Betreibervertrag

Kempinski gibt Grand Hotel Heiligendamm zurück

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Im Sommer 2007 gingen die Bilder vom Grand Hotel Heiligendamm um die Welt. Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die großen Staatschefs der Welt zum G-8-Gipfel in das Fünf-Sterne-Haus an der Ostsee geladen. Jetzt hat der Betreiber, die Kempinski AG, den Vertrag mit den Eigentümern gekündigt und erhebt schwere Vorwürfe.

Die Kempinski AG hat die Betriebsführung des Grand Hotels Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) mit sofortiger Wirkung gekündigt. Zur Begründung der Trennung von der Fundus Gruppe (Düren) sagte Kempinski-Vorstandsmitglied Markus Semer im Berliner Hotel Adlon, es lägen Vertragsbrüche vor. Außerdem seien die Managementgebühren von 1,1 Millionen Euro für die vergangenen zwei Jahre nicht gezahlt worden. Die Kempinski AG wirft der Fundus Gruppe „ständige Einmischung in den täglichen Hotelbetrieb“ vor. Auf dieser Grundlage sei der Qualitätsanspruch der Kempinski AG nicht aufrecht zu erhalten. Von der Fundus Gruppe war eine Stellungnahme zunächst nicht zu erhalten. Chef des Immobilien-Unternehmens, das sich auch in Berlin engagiert, ist Anno August Jagdfeld.

So besitzt die Fundus-Gruppe die Namensrechte der Marke Adlon und ist für deren exklusive Vermarktung verantwortlich. Zudem ist sie nach eigenen Angaben zuständig für das operative Geschäft der Berliner Lifestyle-Betriebe Felix Clubrestaurant, den China Club, den Adlon Day Spa, das Restaurant Gabriele, die Lorenz Adlon Weinhandlung und das Restaurant Ma by Tim Raue sowie für den Lorenz Adlon Catering Service und die Lorenz Adlon Delikatessen Handlung.

Fundus-Gruppe begrüßt Kempinski-Ausstieg

Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG, deren Geschäftsführer Fundus-Chef Anno August Jagdfeld ist, begrüßte die Kündigung des Vertrags. Die Form sei allerdings nicht korrekt, sagte Hotel-Interimsdirektor Martin Smura. Der Vertrag zwischen beiden Partnern sehe vor, dass eine Kündigung zunächst einem Schiedsgericht zur Klärung vorgelegt werden müsse, wie dies bei internationalen Verträgen üblich sei. Smura wies die Darstellung zurück, dass vonseiten der GmbH Verträge gebrochen worden seien. Vielmehr sei von Kempinski kein schlüssiges Managementkonzept vorgelegt worden.

Die Gesellschafter der GmbH & Co. KG, die in der Vergangenheit rund 130 Millionen Euro Kapital in einen Heiligendamm-Fonds investierten, haben deshalb laut Smura Anfang Dezember den Wunsch geäußert, nicht mehr länger mit Kempinski zusammenarbeiten zu wollen. Dann könnten andere Möglichkeiten erschlossen werden. Gleichzeitig sei eine Kapitalerhöhung in mehreren Stufen um 40 Millionen Euro beschlossen worden. Der Hotelbetrieb gehe regulär weiter, die Hotelgäste würden von den Vorgängen nichts bemerken, betonte er. Es werde nun keine große Hotelgruppe einsteigen, das Grand Hotel werde als einzelnes Haus weitergeführt, sagte Smura.

Das Grand Hotel in der „Weißen Stadt am Meer“ Heiligendamm (225 Zimmer, davon 107 Suiten) hatte 2003 den Betrieb aufgenommen und litt in den ersten Betriebsjahren unter einer schlechten Auslastung von rund 40 Prozent. Der von der Fundus-Gruppe aufgelegte Fonds erwirtschaftete auch keinen Gewinn. Erst mit dem G-8-Gipfel 2007 konnten Auslastungen um die 60 Prozent erreicht werden. Wegen der Weitläufigkeit des Geländes werde, so Smura, eine überdurchschnittlich hohe Zahl von 300 Mitarbeitern bereitgehalten, was die Bilanz nach Informationen aus dem Hotelumfeld erheblich belastet.

Investitionen sollen nicht erfolgt sein

Kempinski-Vorstandsmitglied Semer kritisierte, dass größere Investitionen wie die Entwicklung von Villen am Meer und eines Thalasso- und Ayurveda-Centers nicht ausgeführt worden sind. Dies habe „die Leistung des Hotels gehemmt“. Die Kempinski AG sei daran gehindert worden, „ihre international anerkannte Expertise im Luxushotel-Management effektiv auszuüben und das Hotel auf einer soliden wirtschaftlichen Basis zu managen“. Ein weiterer Tiefpunkt in der Geschäftsbeziehung zur Fundus-Gruppe sei erreicht worden, nachdem Vorwürfe von „Missmanagement“ erhoben worden seien.

Tatsächlich sei die operative Hotelführung aber nicht mehr unter der Kontrolle des Kempinski-Managements gewesen. In der Folge habe diese Situation dazu geführt, dass „Kundenbeschwerden in unangemessener Weise in die Höhe geschnellt sind“. Kempinski habe schließlich keine andere Wahl gehabt, als den Managementvertrag zu kündigen. Semer sagte, aus jetziger Sicht habe dies keine Folgen für die Betriebsführung des Adlon in Berlin. Die für das international renommierte Luxushotel am Brandenburger Tor geltenden Verträge laufen den Angaben zufolge bis 2016.

Semer gab weiter bekannt, dass die Kempinski-Gruppe ungeachtet der Entscheidung zu Heiligendamm in den nächsten drei Jahren weiter wachsen werde. Zur Zeit gehören 55 Luxushotels in 26 Ländern zu der Gruppe, in Deutschland sind es, ohne Heiligendamm, jetzt noch acht Häuser. Weltweit werden den Angaben zufolge in den kommenden drei Jahren knapp 60 Häuser dazukommen. Kempinski bleibe vorrangig eine europäische Hotelmarke, wachse aber auch in Afrika und im Mittleren Osten weiter.