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Kursexplosion macht VW zur teuersten Firma der Welt

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VW kurzzeitig teuerste Firma der Welt

Nach 150 Prozent Kursanstieg notiert das Papier auch am zweiten Handelstag der Woche zeitweise rund 100 Prozent im Plus. Bei der Marktkapitalisierung war Volkswagen ein paar Minuten das teuerste Unternehmen der Welt.

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Die Aktien des größten europäischen Autokonzerns Volkswagen haben am Dienstag ihren Höhenflug fortgesetzt. Am Vormittag übersprang der Kurs die 1000-Euro-Hürde. Damit war Volkswagen kurzfristig das wertvollste Unternehmen der Welt. Kritiker sprechen von Kursmanipulationen - die vom VW-Großaktionär Porsche ausgegangen sein sollen.

Mit einem Preis von 1005,01 Euro je Aktie haben die VW-Papiere am Dienstagmorgen ihren bisherigen Höchststand erreicht. Nach Marktkapitalisierung war Volkswagen damit damit das wertvollste Unternehmen der Welt. VW zog allerdings nur kurzzeitig am US-Ölriesen Exxon Mobil vorbei. Gegen Mittag sank die VW-Aktie wieder und die 700-Euro-Marke, das Papier lag damit aber immer noch um mehr als 25 Prozent im Plus.

Bereits am Vortag hatten die Aktien um 146,6 Prozent auf 520,00 Euro zugelegt. Händler bezeichneten dies als „grotesk“. Ohne die Zugewinne bei VW wäre der deutsche Leitindex Dax laut Analysten längst unter die wichtige 4000-Punkte-Marke gefallen. So aber schloss der Index um 0,9 Prozent fester bei 4334 Punkte.

Wegen des steilen Kursanstiegs der VW-Aktie hat die größte Deutsche Fondsgesellschaft DWS VW-Hauptaktionär Porsche angegriffen. Nach 150 Prozent Kursanstieg am Montag, notiert das Papier auch am zweiten Handelstag der Woche zeitweise rund 100 Prozent im Plus. „Ich kritisiere heftig, dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert“, sagte DWS-Geschäftsführer Klaus Kaldemorgen der „Financial Times Deutschland“. „Hier ist für andere Anleger nicht nachvollziehbar, was Porsche macht.“

Porsche fühlt sich für die jüngsten Kurssprünge bei den Stammaktien von Volkswagen nicht verantwortlich. „Wir weisen den Vorwurf der Kursmanipulation entschieden zurück“, sagte ein Porsche-Sprecher am Dienstag in Stuttgart. Es werde bei den Kursausschlägen der VW-Stämme Ursache und Wirkung verwechselt. „Verursacher sind diejenigen, die mit riesigen Summen auf fallende VW-Kurse gesetzt haben“, sagte der Sprecher.

Auslöser für den Kurssprung war die Mitteilung des Großaktionärs Porsche, bereits über 42,6 Prozent der VW-Anteile zu verfügen sowie Optionen auf weitere 31,5 Prozent zu haben. In den kommenden Wochen wollen die Stuttgarter die 50-Prozent-Hürde nehmen. Für 2009 sei ein Beherrschungsvertrag geplant. Dann will die Holding 75 Prozent an VW halten.

Viele Investoren hatten in den vergangenen Wochen auf einen fallenden VW-Kurs gesetzt und über sogenannte Leerverkäufe geliehene VW-Aktien verkauft. Im Idealfall hätten sie die Aktien später billiger an der Börse zurückgekauft und die Differenz eingestrichen. Wegen des plötzlichen Kursanstiegs mussten sie unbedingt VW-Aktien kaufen, um den Verlust aus dieser Wette zu begrenzen. Damit kam eine Kettenreaktion in Gang, die den Kurs immer weiter in ungeahnte Höhen trieb. Der Kursanstieg fiel auch deswegen so stark aus, weil vergleichsweise wenige VW-Aktien frei gehandelt wegen können. Das Angebot ist knapp - darum steigt der Kurs.

Niedersachsen besitzt als zweitgrößter Aktionär rund 20,1 Prozent der VW-Papiere. Ein anderer Teil der Aktien liegt zudem bei Pensionsfonds und in Portfolios, die Aktienindizes nachbilden. Sollte Porsche seine Optionen ausüben, gebe es nahezu keine frei handelbaren VW-Papiere mehr, erklärten die Analysten von Morgan Stanley. Ihrer Ansicht nach müssten die VW-Aktie realistischerweise bei 69 Euro notieren.

Nach Ansicht von Analysten der Bank Sal. Oppenheim ist es sehr wahrscheinlich, dass die Stämme aufgrund der zu geringen Anzahl handelbarer Aktien aus dem DAX flögen. Diese Schwelle ist bei 5 Prozent erreicht.

„Es kann auch nicht sein, dass ein Wert in einem angesehenen Index wie dem Dax aufgrund des geringen Streubesitzes an einem Tag um mehr als 100 Prozent steigt“, bemängelte Kaldemorgen. „Die Börse muss bei so einer außerordentlichen Gegebenheit agieren. Es ist höchste Zeit, dass sie ihre Indexregeln ändert“, forderte er. Kaldemorgen zufolge hinken am Dax orientierte Fonds der Entwicklung des Leitindex notwendig hinterher, weil sie einen Kauf von VW-Aktien zum aktuellen Kurs nicht verantworten können. Die DWS ist die Fondstochter der Deutschen Bank.