Wirtschaftslexikon

Warum der "Brain Drain" Deutschland belastet

Gerade die Hochqualifizierten zieht es von Deutschland aus oft ins Ausland, weil sie sich dort bessere Karrierechancen und angenehmere Arbeitsbedingungen, ein höheres Gehalt und mehr Anerkennung ausrechnen. Dieser so genannte Brain Drain schwächt auf Dauer die Wirtschaftskraft.

Rainer Klump ist etwas Bemerkenswertes gelungen: In den vergangenen Jahren holte der Dekan des Fachbereichs Wirtschaft gleich mehrere namhafte Volkswirte an die Frankfurter Goethe-Universität – und die Neuzugänge gaben dafür nicht etwa Professuren in Deutschland auf. Vielmehr verließen sie ihre Lehrstühle an der London School of Economics und der US-Eliteuniversität Harvard.

In der Regel läuft es andersherum: Gerade die Hochqualifizierten zieht es von Deutschland aus oft ins Ausland, weil sie sich dort bessere Karrierechancen und angenehmere Arbeitsbedingungen, ein höheres Gehalt und mehr Anerkennung ausrechnen. Dieser so genannte Brain Drain, also das Abwandern von Spitzenkräften, die dem betreffenden Land damit ihre Kenntnisse und Fertigkeiten entziehen, schwächt auf Dauer die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes.

Mehr als 880000 gut ausgebildete Deutsche leben derzeit in anderen OECD-Ländern. Umgekehrt haben sich nur 270000 Akademiker und Fachkräfte mit vergleichbarer Ausbildung aus anderen OECD-Staaten für ein Leben und Arbeiten in Deutschland entschieden, wie das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln ermittelte. Lieblingsziel der deutschen Wissenschaftler sind die USA, gefolgt von der Schweiz und Großbritannien.

Auf Dauer verliert ein Staat durch die Abwanderung seiner Akademiker viel Geld. Schon die langen Ausbildungszeiten schlagen zu Buche. Mehr als eine Mio. Euro kostet es dem Münchner Ifo-Institut zufolge den deutschen Steuerzahler, wenn sich zum Beispiel eine 30-jährige Ärztin ins Ausland verabschiedet. Nach Angaben der Bundesärztekammer sind knapp 16000 Ärzte aus Deutschland im Ausland tätig, Tendenz steigend.