Aktionärsversammlung

Josef Ackermann muss zeigen, was er wert ist

Es ist das berherrschende Thema der Aktionärsversammlung: Erstmals stimmen die Anteilseigner der Deutschen Bank über die Bezahlung des Vorstands ab. Nun muss Konzernlenker Josef Ackermann darlegen, was seine Leistung wirklich wert ist. Die Meinungen im Publikum gehen dabei auseinander.

Dass es kein einfacher Tag werden würde für Josef Ackermann, war schon beim Begrüßungskaffee klar. An den Bistrotischen in der Frankfurter Festhalle stehen Aktionäre wie Helga Bienert. „Natürlich verdient Herr Ackermann zu viel, das ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen“, sagt die Frau aus einem Frankfurter Vorort. Und die Meinung von Menschen wie ihr kann dem im vergangenen Jahr mit knapp zehn Mio. Euro vergüteten Manager nicht gleichgültig sein – denn in diesem Jahr stimmen erstmals die Aktionäre der Bank über die Bezahlung des Vorstands ab.

Das Thema wird unter den Anteilseignern der Bank kontrovers diskutiert. „Der Bank bleibt doch gar nichts anderes übrig, als gut zu bezahlen, sonst laufen die guten Leute davon“, sagt etwa Joachim Vogler. 39 Mio. Euro für die acht Mitglieder des Vorstandes hält der Ingenieur mit dem grob gestreiften Hemd daher für unvermeidlich. Herbert Storch dagegen ist hin- und hergerissen. „Wer Spitzenleistung bringt, soll auch gut bezahlt werden“, sagt er. Sorgen mache ihm all diese Zockerei der Investmentbanker, die bei der Deutschen Bank für einen Großteil des Vorjahresgewinns von fünf Mrd. Euro sorgten. „Was ist, wenn das mal schief geht?“

Josef Ackermann weiß, dass er ganz unterschiedliche Leute überzeugen muss an diesem Tag. Renditehungrige Investoren ebenso wie Aktionäre, die das Gefühl haben wollen, an einer anständigen Bank beteiligt zu sein. Forsch schreitet der Vorstandschef ans Rednerpult, mit schmetternder Stimme begrüßt er die Aktionäre, den Blick fest in den Teleprompter gerichtet. Ackermann spricht viel über die „besondere Verantwortung“ der führenden Bank an diesem Tag. „Kein Geschäft darf es wert sein, den Ruf und die Glaubwürdigkeit der Bank aufs Spiel zu setzen“, sagt er.

Dann betont er, wie groß das Interesse seines Unternehmens an einem stabileren Finanzsystem sei. Die eine oder andere Spitze gegen Politiker, die zuletzt einmal mehr sein Renditeziel von 25 Prozent kritisiert hatten, kann er sich jedoch nicht verkneifen. Die Deutsche Bank sei vielen Anspruchsgruppen weltweit verpflichtet. „Dass daraus gelegentlich hierzulande aus dem politischen Raum Kritik an uns resultieren kann, ist deshalb in einem gewissen Maße unvermeidlich. Das müssen wir aushalten.“ Und auch seine umstrittenen Warnungen vor einer möglichen Pleite Griechenlands vor laufenden Kameras verteidigt Ackermann: „Die großen Anleger brauchen keine Talkshows, um sich eine Meinung zu bilden – die kleinen sehr wohl.“

Gleichzeitig will aber auch den Eindruck vermeiden, es gehe in einer von Regulierungsdebatten geprägten Zeit nur noch um Politik: „Unsere primäre Verantwortung gilt immer Ihrer Bank“, ruft er den Aktionären zu. Das erste Quartal 2010 sei das zweitbeste Vierteljahr aller Zeiten gewesen, und der positive Trend habe sich im April fortgesetzt. Aber: Um weiter erfolgreich zu sein, brauche die Bank auch „eine ebenso leistungsbezogene wie verantwortungsbewusste Vergütung“.

Die Aktionäre applaudieren Ackermann lange – aber ist dieser Mann auch zehn Mio. Euro und mehr wert? Dafür zu werben, obliegt Aufsichtsratschef Clemens Börsig. An die zehn Minuten lang referiert er über Lang- und Kurzfristanreize, verhaspelt sich ein paar Mal angesichts der komplexen Regelungen. Die Botschaft: Die Vorstände bekommen weniger kurzfristige Boni und werden stärker denn je in Aktien bezahlt, die sie lange halten müssen.

Eine Stoßrichtung, die die Aktionäre begrüßen. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Dass für den Bonus nicht mehr die Rendite eines Jahres entscheidend ist, sondern ein zweijähriger Durchschnitt, könne man auch als Sicherung der Boni für einzelne schwache Jahre ansehen, sagte Klaus Nieding von der Anlegerschutz-Vereinigung DSW. Andere Investoren vermissten detailliertere Angaben.

Auf das Aktionärsvotum zu seinem Gehalt muss Ackermann allerdings lange warten: Nicht zuletzt angesichts der alljährlichen Vorstöße der Anwälte des Medienunternehmens Leo Kirch, der mit der Deutschen Bank im Dauerclinch liegt, war mit der Abstimmung nicht vor dem Abend zu rechnen.