US-Notenbankchef

Bernankes Worte beflügeln die Aktienmärkte

Es war eine Sowohl-als-auch-Rede: US-Notenbankchef Ben Bernanke hat vor dem Senat gesagt, dass es möglicherweise schon in ein paar Monaten wieder aufwärts geht – sicher sei das aber nicht. Trotzdem drehten die US-Märkte deutlich ins Plus. Denn Bernanke sagte auch noch etwas zur Bankenbranche.

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Nach Verlusten an sechs Handelstagen in Folge hat der New Yorker Aktienmarkt am Dienstag tief Luft geholt. Alle führenden Indizes legten um mehr als drei Prozent zu. Notenbank-Chef Ben Bernanke hatte zuvor die Nerven der Anleger mit der Zusage beruhigt, eine Verstaatlichung großer Banken wie der Citigroup stehe nicht bevor. Banken-Anteile waren damit schlagartig wieder gefragt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Aufschlag von 3,32 Prozent bei 7350 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 7114 und 7378 Zählern. Der breiter gefasste S&P-500-Index gewann 4,01 Prozent auf 773 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ging 3,9 Prozent höher mit 1441 Punkten aus dem Handel. In Frankfurt schloss der Dax ein Prozent schwächer bei 3895 Punkten.

Bernanke bekräftigte vor dem Bankenausschuss des Senats, der besondere Wert der US-Banken gehe verloren, wenn der Staat als Eigentümer auftrete. „Das stützt den Eindruck, dass die Regierung die Banken nicht verstaatlichen will und das wird positiv bewertet“, sagte Richard Sparks von Schaeffer's Investment Research in Cincinnati.

Die Zusage kombiniert mit zuletzt stark verbilligten Aktien halfen den Kursen im Finanzsektor regelrecht auf die Sprünge: Selbst die Titel der zuletzt schwer gebeutelten Citigroup verteuerten sich um 21 Prozent auf 2,41 Dollar. Die Papiere der Bank of America legten ebenfalls um knapp 21 Prozent zu. Die Aktien von JPMorgan Chase erreichten einen Aufschlag um 7,7 Prozent, nachdem die zweitgrößte US-Bank eine überraschende Dividendenkürzung angekündigt hat. Mit den eingesparten Mitteln sollen Finanzhilfen des Staates zurückgezahlt werden.

Dagegen gab es für die Aktie des Versicherers AIG kein Halten. Die Titel gingen mit einem Abschlag von 23 Prozent und 0,41 Dollar aus dem Handel. Dem taumelnden Konzern droht Kreisen zufolge mit rund 60 Milliarden Dollar ein historisch einmaliger Quartalsverlust für ein Unternehmen. AIG verhandelt nach Informationen von Reuters bereits über weitere Hilfen von der US-Regierung. Zu den Verlierern zählte auch die größte Autovermietung Hertz, deren Kurs nach einem Quartalsverlust knapp drei Prozent nachgab.

Schlechte Nachrichten zur Stimmung der US-Verbraucher im Februar wurden von einem soliden Ergebnis der Kette Home Depot aufgefangen. Die Aktien des größten Baumarkts legten 10,5 Prozent zu. Auch die Kurse von Ölkonzernen wie Exxon Mobil profitierten von dem Aufwärtstrend und verteuerten sich um vier Prozent. Im Technologiesektor waren Apple-, Google- und Yahoo-Anteile gefragt, die mit Aufschlägen zwischen 3,8 und 6,5 Prozent aus dem Handel gingen.

Zweideutige Rede von Bernanke

Die US-Wirtschaft könnte sich nach den Worten von Notenbankchef Ben Bernanke zum Ende des Jahres schrittweise erholen, falls die Maßnahmen der Regierung und der Zentralbank greifen. Andernfalls drohe eine längere Rezession, deren Überwindung zwei bis drei Jahre dauern dürfte. „Um die Abwärtsspirale zu brechen, ist es entscheidend, dass wir weiterhin Konjunkturimpulse mit starken Regierungshandeln kombinieren“, forderte Bernanke in seinem halbjährlichen Bericht vor dem Bankenausschuss des US-Senats. Allerdings gebe es weiterhin erhebliche Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Krise. Insgesamt werde die US-Wirtschaft im laufenden Jahr deutlich schrumpfen.

Bernanke machte allerdings eindringlich deutlich, dass eine Erholung der US-Wirtschaft nur dann möglich sei, wenn die Finanzmärkte beruhigt werden könnten. „Sollten es der Regierung, dem Kongress und der Notenbank gelingen, ein gewisses Maß an finanzieller Stabilität wiederherzustellen – und nur in diesem Fall – besteht eine vernünftige Aussicht auf ein Ende der gegenwärtigen Rezession im Jahr 2009.“ In einem solchen Fall könnte 2010 „zum Jahr der Erholung“ werden.

Insgesamt geht Bernanke allerdings von einem weiteren Schrumpfen der US-Wirtschaft in diesem Jahr aus. Die Wirtschaftsleistung dürfte neuesten Schätzungen zufolge um 0,5 bis 1,25 Prozent zurückgehen. Auch die Arbeitslosigkeit in den USA wird sich nach den Worten Bernankes weiter erhöhen. Sie dürfte bis zum Ende des Jahres von derzeit 7,6 Prozent auf 8,5 bis 8,75 ansteigen. Dagegen dürfte der Inflationsdruck weiter deutlich sinken.

Allerdings äußerte Bernanke auch erhebliche Skepsis über die Chancen zur Krisenüberwindung: „Die wirtschaftlichen Aussichten sind durch erhebliche Unsicherheiten bestimmt. Und ich glaube, die Risiken für eine Verschlechterung sind vermutlich größer als die Chance auf eine Verbesserung.“ Erneut bekräftigte Bernanke die Bereitschaft der Zentralbank, „mit allen verfügbaren Mitteln“ die Wirtschaft anzukurbeln und das Funktionieren der Finanzmärkte zu verbessern.