Bilanzen

RTL steckt Talfahrt besser weg als ProSiebenSat.1

Der Privatfernseh-Branchenprimus RTL hat die Talfahrt auf dem deutschen Werbemarkt bisher offenbar besser weggesteckt als sein Konkurrent ProSiebenSat.1.

Während die Münchener Senderfamilie im dritten Quartal in die roten Zahlen rutschte und der Umsatz um 3,3 Prozent zurückging, verzeichnete RTL im gleichen Zeitraum einen deutlichen Anstieg beim operativen Ergebnis (Ebita) und ein Umsatzplus von drei Prozent. Wegen der trüben Aussichten zog ProSiebenSat.1 auch die erst im September reduzierte Ergebnisprognose zurück. RTL zeigte sich dagegen „vorsichtig optimistisch“, den operativen Gewinn wie geplant zu steigern.

Der zum Jahresende ausscheidende ProSiebenSat.1-Chef Guillaume de Posch kündigte am Donnerstag angesichts der Zurückhaltung der Werbekunden an, den Gürtel enger zu schnallen: „Wie viele andere Marktteilnehmer müssen auch wir unser Haus winterfest machen.“ Der Sender müsse die Kosten in den Griff kriegen, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Ob damit auch ein Umzug des Senders Sat.1 von Berlin nach München geplant sei, wie verschiedene Medien berichtet hatten, wollte er nicht sagen.

„Wir werden an die Öffentlichkeit gehen, wenn wir die Analyse beendet haben“, sagte der Belgier. Der Sat.1-Betriebsrat befürchtet, dass mit der Verlagerung auch Jobs wegfallen könnten und hat deshalb für Freitag zu einer Demonstration aufgerufen. ProSiebenSat.1 wird von den beiden Finanzgesellschaften Permira und KKR kontrolliert. Ende September betrug der Schuldenberg des Senders 3,8 Milliarden Euro. Wer de Posch auf dem Chefsessel nachfolgen wird, ist weiterhin unklar. Er hatte im Juni angekündigt, bis Ende des Jahres abtreten zu wollen.

ProSiebenSat.1 verzeichnete im Zeitraum von Juli bis Ende September einen Verlust von elf Millionen Euro, nachdem im Vorquartal noch ein Nettogewinn von 60 Millionen Euro eingefahren wurde. Der Umsatz schrumpfte um 3,3 Prozent auf 646,5 Millionen Euro. Während die Umsätze in den Senderregionen Nordeuropa, den Benelux-Ländern und Osteuropa nach oben zeigten, macht sich im deutschsprachigen Raum die Werbeflaute bemerkbar. Der Umsatz von ProSieben, Sat.1, N24 und Kabel Eins ging insgesamt um neun Prozent auf 344 Millionen Euro zurück. Der Anteil der deutschen Sender am Gesamtumsatz fiel damit auf 61 von 66 Prozent. Daneben laufe das auf Druck des Kartellsamts neu ersonnene Werbezeiten-Verkaufsmodell immer noch nicht rund, hieß es. An der Börse reagierten die Anleger verschnupft auf die ProSiebenSat.1-Zahlen. Die im MDax gelisteten Aktien brachen um mehr als acht Prozent auf 2,35 Euro ein.

Europas größtem TV-Konzern RTL Group bereiten die knauserigen Werbekunden dagegen offenbar weniger Schwierigkeiten. Die Luxemburger sind allerdings mit einem Umsatzanteil von 37 Prozent im Jahr 2007 weniger vom Deutschlandgeschäft abhängig als die Konkurrenz aus Bayern. Im dritten Quartal stieg der Umsatz nach Angaben von RTL um drei Prozent auf 1,19 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) kletterte um 42 Prozent auf 75 Millionen Euro. Das Ergebnis im Vorjahreszeitraum war allerdings durch eine Kartellstrafe belastet worden. Die Tochter des Gütersloher Medienkonzerns Bertelsmann freute sich besonders, in der Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer und beim Werbemarktanteil „deutlich“ vor ProSiebenSat.1 zu liegen.