Rettungsplan

Opel-Mitarbeiter erwägen Firmenbeteiligung

Opel könnte schnell Staatshilfe brauchen. Denn die Chefs des Mutterkonzerns General Motors diskutieren bereits eine mögliche Insolvenz in den USA. Die Mitarbeitervertreter von Opel in Europa fordern einen Umbau von GM in Europa – und können sich eine Beteiligung der Angestellten am Autobauer vorstellen.

Der Rüsselsheimer Autohersteller Opel hat sich lange als Teil der "General Motors Familie" vermarktet. Heute fühlen sich die Verantwortlichen unter dem Mantel des großen amerikanischen Konzerns zunehmend unwohl. "Einen Beitrag der Arbeitnehmer machen wir von der Vorlage eines transparenten Geschäftsmodells für Europa abhängig", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Zuvor hatte der Präsident von General Motors Europa, Carl-Peter Forster, in der "Welt am Sonntag" angekündigt, auf die GM-Tochter Opel kämen "harte Zeiten" zu – wenn er auch davon ausgehe, dass es nicht zu Werksschließungen, Werksverkäufen oder Arbeitsplatzabbau komme. Das stehe nicht auf der Tagesordnung.

Dass Opel schnell Staatshilfe braucht, ist indes gut möglich. Der Mutterkonzern General Motors erwägt offenbar auch das Insolvenzverfahren als Weg zur Sanierung. Gegen den erklärten Willen von Vorstandschef Rick Wagoner hätten einige Verwaltungsratsmitglieder über ein Verfahren nach "Chapter 11" gesprochen, berichten US-Zeitungen. Auf diesem Weg würde GM Gläubigerschutz erhalten. Ein GM-Sprecher bestätigte diese Überlegungen mit der Begründung, der Verwaltungsrat sei rechtlich dazu verpflichtet. Das Gremium sehe den Gläubigerschutz aber nicht als tragfähige Option zur Lösung der Finanzprobleme. GM hatte zuvor gewarnt, ohne neue Staatskredite binnen Monaten oder gar Wochen pleite zu sein.

Auf die Frage, ob Opel ohne die amerikanische Muttergesellschaft überhaupt überleben könne, antwortete Forster ausweichend: Der Konzern sei in Europa sehr eng verflochten. "Die deutsche Adam Opel GmbH hat nur im Verbund mit unseren Landes- und Vertriebsgesellschaften eine starke Zukunft", sagte Forster. Von US-Unternehmensteilen sprach er dabei nicht. Opel wieder in sicheres Fahrwasser zu lenken, werde aber nicht leicht. "Das bedeutet Einschnitte und fordert von allen Beteiligten Zugeständnisse", erklärte der Manager.

Opels oberster Arbeitnehmervertreter will sich die Zugeständnisse aber nicht ohne weiteres abringen lassen und kündigte daher eine "harte Haltung" bei den Verhandlungen an. Die Belegschaft wolle "das Geschäft von GM in Europa auf neue Füße stellen und das ebenso wie eine mögliche Bürgschaft vertraglich absichern", sagte Franz dem "Handelsblatt". Wenn dies gelinge, würden die Beschäftigten ihren Beitrag leisten. "Das kann bis zu einer Beteiligung der Mitarbeiter an Opel reichen", sagte Franz.

Misstrauen gegenüber der amerikanischen Muttergesellschaft kennzeichnet auch die Haltung von Politikern zu einer möglichen Staatshilfe für Opel. Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin würde sie nur gewähren, wenn der Bund im Gegenzug einen Teil des Unternehmens bekomme. "Nur wenn der Staat mitredet, kann verhindert werden, dass die Gewinne wieder zum Mutterunternehmen in die USA abfließen", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Geld dürfe es nur geben, "wenn das Unternehmen in der Folge aus dem Finanzverbund mit General Motors herausgelöst werden kann".

Unmut unter den Opel-Beschäftigten hat auch der Auftritt von Konzernchef Wagoner vor dem US-Kongress hervorgerufen. Dort hatte er – bislang vergeblich – um ein Hilfspaket für die Autoindustrie geworben. "Peinlich" sei Wagoner gewesen, sagte Franz. Dies werde es dem künftigen US-Präsidenten Barack Obama nicht leichter machen, ein Hilfspaket für die Autoindustrie durchzusetzen.