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Buchholz soll neuer Gruner+Jahr-Chef werden

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Kai-Hinrich Renner

Foto: Gruner & Jahr

Der Medienkonzern Bertelsmann und die Verlegerfamilie Jahr haben sich auf einen Nachfolger für Bernd Kundrum geeinigt. Der bisherige Deutschland-Chef Bernd Buchholz wird nach WELT-ONLINE-Informationen der neue Vorstandsvorsitzende des Zeitschriftenverlags. Die Gesellschafter müssen noch offiziell zustimmen.

Bernd Buchholz, bisher Deutschland-Chef von Gruner + Jahr („Stern“, „Geo“ „Brigitte“), wird Vorstandsvorsitzender des Zeitschriftenhauses. Wie WELT ONLINE aus Verlagskreisen erfuhr, haben sich der Medienkonzern Bertelsmann und die Verlegerfamilie Jahr als G+J-Gesellschafter, auf Buchholz als Nachfolger von Bernd Kundrun geeinigt.

Kundrun hatte am Abend des 23. Dezember seinen Posten im Bertelsmann-Vorstand niederlegt, dem der G+J-Chef in der Regel ebenfalls angehört. Danach war klar, dass auch seine Tage als Vorstandsvorsitzender des Zeitschriftenhauses gezählt waren.

Die Berufung von Buchholz kommt nicht überraschend. Er galt seit Jahren als die Nummer Zwei bei Gruner + Jahr. Zwar galten nach Kundruns Demission G+J Auslandschef Torsten-Jörn Klein, der Geschäftsführer von Bertelsmanns Direct Group Fernando Carro sowie der Burda-Vorstand Bernhard Kallen als Nachfolgekandidaten. Tatsächlich aber war von Anfang an Buchholz erste Wahl. „Es kam nur eine interne Lösung in Frage“, sagt eine mit dem Vorgang vertraute Person. „Und von allen internen Kandidaten war Buchholz das größte Schwergewicht.“

Der promovierte Jurist schlug zunächst die politische Laufbahn ein: Von 1992 bis 1996 gehörte Buchholz der FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag an, deren Parlamentarischer Geschäftsführer er von 1993 an war. Einen Namen machte er sich als zweiter Vorsitzender des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Barschel-Affäre.

Offenbar wurde so der damalige G+J-Chef Gerd Schulte-Hillen auf ihn aufmerksam, der ebenfalls FDP-Mitglied ist. Er holte den Jungpolitiker 1996 als seinen Vorstandsassistenten zu Gruner + Jahr. 1998 wechselte Buchholz als Geschäftsführer zur „Hamburger Morgenpost“, die seinerzeit noch dem Zeitschriftenhaus gehörte. Im Januar 2000 wurde er Verlagsleiter des „Stern“ und nur fünf Monate später Verlagsgeschäftsführer der „Stern“ / „Geo“-Gruppe.

Seit Januar 2004 ist der gebürtige Berliner Deutschland-Chef von Gruner + Jahr. Unumstritten ist er in dieser Funktion nie gewesen. Eine erste Gründungsoffensive schlug fehl. Zwischen 2005 und 2006 warf er Titel wie „Park Avenue“, „Healthy Living“, „View“ und Emotion“ auf den Markt. Von diesen Blättern konnte keines die Erwartungen erfüllen. „Park Avenue“ musste unlängst sogar eingestellt werden. Allerdings soll sich in der Ära Buchholz die Profitabilität der bestehenden deutschen G+J-Titel deutlich erhöht haben. „G+J Deutschland hat unter ihm stets gute Ergebnisse eingefahren“, sagt ein Bertelsmann-Manager.

Dennoch wäre dem 47-Jährigen beinah sein lockeres Mundwerk zum Verhängnis geworden. Auf einer Podiumsdiskussion verglich er die G+J-Belegschaft mit Kreuzfahrttouristen „auf dem Sonnendeck“, die „ihre Drinks und Liegestühle beiseite stellen“ müssten, weil „eine Riesenwelle“ auf ihr Schiff zukomme. Da nur wenige Tage später die 23-köpfige Redaktion von „Park Avenue“ sowie 110 Wirtschaftsredakteure erfuhren, dass sie gehen müssen, fand man in der Gütersloher Konzernzentrale diesen Vergleich unpassend. Buchholz hatte jedoch die Größe, sich öffentlich für seine „Sonnendeck“-Metapher zu entschuldigen.

Diese Größe vermissten die G+J-Gesellschafter offenbar bei Kundrun, der, während er die Verlagsmitarbeiter auf harte Zeiten einschwor, mit der Senderkette Pro Sieben Sat 1 wegen eines neuen Jobs verhandelte. Mit der Niederlegung seines Vorstandspostens bei Bertelsmann sei er seiner Entmachtung zuvorgekommen, heißt es in Gesellschafterkreisen.

Buchholz' Berufung soll nun die Gesellschafterversammlung beschließen, der Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski, sein Finanzchef Thomas Rabe und der Geschäftsführer der Jahr-Holding Burkhard Schmidt angehören. Danach muss der Aufsichtsrat zustimmen. Noch diese Woche könnte Buchholz' sein Amt antreten.