Preis für Übernahme

So billig kommen Magna und die Russen an Opel

Der Autozulieferer Magna und die russische Sberbank bringen laut einem Medienbericht gerade einmal 100 Millionen Euro Eigenkapital für Opel mit. Zunächst war von 500 Millionen die Rede gewesen. Opel gibt es für die Investoren zum „beispiellos niedrigen Preis" – sagt Sberbank-Chef German Gref zu Morgenpost Online.

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Das Konsortium aus dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna und der russischen Sberbank bringt bei der Übernahme von Opel laut einem Medienbericht gerade einmal 100 Millionen Euro Eigenkapital ein. Das gehe aus der bislang unveröffentlichten Absichtserklärung, dem „Memorandum of Understanding“ hervor, berichtete „Der Spiegel“ unter Berufung auf das dem Nachrichtenmagazin vorliegende Papier.

Bislang hatte es geheißen, die beiden Partner engagierten sich mit 500 Millionen Euro. 400 Millionen stellten Magna und Sberbank allerdings nur als zinsloses Darlehen zur Verfügung, für das sie sich Sicherheiten einräumen ließen. Erst schrittweise und über Jahre solle der Kredit in Eigenkapital umgewandelt werden.

Der Einstieg sei eine „sehr gute Chance für Russland“, „einen der technologisch fortschrittlichsten europäischen Produzenten zu einem beispiellos niedrigen Preis zu erhalten“, sagte German Gref, Chef der Sberbank, zu Morgenpost Online.

Als Bank sei Sberbank daran interessiert, dass mit dem Kauf eines derartigen Aktivs die einheimische Autoindustrie umstrukturiert werden könne. „Auf dem russischen Markt brauchen wir sowohl die Produktion von Komponenten als auch das Design und die Endfertigung von Autos“, sagte Gref.

Sberbank soll nach Abschluss des Geschäfts 35 Prozent an der neuen Adam Opel AG halten. 20 Prozent soll Magna, weitere 35 Prozent GM und schließlich zehn Prozent die Opel-Beschäftigten halten.

Gref findet den „Deal“ nach eigenen Angaben „ziemlich riskant“. Er habe aber sehr großes Potenzial. Der Einstieg soll dem Sberbank-Chef zufolge im Herbst 2009 abgeschlossen sein. Der Sberbank-Chef betonte, „dass dieses Projekt ohne Magna nicht realisiert worden wäre“. Die Sberbank hätte sich nie auf dieses Geschäft eingelassen, weil man hier Kompetenz brauche und ein sehr qualifiziertes Management benötige.

Die Risikoeinschätzung der Russen deckt sich mit einem Gutachten der Unternehmensberatung McKinsey im Auftrag der hessischen Landesregierung. Die Wirtschaftsberater halten das Magna-Konzept dem „Spiegel“ zufolge ebenfalls für risikoreich. „Die Annahmen erscheinen optimistisch, die kostenbezogenen Ergebnisverbesserungen sind anspruchsvoll“, heiße es in dem Gutachten.

Der deutsche Staat unterstützt die Rettung von Opel mit Geld der Steuerzahler aus Deutschland. Das Magazin „Focus“ berichtete, dass die Hälfte der staatlichen Überbrückungshilfe für den Autobauer Opel ins europäische Ausland fließt. In Deutschland blieben nur 750 Millionen Euro der 1,5 Milliarden Euro. 600 Millionen Euro gingen ins spanische Saragossa. Weitere 150 Millionen Euro erhielten die britischen Vauxhall-Produktionsstätten, um damit Werkzeuge für den Bau des neuen Opel Astra zu finanzieren.

Die Russen – die am Erhalt der einheimischen Autoindustrie mitarbeiten - wollen einem Bericht der Nachrichtenagentur Ria zufolge ein Montagewerk von General Motors in St. Petersburg kaufen und dafür 65 Millionen Euro an GM überweisen, die sich mittlerweile insolvent meldeten. Der Sberbank-Anteil von 35 Prozent an Opel könnte nach Angaben des Bank-Chefs später an einen russischen Investor weiterverkauft werden.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters hat die russische Bank dafür vier Optionen. Neben dem Autohersteller Gaz kämen auch IzhAvto, Sollers und TaGaz in Frage, sagte ein Sberbank-Mitarbeiter der Agentur.

Nach Angaben eines IzhAvto-Angestellten erwägt sein Konzern die Montage von Opel-Modellen. Um Kredite zu erhalten, hat IzhAvto bei der Sberbank die Kontrolle über die Anteilsmehrheit als Sicherheit hinterlegt. Das Geldhaus sei am Überleben des russischen Autobauers interessiert, sagte der Angestellte.

Alle russischen Autobauer kämpfen derzeit infolge der Wirtschaftskrise gegen den Einbruch der Nachfrage und haben 2009 die Produktionsbänder in vielen Fabriken gestoppt.

Anders als die Sberbank hatte der Autozulieferer Magna bereits hochfliegende Pläne zu Opel öffentlich gemacht. Der „Frankfurter Rundschau“ zufolge will Magna im Jahr 2014 wieder einen Gewinn von 1,2 Milliarden Dollar machen. Der bisherige GM-Europachef Carl-Peter Forster, der das neue Unternehmen mit Opel führen soll, hatte der „Bild“-Zeitung gesagt, er wolle bereits vor 2013 wieder schwarze Zahlen schreiben.

„Da ist mein voller Ehrgeiz geweckt, Herrn Stronach das Gegenteil zu beweisen. Wir werden alles daran setzen, schon vor 2013 Gewinn zu machen“, sagte Forster. Magna-Chef Frank Stronach hatte erklärt, er rechne damit, dass Opel erst in vier Jahren wieder Gewinn mache.

Der Einstieg von Magna und der Sberbank bei Opel ist vorläufig vereinbart und könnte laut Magna sogar noch scheitern. Auch der italienische Autohersteller Fiat und der chinesische Rivale BAIC wollen sich bei Opel einkaufen; General Motors bevorzugt jedoch das Magna-Konzept.

Mit dem Sanierungsplan des Autozulieferers ist ein massiver Stellenabbau verbunden, nach Medienberichten sollen mehr als 11.000 Stellen der 50.000 Jobs in Europa abgebaut werden.