Abschwung

Das irrationale Gehirn ist Schuld an der Krise

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Norbert Losau

Für Hirnforscher ist die Sache klar: Die Finanzkrise ist entstanden, weil das menschliche Denkorgan zu emotional und seine Kapazität zu klein bemessen ist. Außerdem erkennen die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen einem kalorienreichen Eis und renditestarken Finanzderivaten.

Auf dem Weltwirtschaftsgipfel in Davos steht natürlich die Frage im Zentrum, wie es zu der aktuellen Weltfinanzkrise kommen konnte. Da haben die Wirtschaftswissenschaftler und Politiker verschiedene Interpretationen. Auf jeden Fall Recht haben indes die Neuro-Ökonomen, die am Ende alles auf die Mechanismen im menschlichen Gehirn zurückführen wollen. Keine Frage – es sind immer die Gehirne von Menschen, die letztlich Entscheidungen treffen, die in der Welt und auch der Wirtschaftswelt zu diesen und jenen Konsequenzen führen. „Wir sind noch weit davon entfernt die Entscheidungsfindungsprozesse zu verstehen, die sich in unseren Köpfen abspielen“, sagte in Davos der Präsident des Kieler Weltwirtschaftsinstituts, Dennis J. Snower. Doch in einem Punkt sind sich die Neuro-Experten einig: Die Gehirne der Menschen und deren Entscheidungen werden viel stärker von Emotionen geleitet, als von rationalen Erwägungen. Auch wenn das viele Philosophen anders sehen, so ist der Mensch doch von dem Ideal „Cogito ergo sum“ (Ich denke, also bin ich) ziemlich weit entfernt. „Logik ist das letzte, was das Gehirn tut“, kommentiert Baroness Greenfield, Direktor des Royal Institut of Great Britai, „das Gehirn rechnet nicht, es strebt vielmehr den Zustand an, in dem es sich wohl fühlt."

Die Begrenzungen der Hardware Gehirn und dessen Irrationalitäten hätten demnach eine entscheidene Rolle beim Entstehen der Finanzkrise. Brauchen wir also mehr Hirnforschung, um die nächste Finanzkrise zu vermeiden? Es wäre schon viel gewonnen, die bisherigen Erkenntnisse der Neurowissenschaften konsequenzt zu nutzen. Die Währung des Gehirns, so behauptet US-Professor Gregory Bern von der Emory University, sei der Botenstoff Dopamin. Er schenkt uns die ersehnten positiven Gefühle, die uns letztlich zu bestimmten Entscheidungen verleiten – zum Beispiel eine kalorienreiches Eis zu Essen oder ein Finanzderivat zu kaufen, das außerordentlich hohe Renditen verspricht.

Viele Experten und Politiker in Davos, so beispielsweise auch der chinesische Ministerpräsident, sehen in globalen Kooperationen einen Schlüssel zur Überwindung der Finanzkrise. Tatsächlich kann das Kooperieren mit anderen dopamingesteuerte Glücksgefühle auslösen. Doch die Neuroforscher geben zu, an dieser Stelle vor einem großen Rätsel zu stehen: Sie können noch nicht erklären, warum in einigen Fällen Kooperationen sehr gut und an anderen Stellen sehr schlecht funktionieren. Bei der Globalisierung funktioniere das Kooperieren extrem gut, beim Kampf gegen den Klimawandel hingegen nicht. Die Neuroforschung könne hier in den nächsten Jahren dazu beitragen, menschliche Entscheidungsprozesse und das Eingehen von Kooperationen besser zu erklären. Und so die nächste Finanzkrise vermeiden helfen.