Frankreich

Kampf ums L'Oréal-Erbe wird zur Staatsaffäre

In den Streit zwischen L'Oréal-Erbin Bettencourt und ihrer Tochter ist jetzt auch Frankreichs Arbeitsminister verwickelt.

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Der vor Gericht ausgetragene Streit zwischen L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt und ihrer Tochter droht zu einer Staatsaffäre zu werden. Wenige Tage vor Prozessbeginn gerät Arbeitsminister Eric Woerth, der noch bis vor kurzem als Haushaltsminister Jagd auf Steuersünder machte, durch neue Enthüllungen immer stärker unter Druck: Bettencourt, die reichste Frau Europas, gab nun indirekt zu, einen Teil ihres Vermögens am Fiskus vorbei in Steuerparadiese wie die Schweiz geschmuggelt zu haben. Möglicherweise mit dem Wissen Woerths, denn seine Frau Florence arbeitet seit 2007 als Finanzberaterin der L’Oréal-Erbin.

Der Politiker kündigte inzwischen an, seine Frau werde aus der Vermögensverwaltung ausscheiden, die Liliane Bettencourt betreut. Doch der Opposition ist das nicht genug. Sie fordert den Rücktritt Woerths und ein Untersuchungsverfahren. Ans Licht gekommen war die Affäre, nachdem die Internetseite Mediapart Auszüge aus Gesprächen Bettencourts veröffentlichte, die der Butler der 88-Jährigen jahrelang heimlich mitgeschnitten hatte. Darin ist von dem Transfer von 80 Millionen Euro von Konten in der Schweiz nach Singapur sowie Hong Kong die Rede – und von dem Besitz einer Seychellen-Insel, die die reiche Dame dem Finanzamt verschwiegen hat. Bettencourt kündigte an, sie werde Vermögen, das sich im Ausland befinde, zurück nach Frankreich holen.

In den illegal gemachten Tonbandaufzeichnungen fallen auffällig oft die Namen französischer Spitzenpolitiker. Französische Medien vermuten, dass die L’Oréal-Erbin die konservative Regierungspartei, der Präsident Nicolas Sarkozy und auch Woerth angehören, großzügig unterstützt hat. Ein Vertrauter Bettencourts versichert in einem der Gespräche außerdem, Sarkozy habe ihm gesagt, er kenne den für den Prozess der L’Oréal-Erbin zuständigen Staatsanwalt gut. Dieser werde schon nach dem Rechten sehen.

Die Affäre dürfte Frankreich noch in Atem halten. So klagte die Justiz nun Bettencourts Butler wegen Verletzung der Privatsphäre an. Die Frau von Arbeitsminister Woerth will zudem den sozialistischen Abgeordneten Arnaud Montebourg und die Grünen-Politikerin Eva Joly wegen Verleumdung verklagen, da diese ihr öffentlich vorgeworfen hatten, die Steuerflucht Bettencourts organisiert zu haben. Auch der Streit zwischen der L’Oréal-Erbin und ihrer Tochter Françoise Meyers geht in die nächste Runde. Meyers strebt ein Entmündigungsverfahren für ihre Mutter an, da diese einem befreundeten Fotografen Geschenke im Wert von einer Milliarde Euro gemacht hat. Ihre Mutter konterte nun mit einer Gegenklage, da ihre Tochter ihren Butler zu den illegalen Tonbandaufzeichnungen angestiftet haben soll.