Girokonten im Vergleich

Wenn das Konto zum Nulltarif teuer wird

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Kathrin Gotthold

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Die Auswahl an gebührenfreien Girokonten ist so vielfältig wie nie. Doch nur wenige sind echte Gratisangebote. Denn es kommt auf das Kleingedruckte an: Dort verstecken sich die zusätzlichen Gebühren. Sei es das Geldabheben an fremden Automaten oder die Voraussetzungen zur Eröffnung eines Kontos.

Wem reicht schon billig, wenn er etwas auch kostenlos haben kann. Das gilt auch fürs Girokonto. Wer hier Gebühren zahlt, verschenkt womöglich Bares. Immer mehr Banken bieten Konten zum Nulltarif an. Kunden sollten bei solchen Schnäppchen aber das Kleingedruckte unter die Lupe nehmen, denn oft erweisen sich scheinbar kostenlose Angebote im Nachhinein als teuer.

Mittlerweile bieten alle großen Bankhäuser kostenlose Konten an. Die Deutsche Bank hat zwar kein eigenes Kontomodell, aber ihre Tochter, die Norisbank, hat mit dem "Top-Girokonto" ein Gratisangebot am Markt. Eingeschwenkt sind mittlerweile auch Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, die sich bisher mit Händen und Füßen gewehrt haben. Sparda-, PSD- und Direktbanken bieten ebenfalls Konten zum Nulltarif an. Welches Konto für wen geeignet ist, kann man pauschal nicht erkennen, sagt Annabel Oelmann, Finanzexpertin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: "Kaum ein Angebot passt zu jedem - man muss immer genau prüfen, ob zum Beispiel Direktbanken den persönlichen Geschmack treffen." Verlockend sind Gratisangebote oft, doch nicht alle halten, was sie versprechen.

Versteckte Gebühren

Kein monatlicher Mindesteingang, keine versteckten Klauseln: Tatsächlich kostenfreie Konten bieten etwa die Deutsche Kreditbank (DKB), die Deutsche Skatbank, Degussa, Comdirect sowie Bank 1 Saar an. Und bei Wüstenrot, der SKG Bank, PSD-Bank Köln, Norisbank, ING-Diba gibt es zudem noch eine kostenlose Mastercard und/oder Visacard obendrauf.

Zu unterscheiden ist bei Gratiskonten zwischen zwei Angebotstypen: Konten, bei denen keine weiteren Voraussetzungen zu erfüllen sind sowie Konten, bei denen die Kostenfreiheit an Bedingungen geknüpft ist. Oelmann warnt selbst vor der auf den ersten Blicken kleinen Hürde des regelmäßigen Eingangs von Gehaltszahlungen.

"Die Verpflichtung eines Gehaltseingangs, gleich welcher Höhe, kann zum Problem werden, wenn man plötzlich arbeitslos oder auch selbstständig wird - dann bleibt der geforderte regelmäßige Geldzugang nämlich unter Umständen für einige Zeit aus", sagt die Finanzexpertin.

Genau diesen Haken haben jedoch viele Anbieter in ihre Gratis-Angebote eingebaut. Die BB-Bank etwa fordert einen regelmäßigen Gehaltseingang für ihr "Klassikkonto", das SEB-Konto "Giro4free" ist nur dann for free, wenn ein monatlicher Geldeingang von 1250 Euro verzeichnet wird. "Giro4free" kostet bei Nichterfüllung dieser Bedingung 7,50 Euro im Monat.

Wer sich seines monatlichen Gehaltes sicher ist, kann außer bei der BB-Bank, auch bei der HypoVereinsbank, Netbank, PSD-Bank Berlin Brandenburg oder der Sparda-Bank Berlin glücklich werden. Das "WillkommensKonto" der Hypo und das "Girokonto" der Sparda Berlin weisen Besonderheiten auf: In Berlin muss der Kunde zusätzlich zum regelmäßigen Gehaltseingang Genosse werden, um in den Genuss des Gratis-Kontos zu kommen. Und die Münchner bieten als Alternative zum monatlichen Eingang auch die Verabredung einer monatlichen Sparrate von mindestens 20 Euro an.

Sowohl die Allianz, als auch Commerzbank, Cortal-Consors, DAB-Bank, die Frankfurter Sparkasse, Postbank, SEB-Bank, Targobank (früher Citibank) sowie Volkswagen-Bank direct verlangen einen Mindesteingang. Dass der nicht groß sein muss, zeigt die Frankfurter Online-Sparkasse 1822. Die Kontoführung ist kostenfrei ab einem Habenumsatz von einem Euro im Monat. Sonst kostet das Konto 3,90 Euro.

Die Vielfältigkeit der Angebote zeigt, es kommt immer auf die Bedürfnisse des Einzelnen an, welches Konto passt. "Die persönlichen Bedürfnisse und Umstände ändern sich bei den meisten Verbrauchern regelmäßig, man sollte daher immer wieder die Augen offen halten, ob nicht ein anderes Konto günstiger ist", sagt Finanzexpertin Oelmann. Je nach Lebenssituation könne es beispielsweise wichtig sein, wie viele Automaten das Institut zum kostenlosen Geldabheben anbietet.

Fremdgehen ist teuer

Wer immer vorausschauend beim angestammten Bankautomaten seines Vertrauens Geld zieht, dem ist es wahrscheinlich egal, ob die Nutzung fremder Automaten mit einer hohen Gebühr belegt ist. Doch wer eigentlich immer zu wenig Bares in der Tasche hat und ständig auf der Suche nach einer passenden Aufladestelle ist, der weiß: Die Strafen fürs Fremdgehen können saftig sein. Die SKG Bank etwa bittet mit mindestens zehn Euro ordentlich zur Kasse - aber nur, wenn man am fremden Automaten mit der EC-Karte abhebt. Mit der (kostenlosen) Mastercard versprechen die Saarländer weltweit kostenloses Geldabheben.

Auch andere Anbieter wie 1822 und ING-Diba, Targobank und Volkswagen-Bank direkt (alle kostenlos nur im Euroraum), Cortal-Consors, DKP, die Netbank, und SKB-Bank bieten weltweit gebührenfreies Bargeldabheben mit der Kreditkarte an. Die meisten Anbieter verlangen ein Prozent zusätzliche Gebühren am fremden Automaten, mindestens aber zwischen vier und sechs Euro.

Wer sein Konto bei einer Bank hat, die der Cash-Group angeschlossen ist, kann auf 7000 Geldautomaten zugreifen - gebührenfrei. Im Sparkassenverbund stehen insgesamt rund 25.700 Automaten zur Verfügung - damit betreiben die Kassen das dichteste Netz. Der Cash-Pool einiger kleinerer Institute umfasst 2500 Automaten, das Bankcard-Service-Netz, das vor allem von Volks-, Raiffeisen- und Spardabanken genutzt wird, mehr als 18.000.

Damit beim Online- und Telefonbanking nicht das böse Erwachen in Form eines leer geräumten Kontos kommt, sollten Kunden auf Angebote mit sicheren Verfahren setzen. Experten empfehlen das PIN/TAN-System nur eingeschränkt. Sicherer sind die Systeme mTAN (Zahlenkombination per SMS), eTan (Zahlenkombi wird durch Taschenkartenleser und Chipkarte erzeugt) sowie iTAN (durchnummerierte Liste mit Zahlenkombinationen). Das derzeit sicherste Verfahren ist HBCI mit Chipkarte - angeboten von einem Großteil der Banken.