Gasversorger

Vattenfall macht der Gasag-Konkurrenz

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Daniel Wetzel

Vattenfall wird auf dem Gasmarkt aktiv. Zunächst plant der Stromkonzern eine Testphase in drei Städten. Doch bald könnte er auch auf den Berliner Markt drängen – und mit sich selbst in den Wettbewerb treten.

Der führende Berliner Gasanbieter Gasag könnte bald einen äußerst unangenehmen Konkurrenten bekommen: den eigenen Großaktionär. Denn der ebenfalls in Berlin ansässige Stromkonzern Vattenfall Europe, der 31,57 Prozent der Gasag-Anteile hält, wird jetzt selber auf dem deutschen Gasmarkt aktiv. Und dabei will er auch Berlin ins Visier nehmen.

Der zur schwedischen Vattenfall-Gruppe gehörende Stromkonzern Vattenfall Europe AG kündigte am Dienstag an, jetzt zusätzlich als Gasanbieter in Deutschland aufzutreten. Zunächst gilt das Angebot Easy Gas nur in den Testmärkten Karlsruhe, Dortmund und Hamburg. Bei Erfolg werde das Gasangebot allerdings auch auf weitere Regionen und Städte im Bundesgebiet ausgeweitet, bestätigte ein Vattenfall-Sprecher Morgenpost Online. „Dabei wäre auch Berlin im Fokus.“

In Berlin ist die Vattenfall Europe AG einer der drei Großaktionäre der Gasag – neben Gaz de France, die ebenfalls 31,57 Prozent am Hauptstadtversorger hält und der zum E.on-Konzern gehörenden Thüga AG mit 36,85 Prozent. Mit einem Gasangebot in Berlin würde Vattenfall Europe also dem eigenen Beteiligungsunternehmen Konkurrenz machen.

Vattenfall wollte diese Möglichkeit nicht weiter kommentieren. Doch die drohende Konkurrenzsituation zum eigenen Tochterunternehmen wirft die Frage auf, ob Vattenfall Europe möglicherweise sogar den Verkauf seiner Gasag-Beteiligung erwägt. Eine Änderung der Eigentumsverhältnisse steht beim größten städtischen Gasversorgungsunternehmen Europas ohnehin an. Denn der E.on-Konzern will seine Stadtwerke-Holding Thüga AG verkaufen – womit auch die von der Thüga gehaltene Gasag-Beteiligung in neue Hände überginge.

Ein Sprecher der Gasag nahm zu diesen Spekulationen nicht weiter Stellung. Er verwies aber auf jüngste Äußerungen aus dem Vattenfall-Konzern, wonach eine Änderung der Besitzverhältnisse bei der Gasag nicht geplant sei. Unabhängig davon seien die Unternehmen Vattenfall und Gasag bereits Konkurrenten auf dem Berliner Wärmemarkt – trotz ihres Beteiligungsverhältnisses. So stehe die Gasag seit Langem im Wettbewerb gegen das Fernwärmeangebot der Berliner Vattenfall-Kraftwerke: „Da wird sich nichts geschenkt.“

Wann Vattenfall Europe sein Gasangebot ausweitet, sei noch offen, betonte ein Konzernsprecher. „Dafür gibt es noch keinen Zeitplan.“ Zunächst gelte es, in Dortmund und Karlsruhe Erfahrungen zu sammeln. Woher das dort angebotene Erdgas stammt, wollte der Vattenfall-Sprecher nicht sagen.

Vattenfall tritt gegen die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung GmbH (DEW) an. Von den Untersuchungen des Bundeskartellamts wegen möglichen Preismissbrauchs auf dem deutschen Gasmarkt war die DEW nicht betroffen. Karlsruhe wählte Vattenfall offenbar als Testmarkt aus, weil die Energiepreise in Baden-Württemberg in der Regel über dem Bundesdurchschnitt liegen. Die Stadtwerke Karlsruhe hatten ein Verfahren des Bundeskartellamts wegen Preismissbrauchs jüngst durch einen Vergleich beendet.