Börsen-Bericht

Gewinnmitnahmen drücken Dax, Versicherer fallen

Nach dem fünfprozentigen Kurssprung des Dax vom Vortag haben Anleger Kasse gemacht. Sie trennten sich vor allem von Versicherungswerten, die Börsianern zufolge in den Strudel des Kursabsturzes beim britischen Konkurrenten Aviva gerieten. Der deutsche Leitindex büßte 2,6 Prozent auf 3791 Punkte ein.

Der EuroStoxx50 der größten Börsengesellschaften aus der Euro-Zone gab ebenfalls 2,6 Prozent auf 1894 Punkte nach.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins wie erwartet um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent gesenkt hatte, richtete sich die Aufmerksamkeit der Anleger auf die begleitenden Äußerungen des Notenbankpräsidenten Jean-Claude Trichet. „Trichet wird versuchen, sich so viel Spielraum wie möglich zu erhalten“, sagte Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. „Er wird sich dafür stark machen, jetzt erst einmal die Wirkung der diversen Konjunkturprogramme abzuwarten, ehe man mit den Zinsen noch tiefer geht.“

Die Ankündigung einer Dividende von 33 Pence je Aktie schickte die Titel von Aviva auf Talfahrt. Die Papiere brachen um bis zu 35,5 Prozent auf ein Rekordtief von 183,7 Pence ein. „Die Leute machen sich Sorgen, dass Aviva sich die Dividende, die sie zahlen will, nicht leisten kann“, erklärte Analyst Peter Eliot von MF Global die Kursreaktion.

Im Sog von Aviva gaben die Aktien der Allianz und der Münchener Rück 8,3 Prozent auf 85,28 Euro beziehungsweise 6,3 Prozent auf 50,99 Euro. Die übrigen europäischen Konkurrenten konnten sich dem Abwärtstrend ebenfalls nicht entziehen: So gaben die Aktien von Aegon 13,5 Prozent auf 2,08 Euro nach. Der Index für die europäische Versicherungsbranche fiel um bis zu 9,5 Prozent auf ein Rekordtief von 82,30 Punkten.

Schlusslicht im Dax waren allerdings die Aktien von Salzgitter mit einem Minus von 11,3 Prozent auf 44,92 Euro. „Zahlen und Ausblick haben negativ überrascht“, stellte DZ-Bank-Analyst Dirk Schlamp fest. Der Stahlkonzern hat für das erste Halbjahr einen Verlust angekündigt, nachdem er im vergangenen Jahr mit seinem Vorsteuergewinn die Erwartungen der Analysten verfehlt hatte. Auch für das Gesamtjahr machte Salzgitter den Anlegern wenig Hoffnung. „Das hatte niemand erwartet“, sagte ein Händler. Am Vortag hatten die Salzgitter-Aktien die Reihen der Gewinner im Dax mit einem Plus von zehn Prozent angeführt, nachdem die Hoffnungen ein Anziehen von Chinas Wirtschaft europaweit die Stahlwerte beflügelt hatte. Die am Mittwoch ebenfalls gefragten Aktien von ThyssenKrupp verloren nun 4,5 Prozent auf 14,17 Euro.