Börsengang gestoppt

GSW-Konkurrent bringt sich für Übernahme ins Spiel

Die GSW hat ihre Börsenpläne auf den letzten Metern zurückgezogen. Der Grund: Die Kapitalmärkte sind derzeit zu unsicher. Nun kursieren Gerüchte, dass das Immobilienunternehmen mit seinen 50.000 Wohnungen in Berlin doch komplett verkauft wird. Als einer der Interessenten gilt die Deutsche Wohnen.

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Der Berliner Immobilienkonzern GSW hat den für Ende der Woche geplanten Börsengang gestoppt. Als Grund führte das Unternehmen die Turbulenzen rund um die Schuldensituation in Griechenland an. „Die jüngsten makroökonomischen Entwicklungen haben ohne Bezug zur GSW zu einer signifikanten Verschlechterung des Kapitalmarktumfeldes geführt“, teilte der Vorstand mit. Sorgen über eine Ausweitung der Schuldenkrise auf Länder wie Portugal und Spanien hatten in den vergangenen Tagen zu teils heftigen Kursausschlägen geführt.

Mit einem angestrebten Emissionserlös von bis zu 491 Mio. Euro wäre die GSW nach dem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland und dem Chemikalienhändler Brenntag der drittgrößte Börsengang 2010 geworden. Erst Mitte April hatte der Berliner Senat den GSW-Eigentümern Cerberus und Goldman Sachs erlaubt, mehr als 50 Prozent der Aktien zu platzieren – die ausdrückliche Zustimmung war bei der Privatisierung im Jahr 2004 vereinbart worden. Goldman Sachs musste dafür noch einmal 30 Mio. Euro an das Land überweisen. Seit Beginn der Vorwoche lief die Zeichnungsphase. Die Preisspanne lag bei 15 bis 18,50 Euro je Aktie.

Dem Vernehmen nach hielten sich gerade die für eine solche Emission wichtigen Schwergewichte unter den Investoren aus dem Ausland mit einer Order zurück. Nicht einmal bei 15 Euro seien sie bereit gewesen, die Aktien zu zeichnen, heißt es aus Kreisen der Investmentbanken, die den Börsengang begleiteten. Das Orderbuch sei daher kaum gefüllt gewesen. Potenzielle Anleger hätten dabei auch auf die bereits börsennotierten Vergleichsunternehmen Deutsche Wohnen und Gagfah geschaut. Deren Aktienkurse gaben in den vergangenen Tagen um rund 15 Prozent nach. „Eine Anpassung des Emissionspreis an das niedrigere Niveau oder eine Verringerung der angebotenen Aktienzahl hätten den Börsengang auch nicht gerettet“, so ein Banker. Bereits im Dezember hatte die Hochtief-Tochter Concessions kurzfristig ihre Börsenpläne gestoppt – damals beherrschte die Sorge um Dubai die Märkte. Hochtief war zu keinen Preiszugeständnissen an die Anleger bereit.

Mit einem erneuten Anlauf der GSW für den Sprung auf das Parkett ist frühestens im Herbst zu rechnen, heißt es aus Finanzkreisen. Allerdings machten am Mittwoch auch Gerüchte die Runde, dass die GSW mit ihren 50.000 Wohnungen in Berlin nun doch komplett an einen Konkurrenten verkauft wird. Die Deutsche Wohnen brachte sich auf ungewöhnliche Weise selbst ins Spiel, indem sich Vorstandschef Michael Zahn per Pressemitteilung zur Verschiebung der Börsenpläne äußerte. „Mit einer börsennotierten GSW wäre das Interesse internationaler Investoren am deutschen Wohnimmobilienmarkt gestärkt worden“, so Zahn zunächst. Am Ende weist er dann ausdrücklich darauf hin, dass die Deutsche Wohnen „nachhaltig, extern wachsen“ will. Eine Deutsche-Wohnen-Sprecherin wollte sich auf Nachfrage nicht konkret zu den Gerüchten äußern. Ihr Unternehmen schaue sich als starkes Wohnungsunternehmen auch das Portfolio der GSW an, doch von einem Komplettkauf sei nicht die Rede. Die Deutsche Wohnen ist die zweitgrößte börsennotierte Wohnungsgesellschaft Deutschlands. Goldman Sachs wollte die Gerüchte in keiner Weise kommentieren.

Ein Komplettverkauf zum jetzigen Zeitpunkt wäre ungewöhnlich. Die Verhandlungspositionen der bisherigen Eigentümer sind nach der Absage des Börsengangs wegen zu geringen Interesses der Anleger eher schlecht. Zudem hätte sich Goldman Sachs für einen Komplettverkauf nicht zunächst für 30 Millionen Euro die Erlaubnis des Berliner Senats einholen müssen.