Führungspositionen

Die Vorherrschaft der Männer steht vor dem Aus

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K. Gotthold, I. Grabitz und G. Wüpper

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Europaweit wächst der politische Druck auf Unternehmen, die Zahl von Frauen in Spitzenpositionen zu erhöhen. So wollen Frankreich und Holland nun eine Frauenquote einführen, nordische Länder liegen in einer aktuellen Studie ohnehin vorn. Deutschland beschränkt sich auf sanfte Appelle – noch.

Als weltweit erstes Land wollen die Niederlande nun Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern ab 2016 eine Frauenquote von 30 Prozent in Vorständen und Aufsichtsräten vorschreiben. Auch Frankreichs Regierungspartei UMP plant, in Kürze ein Gesetz für eine Frauenquote in Großunternehmen einzubringen, demzufolge in Firmen bis zu 50 Prozent der Verwaltungsratsposten weiblich besetzt werden sollen.

Auch in Deutschland hat sich die Politik des Themas angenommen – wenngleich sie sich bislang auf eher sanfte Appelle beschränkt: „Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst soll maßgeblich erhöht werden“, heißt es im frisch unterzeichneten Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP. „Stufenweise“ will die neue Bundesregierung den Anteil von Frauen vor allem in Vorständen und Aufsichtsräten erhöhen. Von Quoten ist dabei jedoch nicht die Rede. Stattdessen setzt man unter anderem auf „verbindliche Berichtspflichten und transparente Selbstverpflichtungen“ seitens der Unternehmen.

Mit den Initiativen eifern die Regierungen dem Vorbild einiger skandinavischer Länder nach, die in puncto Gleichberechtigung weltweit die besten Erfolge vorweisen können. Das beweist auch der jüngste „Gender Gap“-Bericht des Weltwirtschaftsforums, der alljährlich in 130 Ländern untersucht, inwieweit Frauen den gleichen Zugang zu Bildung, Gesundheitssystem und wirtschaftlichen Chancen wie Männer haben. Island, Finnland, Norwegen und Schweden haben der Studie zufolge weltweit den geringsten Unterschied zwischen Männern und Frauen. Deutschland landete auf Platz 12 des Rankings und verschlechterte sich im Vorjahresvergleich sogar um einen Platz.

Dabei wird das Thema Frauenförderung für die Wirtschaft immer existenzieller, denn der Fachkräftemangel zieht weiter Kreise. Unternehmen können es sich daher auf Dauer nicht mehr leisten, gut ausgebildete Frauen bei der Besetzung von Spitzenpositionen außen vor zu lassen. Zudem haben einschlägige Studien nachgewiesen, dass sich gemischte Führungsmannschaften direkt positiv auf den Unternehmensgewinn auswirken. Einer Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey zufolge erzielen Firmen mit vergleichsweise vielen Frauen im Vorstand ein fast um die Hälfte höheres Betriebsergebnis als ohne weibliche Topmanager.

Im Wissen darum sind die skandinavischen Länder bereits vor Jahren aktiv geworden. Vorreiter ist Norwegen, das 2003 ein Gesetz zur Gleichstellung von Frauen in Toppositionen erließ. Seit 2008 sind dort zudem alle an der Börse notierten Unternehmen verpflichtet, ihren Aufsichtsrat zu mindestens 40 Prozent mit Frauen zu besetzen. Heute sind zwar in den Aufsichtsräten de facto entsprechend viele Frauen vertreten. Der Nachteil ist aber, dass die wenigen Frauen, die für ein solches Amt in Frage kommen, nun teils Aufsichtsratsmandate im Dutzend haben.

Entsprechend beurteilen Experten gesetzliche Vorgaben skeptisch: Frauen seien extrem unterrepräsentiert, sagt Personalberater Heiner Thorborg, dennoch dürften Quoten nur „das allerletzte Mittel“ sein, um das Problem anzugehen. Frauen wollten keine Quotenfrauen sein und erst beweisen müssen, dass sie trotz Quote ihres Amtes würdig sind. Besser sei etwa, in die Zielvereinbarungen von Managern hineinzuschreiben, dass der Frauenanteil erhöht werden muss. Einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung zufolge sind von 708 Vorständen bei den 160 größten börsennotierten Unternehmen hierzulande nur 21 weiblich.