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Postbank steigt bei Hebelprodukten ein

Hohes Risiko ist wieder gefragt: Nun steigt die Postbank in den Markt der Hebelprodukte ein: Diese bedeuten für die Anleger ein höheres Risiko, aber auch deutlich höhere Gewinne. Diese können 20-mal größer sein als bei herkömmlichen Wertpapieren. Im Gegensatz zu Optionen ist der Verlust auf den Einsatz begrenzt.

Die Börsen kriseln und die Anleger flüchten sich in Sicherheit. So heißt es oft – stimmt aber nicht so ganz. Denn immer mehr Privatinvestoren zeigen Interesse an besonders spekulativen Produkten – den sogenannten CFDs.

CFD steht für Contract for Difference. Anleger können mit ihnen sowohl auf steigende, als auch auf fallende Kurse setzen. Anstatt den vollen Kaufpreis eines Basiswerts zu bezahlen, ist nur eine Sicherheitseinlage – im Fachjargon Margin – nötig. Ein Beispiel: Um etwa den Dax handeln zu können, müssen Spekulanten nicht 6740 Euro investieren, sondern nur eine Margin von fünf Prozent dieses Betrages hinterlegen, um voll an den Bewegungen des Dax zu profitieren. Zudem haben Investoren die Möglichkeit, mit einem 20-fachen Hebel zu spekulieren. Wohl und Wehe liegen bei CFDs allerdings dicht bei einander. Denn der Hebel-Effekt wirkt in beide Richtungen. Tritt die gewünschte Entwicklung nicht ein, ist bei einem Hebel von 20 bereits bei einer Bewegung von fünf Prozent der gesamte Einsatz verloren.

Jetzt ist mit der Postbank auch die erste große deutsche Privatkundenbank in den Vertrieb dieser Produkte eingestiegen. Das Institut räumt jedoch ein, dass nur wenige Kunden für derartige Geschäfte in Frage kommen. Aufgrund der hohen Nachfrage, so ein Sprecher, habe man sich dennoch für CFDs entschieden. Insider munkeln indes dass das 15 Mio. Kunden schwere Institut, dessen Klientel grundsätzlich eher als konservativ gilt, mit dem neuen Angebot den im vergangenen Jahr gesunkenen Provisionsüberschuss aufpäppeln will.
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Über ihren Kooperationspartner City Index Ltd. offeriert die Postbank Differenzkontrakte auf 350 Aktien, zwölf Indizes sowie die Rohstoffe Gold, Silber und Öl. Die Gebühren richten sich nach dem Anlagevolumen und beginnen bei 6,66 Euro. Wer Differenzkontrakte über Nacht hält, muss dafür Zinsen in Höhe des Tagesgeldzinssatzes plus einen zusätzlichen Aufschlag zahlen. Im Gegensatz zu Wettbewerbern schließt die Postbank eine Nachschusspflicht bisher aus. Mögliche Verluste beschränken sich daher „nur“ auf das eingesetzte Kapital, im Fall des Falles wird das CFD-Konto automatisch liquidiert. Produkte mit höherem Risiko erwägt die Postbank erst nach Abschluss einer Testphase.

Derweil arbeitet die Konkurrenz, bei der Spekulanten ihren Einsatz bis zu 100-fach hebeln können, an weniger riskanten Varianten. So bietet CMC Markets seit kurzem ein Konto mit einem maximalen Hebel von vier. Und die Saxo Bank behält sich vor, in extremen Marktphasen den Hebel einzuschränken.

Noch fristen CFDs hierzulande ein Nischendasein. Private Großbanken halten sich bisher zurück. Auch deshalb, weil sie das lukrative Geschäft mit Optionsscheinen nicht kannibalisieren wollen. Trotzdem lockt das Gefühl, wie ein Profi mit kostenlosen Echtzeit-Kursen und Handelssystemen rund um die Uhr zu handeln, immer mehr Anleger an – trotz des beträchtlichen Verlustrisikos.