Zwangspausen

Daimler schickt 20.000 Menschen in Kurzarbeit

Der Autokonzern Daimler reagiert auf die Absatzkrise mit monatelanger Kurzarbeit für tausende Mitarbeiter in seinem größten Pkw-Werk in Sindelfingen. Bis Ende März würden die Betroffenen dann lediglich noch vier Tage die Woche arbeiten. Morgenpost Online zeigt, was das für die Mitarbeiter bedeutet.

Daimler verhandelt mit Vertretern der Arbeitnehmer aller 14 deutschen Werke über Einsparungen aufgrund der weltweiten Absatzkrise. Bereits fest steht, dass im Sindelfinger Werk ab 12. Januar rund zwei Drittel der etwa 28 800 Beschäftigten in Kurzarbeit gehen, wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte. Bis Ende März würden die Betroffenen dann lediglich noch vier Tage die Woche arbeiten. Mitunter werde die Wochenarbeitszeit auch auf drei Tage reduziert. Zudem seien sogenannte Blockpausen, beispielsweise an den Faschingstage, geplant. Da die Zeitkonten inzwischen ausgereizt sind, ist Daimler zufolge Kurzarbeit nicht mehr abwendbar.

Die Sindelfinger Belegschaft sei am Montagvormittag auf einer Betriebsversammlung über die anstehenden Aktionen informiert worden, sagte die Sprecherin. Kurzarbeit sei ein schwieriger, aber angesichts vorliegender Zahlen unvermeidbarer Schritt, sagte der Betriebsratsvorsitzende Erich Klemm. „Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation auf dem Absatzmarkt mittelfristig erholt und die Fabrik wieder voll ausgelastet werden kann.“ Bis dahin seien die Mitarbeiter durch die „Zukunftssicherung 2012“ geschützt.


Vergleichbare Verhandlungen fänden derzeit in allen anderen deutschen Werken statt. Dabei gehe der Sprecherin zufolge neben Kurzarbeit auch um den Abbau von Zeitkonten sowie andere Arbeitszeitregelungen. Die Verhandlungen sollen noch im Dezember abgeschlossen werden.


Bereits ab 11. Dezember schickt Damiler seine Beschäftigten je nach Werk in eine ein- bis vierwöchige Weihnachtspause. Bundesweit beschäftigt der Autohersteller nach eigenen Angaben rund 150.000 Mitarbeiter. Der Absatz der Pkw-Sparte war im November im Vergleich zum Vorjahresmonat um 25 Prozent auf 84.500 Fahrzeuge zurückgegangen.

Kurzarbeit liegt dann vor, wenn die betriebsübliche Wochenarbeitszeit aus „wirtschaftlichen Gründen“ oder wegen „einem unabwendbaren Ereignis“ erheblich verkürzt wird, wie es im Sozialgesetzbuch heißt. Allerdings muss dies vorübergehend und unvermeidbar sein. In diesem Fall wird „Konjunkturelles Kurzarbeitergeld“ (Kug) gewährt.Ein Unternehmen muss die Kurzarbeit bei der Bundesagentur für Arbeit anmelden.

Was ist Kurzarbeit?

Kurzarbeit soll den Betrieben eingearbeitete Mitarbeiter erhalten und den Arbeitnehmern ihre Arbeitsplätze erhalten und ihnen einen Teil des Lohnausfalls ersetzen, wie die Bundesagentur erklärt. Nach der ab 2009 gültigen Verordnung des Bundesarbeitsministeriums beträgt die Bezugsfrist für Kurzarbeitergeld 18 Monate (zuvor waren es 12 Monate). Dessen Höhe bemisst sich nach dem Einkommensverlust während der Kurzarbeit. Mitarbeiter mit mindestens einemKind erhalten 67 Prozent des Lohnausfalls, kinderlose Beschäftigte 60 Prozent. Nach Angaben des Daimler-Betriebsrates kann Kurzarbeit den Beschäftigten bis zu 97 Prozent ihres Nettogehaltes sichern.

In Baden-Württemberg spielte Kurzarbeit seit der letzten Krise 1993 kaum eine große Rolle. Seit Oktober meldeten aber Unternehmen wieder vermehrt Kurzarbeit an, erklärte die Regionaldirektion des Bundesanstalt am Montag in Stuttgart. Mitte November gab es 25000 Kurzarbeiter in mehr als 700 Betrieben. Ab Jahresbeginn dürften es erheblich mehr werden, heißt es bei der Regionaldirektion. (Berichtigung: Im vorletzten Satz der Meldung wurde berichtigt: