New Yorker Börsenparkett

Antike Ferngläser dienen Bankern als Statussymbol

Teure Autos, Kunst im Wohnzimmer und Rolex-Uhren als Statussymbol waren einmal. Unter den New Yorker Investmentbankern zeichnet sich ein neuer Trend ab, der mit Weitblick oder Macho-Gehabe zu tun haben könnte. Antiquitätenhändler Nicholas Brawer ist sicher: „Die Größe spielt hier definitiv eine Rolle".

Foto: Getty Images / Getty Images/Hulton Archive

In Zeiten der Rezession ist auf dem Börsenparkett vor allem Weitblick angesagt. Damit lässt sich vielleicht ein reichlich kostspieliger und ungewöhnlicher Trend unter den gut verdienenden Finanzprofis in New York erklären. Teure antike Ferngläser sind unter den Investmentbankern an der Wall Street derzeit besonders gefragt.

Antiquitätenhändler Nicholas Brawer hat in den vergangenen zwei Jahren rund ein Dutzend der optischen Instrumente aus dem Zweiten Weltkrieg verkauft. Dabei lagen die Preise nicht selten zwischen 18.000 und 100.000 Dollar. Oft handelt es sich bei den Instrumenten um glänzende Metallferngläser aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zuerst eingeführt wurden sie von den japanischen Seestreitkräften auf ihren Flugzeugträgern, Schlachtschiffen und in den Cockpits der Kampfflugzeuge. Für die Sammler von heute zählt die Kombination von Form und Funktion und nicht zuletzt das Macho-Aussehen der wuchtigen Instrumente. "Die Größe spielt hier definitiv eine Rolle", erklärt Brawer.

In seinem Geschäft an der Upper East Side in Manhattan hat er mehrere Aluminium- und Messingferngläser auf glänzende Stative montiert. Mit dem, was Kulturbeflissene in die Oper mitnehmen, haben diese Geräte nicht viel gemeinsam: "Den Käufern geht es darum, die größten und besten Ferngläser von Kriegsschiffen zu besitzen", berichtet Brawer. Die Größe lässt sich an einem für 80.000 Dollar angebotenen Exemplar beobachten: Das Fernglas, das in den 50er-Jahren auf dem Deck eines Zerstörers installiert war, ist gut einen Meter lang. Jede der beiden Linsen ist so breit wie ein Menschenkopf.

Etwas kleiner kommt ein Exemplar daher, das ursprünglich in das Cockpit eines japanischen Aufklärungsflugzeugs eingebaut war. Das 1944 von der Tokyo Optical Industrial hergestellte Gerät ist rund 50 Zentimeter lang. Vorbesitzer ist der Enkel eines US-Soldaten aus dem US-Bundesstaat Maine. Bevor Brawer das Fernglas mitsamt seinem Originalholzkasten ins Angebot aufnahm, hatte er es über Monate restaurieren lassen.

In den 30er- und 40er-Jahren waren die leistungsstarken japanischen Ferngläser das Neueste, was die optische Technologie zu bieten hatte. Entwickelt wurden sie von der kaiserlichen Marine, die dabei mit Firmen zusammenarbeitete, aus denen später so bekannte Konzerne wie Nikon, Toshiba oder Fuji Heavy Industries entstanden. Brawer bietet neben Ferngläsern auch andere groß dimensionierte Militaria an. Mittelpunkt des Ladengeschäfts ist ein auf Hochglanz polierter Aluminiumtisch. Der Spitzname "Mach 2" weist schon darauf hin: Hergestellt ist das Stück aus dem Leitwerk eines englischen Überschallkampfflugzeugs der 60er-Jahre. Solche Sammlerstücke haben ihren Preis – wer sich den Tisch zu Hause hinstellen möchte, muss 65.000 Dollar hinblättern.

Mit 50.000 Dollar etwas günstiger war ein zwischen 1951 und 1953 hergestelltes Modell eines Maschinengewehrs der Marke Browning, das Brawer an einer Wand in seinem Geschäft ausgestellt hatte. Vor kurzem kaufte ein kanadischer Sammler das Modell, das mit knapp zweieinhalb Metern doppelt so groß war wie das Original und für Trainingszwecke verwendet wurde. Ein weiteres Exemplar verkaufte Brawer als Geschenk für den Rapper 50 Cent.

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