfte es auch wenig Vertrauen stiften, dass im Vorfeld des G20-Gipfels der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Toronto, erhebliche Verwerfungen zutage traten.

Die Wirtschaftsmächte der Welt sind sich uneins: sowohl über den Weg aus der Schuldenkrise wie über die Zähmung der Finanzindustrie. Die Amerikaner fürchten wegen der harten Sparanstrengungen der Europäer ein Einfrieren der globalen Konjunkturerholung. Die EU, Deutschland voran, wollen den Ruf des Euro über harte Budgetdisziplin wieder herstellen. Zeit wird es, wenn man die Haushaltszahlen der EU betrachtet. 870 Milliarden Euro beträgt die Nettoneuverschuldung der 27 EU-Staaten allein in diesem Jahr.

Vor allem die Deutschen packt Unbehagen. Tief verwurzelt ist hierzulande die Furcht vor Geldentwertung. Die Hyperinflation von 1922/23 wirkt noch Generationen später nach – auch in den Chefbüros. 60 Prozent macht sie auf mittlere Sicht „eher große“ oder „sehr große“ Sorge.

In dieses Bild passt auch der Vertrauensverlust, den die Gemeinschaftswährung insgesamt erlitten hat. Noch im Juli 2009 erzielte der Euro auf einer Skala zwischen eins („kein Vertrauen“) und fünf („sehr großes Vertrauen“) einen Wert von 3,59. Ein Jahr später geben die befragten Unternehmen im Durchschnitt nur noch eine 2,87.

Zudem sind die Unternehmen eher skeptisch, ob die angeschlagenen Staaten der Eurozone - Griechenland, Spanien und Portugal, aber auch Irland und Italien - ihre Budgetprobleme in den Griff bekommen. 46 Prozent antworten auf die entsprechende Frage mit „eher nicht“, 17 Prozent meinen „sicher nicht“. Die Zahl der Optimisten ist verschwindend gering. Nur drei Prozent antworteten mit „ja, sicher“ auf die Frage, ob diese Länder ihre Verschuldung bekommen. 62 Prozent befürchten überdies, dass die Euro-Krise den Aufschwung in Deutschland abwürgen könnte. Trotz dieser Skepsis sprechen sich nur zehn Prozent der Unternehmen für eine Wiedereinführung der D-Mark aus.

Trotz dieser Befürchtungen laufen die Geschäfte in den Unternehmen offenbar gut. 61 Prozent bewerten die Geschäftslage ihres Betriebes mit „sehr positiv“ oder „eher positiv“. Bei Dienstleistern sind es sogar 63 Prozent, in der Industrie 62 Prozent, im Baugewerbe immerhin noch jedes zweite Unternehmen.

Ernst&Young befragt für seinen Vertrauensindex 700 Unternehmen in Deutschland, darunter vor allem kleinere und mittlere Firmen. Damit repräsentieren die Befragten die mittelständisch geprägte Wirtschaft in Deutschland. 34 Prozent der Firmen machen im Jahr mehr als 100 Millionen Euro Umsatz, 22 Prozent zwischen 50 und 100 Millionen und der Rest zwischen 20 und 50 Millionen Euro.