Autobauer

Chinesen suchen Hauptquartier in Deutschland

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Marco Dalan

Der chinesische Autobauer BYD will den europäischen Markt erobern. Die Chinesen setzen auf umweltfreundliche Autos und sind keine Unbekannten mehr.

Das europäische Hauptquartier des chinesischen Autoherstellers Build Your Dreams ("Bau deine Träume"/BYD) soll in Deutschland sein. Das kündigte BYD-Vertriebschef Henry Li im Gespräch mit Morgenpost Online an. "Wir suchen noch den richtigen Standort", sagte Li weiter. Der Standort soll nach den derzeitigen Plänen möglichst nahe an einem der großen deutschen Flughäfen liegen. Der Standort soll noch in diesem Jahr gefunden werden.

Mit dem Bezug des neuen Hauptquartiers beginnt BYD dann auch seine Offensive auf dem europäischen Markt. Die Chinesen wollen mit umweltfreundlicher Technik in Europa punkten: Ab dem Jahr 2011 soll Limousine E6 auf dem Alten Kontinent verkauft werden. Dieses Modell wird nur mit einem Elektromotor angetrieben.

Zudem bieten die Chinesen das Hybridmodell F3DM an, das sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor hat. BYD will mit seinen Fahrzeugen in ausgewählten Ländern und Städten starten. Ziel ist es dabei nach den Worten von Li in den Märkten zu beginnen, wo es staatliche Förderungen für die Elektromobilität gibt. Nach seinen Worten ist es noch offen, wo der Markteintritt als erstes erfolgt.

BYD, der zu den zehn größten chinesischen Herstellern zählt, zielt mit seinen Europaplänen vor allem auf das Flottengeschäft. Die Chinesen wollen davon profitieren, dass nach deutlicher Zurückhaltung der Unternehmen im Krisenjahr 2009 nun Nachholbedarf besteht und in die Dienstwagen-Flotten investiert wird.

Die Fehler anderer chinesischer Hersteller aus der Vergangenheit, wie etwa "Landwind" oder "Brillance", die mit katastrophalen Crashtest-Ergebnissen den Ruf der Autos aus dem Reich der Mitte beschädigten, will BYD nicht wiederholen. "Unsere Fahrzeuge werden alle technischen Standards erfüllen", sagte eine Konzernsprecherin. Die Fahrzeuge für den europäischen Markt werden den Angaben zufolge in China produziert.

Was konkrete Absatzziele für den europäischen Markt angeht, zeigte sich BYD-Vertriebschef Li zurückhaltend. Weltweit jedoch hat BYD sehr klare Vorstellungen: Bis zum Jahr 2015 will BYD die Nummer eins im Heimatmarkt China sein. Heute ist BYD auf Rang sechs. 415.000 Fahrzeuge hatte der Hersteller im vergangenen Jahr verkauft, in diesem Jahr sollen es 800.000 Einheiten werden.

Im Jahr 2025 schließlich will der chinesische Hersteller an der Spitze der weltweiten Automobilindustrie stehen. Nach Einschätzung von Li reichen acht bis neun Millionen verkaufte Fahrzeuge aus, um dieses Ziel zu erreichen. Allerdings hat der VW-Konzern bereits angekündigt, bis zum Jahr 2018 weltweit auf mehr als zehn Millionen Autos zu kommen.

Die Einschätzung, dass deutlich weniger verkaufte Autos zur Spitzenposition ausreichen, begründet BYD-Vertriebschef Li mit der steigenden Zahl von Herstellern, die sich den Markt teilen werden. BYD verkauft nach eigenen Angaben fünf bis zehn Prozent der Fahrzeuge außerhalb Chinas. Die meisten Autos gehen nach Asien, Nordafrika und Russland. In Ägypten produziert BYD bereits vor Ort.

Der Hersteller BYD, der ursprünglich Batterien herstellt und erst seit 2003 Autos baut, gilt als der Shootingstar der chinesischen Automobilindustrie. Als der Investor Warren Buffett sich vor Jahren mit zehn Prozent an BYD beteiligte, rieben sich manche Marktteilnehmer verwundert die Augen über das Investment und belächelten die Elektroauto-Pläne der Chinesen.

Doch diese Einschätzung wandelte sich spätestens dann, als der VW-Konzern und zuletzt auch Daimler Kooperationen mit BYD ankündigten. VW will in der Batterie- und Antriebsentwicklung mit BYD zusammenarbeiten. Der Stuttgarter Autobauer Daimler möchte mit BYD Elektroautos unter einer neuen, gemeinsamen Marke entwickeln. Weitere Gespräche mit anderen Herstellern gibt es nach den Worten von hingegen Li nicht.