Karstadt-Konzern

Regierung stellt Bedingungen für Arcandor-Rettung

Mitten in den laufenden Beratungen über eine staatliche Rettungsbeihilfe für den Karstadt-Mutterkonzern Arcandor hat Kanzlerin Merkel ihre Skepsis geäußert. "Was uns nach wie vor fehlt, ist eine Lösung seitens der Eigentümer", sagte Merkel. Die Hausbanken von Arcandor sind zu einem Zahlungsaufschub bereit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ein klares Zukunftskonzept der Eigentümer und Gläubiger zur Bedingung für Staatshilfen für den angeschlagenen Einzelhandelskonzern Arcandor gemacht. „Ohne eine Zukunftsperspektive ist die Inanspruchnahme staatlicher Hilfe überhaupt nicht denkbar“, sagte die Kanzlerin. Eine Lösung dürfe nicht nur für wenige Monate gültig sein, sondern müsse eine dauerhafte Lösung für die Arbeitsplätze im Unternehmen bieten. Merkel betonte zudem, eine Rettungsbeihilfe, wie sie Arcandor anstrebt, wäre an scharfe Auflagen mit erheblichem Personalabbau gebunden. Merkel wehrte sich gegen Vergleiche der Situationen bei Arcandor und Opel.

Dort hätte eine Insolvenz aufgrund des Zusammenwirkens von US-Insolvenzrecht mit anderen europäischen Rechtslagen für große Schwierigkeiten gesorgt. „Diese Sondersituation wie bei Opel wird es so nicht mehr geben.“ Bei Arcandor werde nun der ganz normale Verfahrensweg für staatliche Hilfen angewandt.

Die Bundesregierung hatte zuvor eine Bürgschaft für Arcandor in Höhe von 650 Millionen Euro abgelehnt. Nach Aussage des Sprechers des Bundeswirtschaftsministeriums bestanden demnach „erhebliche Zweifel“ an der Tragfähigkeit des Konzeptes von Arcandor.

Arcandor hofft nun auf einen staatlichen Notkredit in Höhe von 437 Millionen Euro. Der angeschlagene Handelskonzern Arcandor erwartet eine Entscheidung bis Mittwoch. Das Ergebnis der Prüfung durch den interministeriellen Ausschuss werde „wahrscheinlich am Mittwoch bekannt“, sagte ein Unternehmenssprecher. Erst wenn der Antrag abgelehnt werde, sei Arcandor gezwungen, Insolvenz anzumelden. Die drohende Insolvenz sorgte für einen Kurseinbruch der Arcandor-Aktie um rund 40 Prozent bis auf ein Jahrestief von 1,10 Euro.

Die Gespräche über eine mögliche Fusion der Arcandor-Tochter Karstadt mit der Warenhauskette Kaufhof des Konkurrenten Metro wurden heute fortgesetzt, wie der Sprecher sagte. Die Gespräche auf Führungsebene der Kaufhäuser sollen demnach auch am Dienstag fortgesetzt werden .

Die Hausbanken des Touristik- und Handelskonzerns Arcandor sind zu einem mehrmonatigen Schuldenmoratorium für den ums Überleben kämpfenden Konzern bereit. Voraussetzung sei aber, dass der Konzern die beantragte Rettungsbeihilfe des Staates in Höhe von 437 Millionen Euro erhalte, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Kosloski der AP.


Zwei der drei Hausbanken seien zu einem sechsmonatigen Zahlungsaufschub bereit, eine Bank zu einem dreimonatigen Moratorium, sagte der Sprecher. Der Konzern könne so die nötige Zeit erhalten, um ein neues Geschäftsmodell zu erarbeiten und die Finanzierung daran anzupassen. Er bestätigte damit weitgehend einen Bericht der Onlineausgabe des „Manager-Magazins“.