Finanzguru Soros

US-Banken brauchen 1,5 Billionen Dollar

Die Botschaft des berühmten Investors George Soros klingt dramatisch. Die Regierungen müssen noch viel mehr Geld in das Bankensystem pumpen. Sonst droht der Weltwirtschaft eine schwere Rezession. Von Privatinvestoren sei nur noch wenig zu erwarten. Die USA sieht er in der Pflicht auch anderen Ländern zu helfen.

Der bekannte amerikanische Investor George Soros ist Stammgast auf dem World Economic Forum in Davos. Die Weltwirtschaftskrise sei mit keiner in den vergangenen 25 Jahren zu vergleichen, sagte Soros. Hoffnung sieht er in dieser düsteren Lage alleine beim Staat. Der müsste alle Anstrengungen unternehmen, um ausreichend Kapital in das Bankensystem zu pumpen. Anderenfalls drohe eine tief greifende Rezession, die sich mehr und mehr nicht nur der Industrienationen, sondern auch der aufstrebenden Ökonomien bemächtige. Soros plädierte auch für eine stärkere Rolle des Internationalen Währungsfonds. Der könnte in den Mittelpunkt einer neuen globalen Finanzarchitektur rücken.

Finanz-Guru Soros nannte in seinem Vortrag eine Hausnummer, welche Summe nötig sei, um alleine das amerikanische Bankensystem zu rekapitalisieren: 1,5 Billionen Dollar. „Die Regierungen müssen das Geld zur Verfügung stellen. Sie haben eine überragende Rolle zu spielen. Das Bankensystem funktioniert doch nicht.“ Von Privatinvestoren sei hier nur wenig zu erwarten. Dabei ist auch Soros klar, dass der Staat in der Regel kein guter Investor ist. Deshalb müsste auch schon jetzt, da die Staaten sich gerade Bankenaktiva sicherten, über eine Ausstiegsstrategie nachgedacht werden. Auch in der Debatte um „Bad Banks“ bezog Soros Position. Hochrisiko-Papiere müssten in solche Banken ausgelagert werden. Die müssten allerdings das komplette Altkapital der betroffenen Banken erhalten. Frisches Geld sollte hingegen in „Good Banks“ fließen. Er selbst könnte sich auch vorstellen, in eine „Good Bank“ zu investieren.

George Soros, 77, wird als Finanz-Guru bezeichnet, weil er 1992 bei Währungsspekulationen die Bank of England in die Knie gezwungen und sich selbst um eine Mrd. Dollar reicher gemacht hatte. Diesmal sah er die Weltfinanzkrise nicht voraus. „Ich habe den Kollaps von Lehman Brothers nicht vorhergesehen“, gab er zu.

Der 15. September, als die US-Investmentbank Lehman Brothers unterging, habe jedoch die Welt verändert. „Die Hypothese von der Effizienz der Finanzmärkte ist seither widerlegt“, sagte der US-Investor und Philanthrop. Eine Prognose, wie lange die Krise dauern werde, wollte er nicht abgeben. Der „Super-Boom“, der Ende des Zweiten Weltkriegs begann, sei jedenfalls vorbei.

Vorerst müssten alle Anstrengungen unternommen werden, ein neues, stabileres Weltwirtschaftssystem aufzubauen. Die Zeit des laisser faire sei vorüber. Grundmerkmale des neuen Systems seien strengere Spielregeln. Finanzmärkte bräuchten „Regulierung und Überwachung“, und die könnte nur von außen, sprich von den Zentralbanken und Regierungen, kommen. „Es reicht nicht aus, nur die Geldmenge zu regulieren“, forderte Soros, eigentlich ein zutiefst überzeugter Marktwirtschaftler, von Seiten des Staates stärkere Präsenz.

Wenn man schon diese Krise mit einer früheren vergleichen wolle, dann am ehesten mit der Weltwirtschaftskrise in den dreißiger Jahren. Nur sei die Größe des Problems heute signifikant bedeutender als damals. Von 1929 bis 1932/33 sei das Verhältnis der ausgereichten Kredite zu den Bruttonationaleinkommen von 160 auf 260 Prozent gestiegen. Heute läge der Ausgangswert bereits bei 360 Prozent und werde in den kommenden zwei Jahren auf mindestens 500 Prozent steigen.

Von der neuen US-Administration erwartet sich Soros ein schnelleres Handeln als von der Bush-Regierung, die zu langsam und zaghaft agiert habe. Die Schaffung eines neuen Finanzsystems ist für Soros eine globale Aufgabe. Dabei stünden die reichen Staaten in der Pflicht, die unterentwickelten Länder, die von der Krise schwer gebeutelt seien, mit Krediten und Subventionen zu stützen. Auf internationaler Ebene müsste Geld geschöpft werden. Soros schweben da eine Billion Dollar vor, die unter Kontrolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) verteilt werden könnten. So könne die globale Wirtschaft wieder belebt werden. Die aufstrebenden Ökonomien (emerging markets) bräuchten dringend frisches Kapital. Alleine schon, um Kreditlinien für Exporte zu haben.

Selbst ist George Soros dem eigenen Bekunden nach von der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht gebeutelt worden. „Ich konnte mein Kapital schützen.“ 2008 habe er eine bescheidene Rendite erzielt. „Das ist ganz gut für solche Zeiten.“