Bange Monate

Sal. Oppenheim erwägt Ausstieg bei Arcandor

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Die Bank Sal. Oppenheim hält mehr als ein Viertel der Arcandor-Aktien. Doch nach dem Insolvenzantrag des Handelskonzerns stellt der Großaktionär sein Engagement auf den Prüfstand. Nun unterstellen die Manager von Sal. Oppenheim der Bundesregierung, sie habe kein Interesse gezeigt, Arcandor zu retten.

Arcandor-Großaktionär Sal. Oppenheim denkt über einen kompletten Rückzug aus dem angeschlagenen Handels- und Touristikkonzern nach. „Wir überdenken unser Engagement“, ist aus der Bank zu hören. In den nächsten sechs bis acht Wochen werde eine Entscheidung fallen. Nach wie vor sei es allerdings auch nicht ausgeschlossen, dass das Bankhaus bei Arcandor noch einmal investiert und die Aktien behält. Für das Paket in Höhe von 28,6 Prozent gibt es dem Vernehmen nach bereits Anfragen. Gespräche würden allerdings aus Rücksicht auf das in Vorbereitung befindliche Insolvenzplanverfahren noch nicht geführt.

Die seit zwei Jahren in Luxemburg beheimatete Bank war bei der Karstadt-Mutter eingestiegen, als das Unternehmen im September bereits dringend Kapital benötigte. Im Zuge der vergeblichen Rettungsversuche des Konzerns in der vergangenen Woche gab es vor allem von politischer Seite viel Kritik an dem Geldhaus. Von unterlassener Hilfe der Eigentümer war die Rede. „Die Politik hat während der gesamten Gespräche keine konkrete Forderung an uns gestellt“, wehrt man sich nun bei Sal. Oppenheim. Nach dem öffentlichen Gegenwind im Zuge der Opel-Hilfe sei der Regierung offensichtlich genauso wenig an einer Arcandor-Rettung gelegen gewesen wie den anderen Kredit gebenden Banken.

Erstmalig auf Distanz geht Sal. Oppenheim zu dem langjährigen Immobilienpartner Josef Esch. „Wenn überhaupt, dann werden wir schauen, wie die Zusammenarbeit erträglich gestaltbar ist“, heißt es. Es gebe keine Planungen für weitere geschlossene Immobilienfonds und wenn, dann sei die Bank „nicht auf Herrn Esch“ festgelegt. Die Oppenheim-Esch-Fonds waren in die Schlagzeilen geraten, weil sie vier Karstadt-Filialen gekauft und zu angeblich überhöhten Preisen wieder an den Konzern vermietet hatten. Auch Ex-Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und seine Frau gehörten als Sal. Oppenheim-Kunden zu den Zeichnern.

Bei der Bank kann man die Vorwürfe der überhöhten Mieten nicht nachvollziehen. Zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses seien es marktgerechte Preise gewesen. Zudem gehe es nur um vier von 121 Filialen. Der Eindruck, dass diese Arcandor in die Insolvenz geführt hätten, sei daher Unsinn. Dies gelte auch für Gerüchte über Kundenverluste der Bank infolge der öffentlichen Diskussion. „Wir verzeichnen trotz allem Mittelzuflüsse privater Kunden und neue Mandate institutioneller Investoren.“ Von einer Mrd. Euro innerhalb weniger Wochen ist die Rede.

Der Aktienkurs von Arcandor brach am Dienstag um zehn Prozent ein, weil weitere schlechte Nachrichten im Markt sind. So prüft das Unternehmen offenbar weitere Insolvenzen von Tochterfirmen. „Noch ist nichts entschieden“, sagte ein Konzernsprecher. Möglicherweise könnte es als nächstes die Service-Gruppe der Versandsparte Primondo treffen, die unter anderem die Call-Center betreibt. Hier sind über 6000 Mitarbeiter beschäftigt. Auch für Foto Quelle soll es eng werden. Weiterhin nicht betroffen sind die Spezialversender und der Shopping Sender HSE24. Für ihn gibt es nach Informationen von Morgenpost Online zahlreiche Kaufanfragen – obwohl das Unternehmen gar nicht insolvent ist.

Arcandor setzt unterdessen mit Hochdruck seine Vorbereitungen für den Antrag auf einen Massekredit fort, der kurzfristig Liquidität verschaffen würde. Dieser Kredit soll möglicherweise durch eine Bürgschaft des Bundes abgesichert werden. Die Zeit drängt: Unternehmenskreisen zufolge braucht der insolvente Versender Quelle schon sehr bald 50 Millionen Euro.

( sei/sl )