Hohe Kosten

Gesundheitsfonds ist die bitterste Pille für 2009

Das kommende Jahr könnte für die Verbraucher teuer werden. Strom- und Gaspreise schlagen ebenso zu Buche wie die Einführung des Gesundheitsfonds mit dem neuen Einheitsbeitrag von 15,5 Prozent. Für Mitglieder von billigen Kassen, die momentan mit 12,8 oder 12,9 Prozent Komplettbeitrag auskommen, wird es richtig teuer.

Eine der bittersten Pillen für Millionen Bürger 2009 ist die Einführung des Gesundheitsfonds und damit des neuen Einheitsbeitrags von 15,5 Prozent. Für neun von zehn Mitgliedern wird die gesetzliche Krankenversicherung spürbar teurer. Sie müssen einige Dutzend Euro mehr im Monat aufbringen, je nach Verdienst und bisheriger Absicherung. Selbstständige verlieren ihren Anspruch auf Krankengeld, wenn sie freiwillig gesetzlich versichert sind.

Auf den Geldbeutel drückt zusätzlich, dass Strom- wie Gaspreise zum Jahreswechsel noch einmal auf breiter Front steigen. Erst im Frühjahr erwarten Verbraucherschützer sinkende Gaspreise.

Fürs nächste Jahr zeichnen sich aber auch einige Lichtblicke ab: Eltern können monatlich mit etwas mehr Kindergeld rechnen, für das erste und zweite Kind zehn Euro mehr, also 164 statt bisher 154 Euro. Für das dritte Kind gibt es ab nächstem Jahr 170, ab dem vierten Kind jeweils 195 Euro pro Monat. Auch der jährliche Kinderfreibetrag steigt, und zwar um 216 Euro von derzeit 3648 auf 3864 Euro. Auf Ruheständler wartet voraussichtlich zum 1. Juli eine Rentenerhöhung um 2,75 Prozent. Die drei Entlastungen sind allerdings noch nicht endgültig unter Dach und Fach.

Dafür steht fest: Arbeitnehmer müssen im Wahljahr 2009 weniger Geld für die Arbeitslosenversicherung bezahlen. Der Beitragssatz sinkt von 3,3 auf 2,8 Prozent. Die Ermäßigung bringt einem Durchschnittsverdiener mit 2.500 Euro brutto monatlich allerdings gerade mal 6,25 Euro mehr netto. In der gleichen Größenordnung wird der Arbeitgeber entlastet.

Mit dieser dritten Beitragssenkung seit 2007 soll die Belastung aus der Anhebung des Krankenkassenbeitrags ausgeglichen werden. Doch die Rechnung dürfte kaum aufgehen, wie Heidemarie Krause-Böhm, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern, befürchtet: "Ein Tropfen auf den heißen Stein."

Bis zu 70 Euro mehr Kassenbeitrag

Denn der neue Rekordbeitrag hat es für die meisten der 51 Millionen Kassenmitglieder in sich. Die bisherige Versichertenprämie liegt momentan im Durchschnitt bei etwa 14,9 Prozent und damit deutlich niedriger als die künftigen 15,5 Prozent.

Für Mitglieder von billigen Kassen, die momentan mit 12,8 oder 12,9 Prozent Komplettbeitrag auskommen, wird es kommendes Jahr so richtig teuer. Sie zahlen zum Beispiel bei einem Brutto-Monatseinkommen von 2.500 Euro zusammen mit dem Arbeitgeber künftig bis zu 70 Euro mehr.

Und das dürfte für so manchen Betroffenen noch nicht alles sein. Die normalen Beiträge, die sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, fließen zusammen mit Steuergeldern in den neuen Fonds, der die Einnahmen umverteilt und wieder an die Krankenkassen ausschüttet. Kommen die mit dem Geld nicht aus, können sie von ihren Mitgliedern einen Zusatzbeitrag fordern. Und den müssen diese aus der eigenen Tasche zahlen. Welche Kassen Zusatzbeiträge verlangen müssen, ist noch nicht absehbar.

Rentner besonders hart betroffen

Vor allem die 20 Millionen Rentner sind vom hohen Kassenbeitrag und den möglichen künftigen Zusatzbeiträgen betroffen. Nach Berechnungen des Bundesgesundheitsministeriums müssen 76,2 Prozent der Senioren wegen der Einführung des Gesundheitsfonds höhere Krankenkassenbeiträge zahlen.

Ruheständler profitieren nicht von der Absenkung des Arbeitslosenbeitrags. Und die zweite Entlastung dürfte erst ab Jahresmitte greifen, wenn die vorgesehene Rentenanpassung kommt. Die maßgeblichen Daten zur Erhöhung der Altersbezüge werden erst im Frühjahr bekanntwerden. Grund für den geplanten Aufschlag ist unter anderem die Entwicklung der Löhne 2008, die zur Berechnung der Renten herangezogen wird. Darüber hinaus soll im Wahljahr 2009 der sogenannte Riester-Faktor ausgesetzt werden, der die Entwicklung der Altersbezüge bremst.

Außerdem wichtig für 2009: Ab Januar gelten neue Beitragsbemessungsgrenzen. Die Messlatte für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung steigt für alte und neue Bundesländer von 3.600 auf jährlich 3.675 Euro. Monatliches Einkommen, das darüber hinausgeht, wird nicht mehr mit den Beiträgen belastet. Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie in der Arbeitslosenversicherung wird von 5300 auf 5400 Euro pro Monat in Westdeutschland und von 4500 auf 4550 Euro pro Monat im Osten erhöht.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.