Zertifikate

Kein Ärger über entgangene Aktiengewinne

Imposante Kursrallye: Der Deutsche Aktienindex Dax ist von 3600 Punkten im März 2009 auf nun schon 5100 Zähler gestiegen. Jetzt ärgern sich Anleger, weil sie zu spät auf den Zug aufgesprungen sind. Sie haben noch eine Chance: Neue Zertifikate verdoppeln das Kapital auch ohne weitere Kurssprünge – allerdings mit Risiko.

Wer zu spät kommt, denn bestraft die Börse. So denken und fühlen derzeit sehr viele Anleger. Weil sie zu lange gezögert haben, ist der erste Schub der Dax-Erholung an ihnen vorübergegangen. Nun schauen sie einigermaßen den hohen Kursen hinterher und warten sehnlich auf einen Rücksetzer, um doch noch in den Aktienmarkt hineinzukommen. Ob dieser Rücksetzer tatsächlich kommt, ist aber ebenso ungewiss wie die Frage ob sich die beachtliche Erholung des Dax fortsetzt.

Binnen weniger Monate ist der Index von 3600 auf nun schon 5100 Punkte gestiegen. Bei einigen Einzelwerten fällt das Plus sogar noch deutlich stärker aus. Die Deutsche Bank als Vertreter des krisengeschüttelten Finanzsektors ist seit Anfang März um sage und schreibe 150 Prozent in die Höhe geschossen. Der Autobauer Daimler, als Mitglied der zweiten Krisenbranche, bringt es immer noch auf ein Kursplus von 50 Prozent.

Für die Zuspätgekommenen ist all dies verdrießlich, weil mit jedem Euro, den die Aktien weiter steigen, das verbleibende Erholungspotenzial geringer wird. Um trotzdem noch in den Genuss hoher Erträge zu kommen, setzen Anleger nun offenbar verstärkt auf eine neue Zertifikate-Idee, die sich den Emittenten zufolge gerade großer Beliebtheit erfreut. Unter Namen wie Extrachance (DZ Bank), Top-Bonus (Credit Suisse) oder schlicht Top-Zertifikat (HypoVereinsbank) bieten zahlreiche Häuser eine Möglichkeit, auch bei nachlassender Aufwärtsdynamik noch hohe Gewinne zu erzielen.

Ziel ist eine Verdopplung des Anlagekapitals, wofür meist moderate Kursgewinne ausreichen. So wie bei einem derzeit von der Landesbank Berlin angebotenen Top-Bonus auf die Aktie von Daimler. Das Papier wird bis Anfang Juli zu einem Ausgabepreis von 50,50 Euro zur Zeichnung angeboten. Zurückgezahlt werden im besten Fall aber 100 Euro, sodass sich das Kapital beinahe verdoppeln würde. Nötig ist dafür allerdings nur ein Kursgewinn von 10,75 Prozent.

Der müsste bei Abrechnung des Zertifikats im Dezember 2012 mindestens erreicht sein, um in den Genuss der Maximalausschüttung zu kommen (WKN: LBB217). Ausgehend von den aktuellen Daimler-Kursen um 27,40 Euro würde es also genügen, wenn die Aktie in drei Jahren bei rund 30,30 Euro notiert, um den Einsatz zu verdoppeln. Im Gegenzug verzichten Anleger allerdings auf alle bis dahin anfallenden Dividendenzahlungen. Und sie verzichten auch auf die Chance weiterer Gewinne, falls Daimler zu den Höchstständen aus dem Sommer 2007 zurückkehren sollte. Da notierte die Aktie beinahe bei 80 Euro, was fast dem Dreifachen des heutigen Kurses entspricht.

Nach dem gleichen Strickmuster bietet die HypoVereinsbank ab Montag weitere Top-Zertifikate auf andere Einzelaktien an. Dabei würde es zum Teil selbst dann zur Kapitalverdopplung kommen, wenn die Aktien gar nicht steigen oder sogar moderat an Wert verlieren. Letzteres gilt beispielsweise bei einem Top-Zertifikat auf die Deutsche Telekom. Der Startbetrag von 100 Euro plus Ausgabeaufschlag wird hier verdoppelt, wenn die T-Aktie im Dezember 2013 bei 90 Prozent des heutigen Kurses liegt. Aktuell entspräche das einem Kurs von 7,25 Euro (WKN: HV5AS1).

Ein entscheidender Vorteil der neuen Top-Zertifikate ist, dass die Gewinnchance auch bei einem zwischenzeitigen Absturz erhalten bleiben würde. Trotz des zum Teil genutzten „Bonus“ im Namen, kann also die Chance auf die Sonderzahlung nicht vorzeitig deaktiviert werden. Sie bleibt in jedem Fall bis zum Ende bestehen. Andererseits bieten die Top-Zertifikate aber auch keinerlei Schutz gegen Kursverluste der jeweils abgebildeten Aktie. Stürzt Daimler bis zur Fälligkeit des Zertifikats um 50 Prozent ab, dann erhalten Anleger lediglich die Hälfte des Startkapitals zurück.

Fazit: Geld verdoppeln, klingt immer gut. Im Kern bringen die neuen Top-Zertifikate dem Anleger aber nur dann einen Vorteil, wenn beispielsweise die Daimler-Aktie zwischen 10,75 und 100 Prozent steigt. Darüber wäre die Aktie besser. Darunter hätte der Aktionär zumindest noch ein paar Dividenden erhalten, die seinen Gewinn erhöhen oder seinen Verlust verringern. Wer die Aktie grundsätzlich positiv beurteilt und im Zweifel mit einer Verdopplung zufrieden ist, der erhöht mit den „Top“-Produkten allerdings seine Chance, diese auch tatsächlich zu erreichen.