Chiphersteller

Die Revolte der Aktionäre bei Infineon scheitert

Die Aktionärsrevolte gegen die Chefetage des Halbleiterkonzerns Infineon ist überraschend deutlich gescheitert. Mehr als 72 Prozent der anwesenden Aktionäre stimmen auf der Hauptversammlung gegen den Einzug des Automanagers Willi Berchtold in den Aufsichtsrat.

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Willi Berchtold scheitert bei der Wahl des neuen Aufsichtsratschefs für den Chip-Konzern Infineon. Ihn hatten angelsächsische Investoren um den Pensionsfonds Hermes nominiert, um einen Neuanfang bei dem gebeutelten Chipproduzenten durchzusetzen. Sie wollten Berchtold zum Aufsichtsratsvorsitzenden machen.

Nach der herben Niederlage Berchtolds, der Finanzchef beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen bleibt, ist der Weg frei für Klaus Wucherer. Der 65-jährige Ex-Siemens-Manager zog mit 72,5 Prozent der Stimmen, einem wenn auch bescheidenen Ergebnis, wieder in den Aufsichtsrat ein.

Wucherer war der Kandidat des Konzerns für den Aufsichtsratsvorsitz. Nach der Hauptversammlung traf sich das Kontrollgremium zu seiner konstituierenden Sitzung und wählte aus seinen Reihen den Vorsitzenden. Das Ergebnis lag bei Redaktionsschluss nicht vor.

Wucherer hatte angekündigt, den Aufsichtsratsvorsitz nur für ein Jahr bekleiden zu wollen und einen „profilierten Nachfolgekandidaten“ zu suchen. Er habe genügend Führungsstärke, um in den kommenden zwölf Monaten keine „lame duck“ zu sein.

„Ich stelle fest, dass hiermit Herr Willi Berchtold nicht in den Aufsichtsrat gewählt ist“, sagte der scheidende Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley. In der Stimme schwang Genugtuung mit. Für den 69-Jährigen war der Ausgang der Wahl zum Abschluss seiner glücklosen achtjährigen Amtszeit ein kleiner Triumph. Schließlich setzte er sich gegen die Rebellen durch.

Dennoch musste Kley viel Kritik seitens der Aktionäre einstecken. „Sie hätten diese Schlammschlacht verhindern müssen“, warf ihm Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) vor. Andere machten ihn für den Niedergang des Chipkonzerns in den vergangenen Jahren verantwortlich.

Kley erhielt denn auch mit 96 Prozent das schlechteste Ergebnis aller Aufsichtsräte. Im vergangenen Jahr hatten ihn jedoch gerade eben 50,03 Prozent entlastet.

Die Kampfkandidatur zwischen Wucherer und Berchtold war ein Novum für einen Dax-Konzern und wird trotz des Ausgangs als Zeichen für eine gewachsene Aktionärsdemokratie gesehen. „Es ist ein historischer Moment. Das Aktionariat ist erwacht“, sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutioneller Privatanleger. Bislang war es bei Unternehmen in Deutschland Usus, dass der Aufsichtsrat seine Kandidaten nominierte und die Aktionäre die Personalvorschläge abnickten.

Dass der Streit bei Infineon eskalierte, hat mit dem Niedergang des Unternehmens und einer chronischen Führungsschwäche zu tun. Der Dax-Konzern mit seinen 25000 Mitarbeitern hat seit seiner Gründung 1999 einen dramatischen Niedergang erlebt. So verbrannte Infineon bis dato mehr als fünf Milliarden Euro, zahlte nie eine Dividende und musste die Pleite der Speicherchiptochter Qimonda hinnehmen.

Das vergangene Jahr bedeutete den Tiefpunkt, als der Aktienkurs zeitweise nur noch 35 Cent betrug, ein Hundertstel des Ausgabekurses. Damals lotete die Infineon-Führung die Möglichkeit von Staatshilfe aus, um das Unternehmen vor einer drohenden Insolvenz zu retten. Gerettet wurde Infineon letztlich dank einer Kapitalerhöhung.

Nach einer langen Durstrecke ist das Unternehmen nun in der Gewinnzone gelandet, vor allem dank eines strikten Sparkurses und einer stärkeren Nachfrage nach Chips. „Wir hatten einen guten Start in das laufende Geschäftsjahr“, sagte Finanzvorstand Marco Schröter. Infineon habe das Zeug dazu, ein „dauerhaft profitables Unternehmen“ zu werden.

Infineon stellt Chips für die Automobilbranche und Telekommunikationsindustrie sowie Chipkarten etwa für Reisepässe her. Vorstandschef Peter Bauer rechnet nach Jahren des Niedergangs für 2010 mit einem Umsatzwachstum um 20 Prozent und einem Gewinn.