Unternehmenskontrolle

Aufsichtsräte sind zu alt und treffen sich zu selten

Eine Studie über deutsche Aufsichtsräte kommt zu einem verheerenden Urteil: Die Kontrolleure sind zu alt, wenig international und sie treffen sich zu selten. Die Qualität deutscher Unternehmenskontrolle bleibt noch immer weit hinter den Standards in europäischen Nachbarländern zurück.

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Die Qualität deutscher Unternehmenskontrolle bleibt noch immer weit hinter den Standards in europäischen Nachbarländern zurück. Wie eine repräsentative Studie der Personalberatung Heidrick & Struggles ergab, schneiden deutsche Aufsichtsräte in puncto Unabhängigkeit, Effizienz und Internationalisierung weit schlechter ab als die Kontrolleure im Rest Europas. Die Untersuchung, die auf Angaben von 371 führenden Unternehmen basiert, liegt Morgenpost Online vor.

Angesichts der Finanzkrise aber auch mit Blick auf Korruptionsskandale und Spitzelaffären in deutschen Unternehmen wird seit langem diskutiert, dass die Effizienz der Aufsichtsräte hierzulande nicht ausreichend ist. Im Wissen darum hatte die Regierung bereits 2001 eine Kommission zur guten Unternehmensführung ins Leben gerufen, die den sogenannten Corporate Governance Kodex entwickelt hat – eine Art Richtschnur für gute Unternehmenskontrolle.

Zwar ließ der Vorsitzende der Kommission Klaus-Peter Müller (Aufsichtsratschef der Commerzbank) noch Anfang des Jahres mitteilen, dass sich das Gremium in der aktuellen Krise bewährt habe. Der Studie zufolge, die auch die Dax-30-Unternehmen berücksichtigt, wäre etwas mehr Selbstkritik jedoch durchaus angebracht.

Der zufolge hinken deutsche Kontrollgremien ihren europäischen Pendants in den entscheidenden Kriterien nach wie vor weit hinterher. In dem Ranking, das Transparenz, Arbeitsweise und Zusammensetzung bewertet, erreichen deutsche Unternehmen nur 39 Prozent der maximalen Punktzahl und vor Dänemark und Österreich den drittschlechtesten Wert in Europa. Am besten schneiden britische Firmen ab (77 Prozent), gefolgt von Holland (71 Prozent) und Schweden (66 Prozent).

De facto sind deutsche Aufsichtsräte mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren die Drittältesten in Europa. Die Gremien sind größer und treffen sich vergleichsweise selten – sechs Mal pro Jahr kommen die Kontrolleure hierzulande im Schnitt zusammen, in Finnland und Italien trifft man sich doppelt so häufig. Stefan Fischhuber, Partner bei Heidrick & Struggles, kritisiert zudem, dass in deutschen Aufsichtsräten nur acht Prozent der Mitglieder aus dem Ausland stammten. Das sei der niedrigste Wert in ganz Europa – und für den Exportweltmeister Deutschland nicht zu rechtfertigen. Der Anteil von Frauen an den Gremien sei „noch immer vergleichsweise“ gering (elf Prozent). Darüber hinaus gebe es viel zu wenig unabhängige Aufsichtsratsmitglieder.

Laut Studie sind nur 30 Prozent deutscher Kontrolleure unabhängig – so wenig wie nirgendwo sonst in Europa. Der Unabhängigkeit abträglich ist allem voran, dass 53 Prozent der Aufsichtsratchefs hierzulande vorher Chef des Unternehmens waren, das sie heute kontrollieren sollen. Zwar liegt es auch an der gesetzlich verankerten Mitbestimmung, dass hiesige Kontrollgremien vergleichsweise groß und wenig unabhängig sind. Hinzu kommt aber, dass gerade in den Dax-30-Unternehmen die vorhandenen Mandate oft an dieselben Kandidaten vergeben werden.