Kritik an Finanzinvestoren

ProSieben-Aktionäre fühlen sich ausgeplündert

Die Kleinaktionäre haben Management und Investoren von ProSieben Sat.1 wegen der hohen Verschuldung der TV-Sendergruppe scharf kritisiert. Sie warfen den Großaktionären – den US-Finanzinvestoren Permira und KKR – auf der Hauptversammlung vor, den Münchner Konzern auszuplündern.

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Die Kleinaktionäre haben Management und Investoren von ProSiebenSat.1 wegen der hohen Verschuldung der TV-Sendergruppe scharf kritisiert. Sie warfen den Großaktionären – den US-Finanzinvestoren Permira und KKR – auf der Hauptversammlung vor, den Münchner Konzern auszuplündern. Die ungewöhnlich hohe Dividende werde aus der Substanz des Unternehmens gezahlt, für die Übernahme der europäischen Senderkette SBS sei zudem ein zu hoher Preis gezahlt worden, kritisierte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Man hat sich bis über den Kopf verschuldet.“ Die Verbindlichkeiten stiegen bis Ende März auf 3,4 Milliarden Euro, vor Jahresfrist waren es nur 90 Millionen gewesen.

Vorstand und Aufsichtsrat von ProSiebenSat.1 wollen die Dividende für das vergangene Jahr trotz der Probleme, etwa das Bußgeld von 120 Millionen Euro für Verfehlungen bei der Vermarktung von TV-Werbezeiten, kräftig erhöhen. Das kommt vor allem den Großaktionären, die auch im Aufsichtsrat sitzen, zugute. „Diese Dividende hätten Sie sich sparen können, dem Unternehmen schadet das“, sagte Bergdolt. „Die Kuh, die Sie melken wollen, sollte man nicht schlachten.“ Firmenchef Guillaume de Posch bekräftigte aber, auch künftig den Großteil des Gewinns auszuschütten. Die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sei nicht eingeschränkt, Übernahmen könnten aus den laufenden Einnahmen gezahlt werden.

Andere Kleinaktionäre legten dem Management nahe, sich mehr Sendungen zur Schuldnerberatung anzuschauen. Sie kritisierten zudem den "desaströsen Aktienkurs“. ProSiebenSat.1-Aktien kosten derzeit weniger als neun Euro, Anfang Juli 2007 waren es noch mehr als 30 Euro gewesen.

Der Vorstand rechnet nach dem schwachen Start in Jahr 2008 in der zweiten Jahreshälfte mit besseren Werbegeschäften. Der Konzern habe sein neues Vermarktungsmodell in Deutschland angepasst, so de Posch vor rund 250 Aktionären. Nachdem die Senderfamilie, zu der auch Kabel 1 und N24 gehören, im ersten Quartal 2008 wegen Problemen beim Werbeabsatz in die roten Zahlen gerutscht war, sollte sich die Lage im zweiten Halbjahr wieder normalisieren. Im zweiten Quartal sei noch mit Einbußen zu rechnen. Große Impulse werde es in Deutschland aber im Gesamtjahr nicht geben, das Branchenwachstum werde allenfalls bei einem Prozent liegen. Im Ausland sei dagegen mit höheren Raten zu rechnen.

In Skandinavien und den Niederlanden prüft ProSiebenSat.1 den Verkauf von Randaktivitäten: „Dazu zählen die unter der Marke C-More in Skandinavien betriebenen Pay-TV-Sender sowie das niederländische Verlags- und Druckunternehmen Veronica, das unter anderem die TV-Zeitschrift „Veronica“ herausbringt, den Marktführer im Bereich Programmzeitschriften in Holland“, sagte der scheidende Finanzvorstand Lothar Lanz. Erlöse daraus sollen in den Schuldenabbau fließen. Der Verkauf von C-More soll noch im Sommer über die Bühne gehen. Sat.1, eine der Kernmarken, für die sich vor allem der Münchner Pay-TV-Sender Premiere interessiert, stehe nicht zur Disposition.