Analyse

Warum der deutsche Export gnadenlos abschmiert

Die Zahlen haben selbst die schlimmsten Befürchtungen übertroffen: Der deutsche Export ist im April so stark eingebrochen wie nie zuvor – um fast 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Fakt ist: Deutschland trifft die Finanzkrise aufgrund der Exportabhängigkeit stärker als andere Nationen.

Foto: dpa

Die Daten zum Export sind erschreckend. Doch zunächst muss man sie etwas relativieren. Nicht vergessen werden sollte, dass die Exporte im April 2008 einen Rekordwert erreicht hatten. Selbst in einer normalen Rezession hätte es deshalb einen deutlichen Einbruch gegeben. Außerdem wurde in diesem April an zwei Tagen weniger gearbeitet als im Vorjahr. Und schließlich dürften viele Unternehmen um Ostern herum ihre Kurzarbeitstage konzentriert haben.

Dennoch verdeutlichen die Zahlen, dass der Export weiter auf Talfahrt ist – und vorerst auch bleiben wird: Experten erwarten für die kommenden Monate weitere leichte Rückgänge oder allenfalls eine Stagnation.


Je länger die Krise dauert, desto stärker steht auch das deutsche Exportmodell im Kreuzfeuer der Kritik: Seit Wochen schon prangern Experten und Politiker die starke Fokussierung der deutschen Wirtschaft auf den Export an und wiederholen immer wieder, dass sie die Vernachlässigung des Konsums für einen Riesenfehler halten. Selbst führende EZB-Notenbanker, die sonst den Ruf nach Wettbewerbsfähigkeit wie einen heiligen Gral vor sich hertragen, fordern mittlerweile ein Umdenken.


Fakt Ist: Deutschland ist aufgrund seiner Abhängigkeit vom Export stärker von der Krise getroffen als alle großen Industriestaaten mit Ausnahme Japans. Und die deutsche Wirtschaft wird in Zukunft weniger wachsen können, weil der Export aufgrund des langsameren Weltwirtschaftswachstums auf absehbare Zeit bei weitem nicht mehr so stark sein wird wie zuvor.

Deutschland muss deshalb eine neue Balance zwischen einer starken Exportwirtschaft und einer stärkeren Binnennachfrage finden. Möglichkeiten hierfür stehen genug zur Auswahl: Die Palette an Vorschlägen reicht von Konsumschecks für jedermann über eine Absenkung der Mehrwertsteuer für bestimmte Produkte, Freibeträge in der Sozialversicherung bis hin zur Wiedereinführung der Eigenheimzulage, um die deutsche Bauindustrie wieder zu stärken. Das Problem an all diesen Vorschlägen ist nur: Sie kosten den Staat viel Geld, das er momentan nicht hat.

Wirkungsvoller wären deshalb höhere Lohnabschlüsse. Sie müssen allerdings so hoch sein, dass sie nicht wie im vergangenen Jahr direkt von der Inflation wieder aufgefressen werden. Höhere Löhne würden auch nicht gleich, wie vielfach befürchtet, die deutsche Exportwirtschaft abwürgen – dafür sind die deutschen Produkte viel zu gut und viel zu gefragt auf dem Weltmarkt.

Dafür hätten die Konsumenten wieder mehr Geld in der Tasche. Gleichzeitig könnte ihnen ein Teil ihrer Zukunftsangst genommen werden, was wiederum den Konsum anregt. Zuletzt ist die Sparquote auf 11,4 Prozent gestiegen, den höchsten Wert seit Mitte der Neunziger Jahre. Fassen die Verbraucher wieder mehr Vertrauen und reduzieren die Sparquote nur um einen Prozentpunkt, würden gleich 16 Mrd. Euro mehr von den Sparkonten an die Unternehmen fließen. Das wäre ein Konjunkturprogramm, von dem alle profitieren und das ausnahmsweise einmal keine neuen Löcher in die Staatskassen reißt.

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