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Daimler baut seine Motoren jetzt auch in Peking

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Johnny Erling

Foto: AFP

Dieter Zetsche macht ernst mit der Lokalisierung der Märkte. Erstmals will Daimler Motoren außerhalb von Deutschland fertigen – in Peking.

Die Daimler AG lässt für ihre ehrgeizigen Expansionspläne jetzt auch ein eigenes Motorenwerk in Peking aufbauen. "China wird das erste Land außerhalb Deutschlands sein, wo wir Motoren produzieren", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche im Pekinger Gemeinschaftswerk des Stuttgarter Konzerns. Ab dem Jahr 2013 soll dort die Motorenfertigung beginnen.

Das Werk soll auf eine Kapazität von 100.000 Motoren pro Jahr ausgelegt werden. Zusammen mit seinem 50/50 Jointventure-Partner BBAC (Beijing Benz Automotive Co.Ltd) will die Daimler AG in seinen Aufbau zwei Milliarden Yuan (rund 230 Millionen Euro) investieren. Die Benzinmotoren sollen sowohl für die in Peking von Beijing-Benz produzierte C- und E-Klasse als auch für Kleintransporter der Modelle Vito und Viano genutzt werden können. Diese lässt Daimler in seinem südchinesischen Jointventure "Fujian-Daimler Automotive" herstellen.

Mit dem Motorenwerk erfüllt Zetsche das Versprechen, die Lokalisierung seiner Marken in der Automobilherstellung aggressiv voranzutreiben. "Wir haben bereits in der C- und E-Klasse einen Anteil an Eigenfertigung im Land von mehr als 40 Prozent erreicht."

Zetsche nahm in einer Premiere im Pekinger BBAC-Werk, wo heute 4500 Arbeiter beschäftigt sind, die erste vom Band laufende Limousine der E-Klasse ab. Das Jointventure hatte sie exklusiv auf Chinas Markt zugeschnitten und entwickelt. Ein Prototyp des um 14 Zentimeter verlängerten E-Klasse-Modells war erst im April auf der Pekinger Automesse vorgestellt worden. Der Daimler-Konzern will als Nachzügler in China, das als Abnehmer der S-Klasse für Daimler heute schon größer als der US-Markt ist, künftig auch in anderen Segmenten überproportional schnell wachsen.

Mit boomenden Exporten nach China, der Produktionsausweitung seiner C-Klasse und dem Start der E-Klasse, hofft Daimler seinen Absatz von 67.000 Wagen im vergangenen Jahr auf über 100.000 Wagen 2010 zu treiben und bis 2015 den Absatz auf 300.000 zu verdreifachen. Zur Vorstellung der Chinastrategie, in die die Stuttgarter in den kommenden vier Jahren mit ihren chinesischen Partnern rund drei Milliarden Euro investieren wollen, lud der Vorstand erstmals eine Gruppe Investoren und Analysten nach China ein. Daimler enthüllte bisher aber nur wenige Projekte seiner neuen Strategie.

Neben der Motorenfabrik und der Ausweitung der BBAC-Produktion gehört dazu auch das von Zetsche unterzeichnete neue Gemeinschaftsunternehmen "Shenzhen BYD Daimler New Technology Co. Ltd" zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen. Daimler und der chinesische Batterie- und Autobauer BYD wollen gemeinsam die Investitionen von 600 Millionen Yuan (71 Millionen Euro) tragen. Ein von beiden entwickeltes Elektroauto soll 2013 auf den Markt kommen.