High-Tech-Züge

Das ist der neue Superzug für Russland

Die großen Bahnbetreiber und die Konkurrenz müssen warten: Siemens will das mit Spannung erwartete neue Flaggschiff seiner Superzugflotte erst in rund einem Monat der Öffentlichkeit vorstellen. Morgenpost Online konnte vorab einen Blick auf den "Velaro RUS" werfen, den derzeit weltweit modernsten Highspeedzug.

Nach Deutschland, Spanien und China ist Russland das vierte Land, das den Superschnellzug aus der ICE-Familie gekauft hat. „Er ist inzwischen auch außerhalb Deutschlands ein Erfolgsmodell“, sagt Ansgar Brockmeyer, der bei Siemens die Hochgeschwindigkeitssparte leitet. Der Velaro ist eine Weiterentwicklung des ICE-3, den Siemens gemeinsam mit Bombardier für die Deutsche Bahn baut. ICE ist ein Markenname der Deutschen Bahn und entsprechend geschützt.

Die Russen haben zunächst acht Züge des „Velaro RUS“ für insgesamt 300 Mio. Euro geordert. Die Chinesen hatten 60 Züge der Fernost-Variante des ICE-3 bestellt. Die ersten sind dort seit dem Beginn der Olympischen Spiele im Einsatz, sie fahren von Peking in die rund 120 Kilometer entfernte Küstenstadt Tianjin.


Das erste Modell des „Velaro RUS“ wird im Dezember von Rügen aus nach St.Petersburg verschifft. Ein Jahr später soll in Russland das Hochgeschwindigkeitszeitalter auf der Schiene beginnen und der Regelbetrieb auf der Strecke St. Petersburg-Moskau aufgenommen werden. Eine weitere Verbindung ist zwischen der Hauptstadt und Nischni-Nowgorod geplant.

Mit bis zu 300 km/h durch Russland

Mit Tempo 250 wird der Siemenszug zunächst auf die Schienen gehen, der „Velaro RUS“ ist aber bis auf 300 Stundenkilometer nachrüstbar. Weltweit gibt es bislang nur eine Handvoll Staaten, die sich ein Schienennetz für Hochgeschwindigkeitszüge leisten: Neben den Pionieren Japan und Frankreich zählen dazu Deutschland, Korea sowie Italien und Spanien. Im vergangenen Jahr sind Taiwan und die Volksrepublik China hinzugekommen.

In diesen Ländern ringen Siemens, Alstom mit dem TGV und dem neuen AGV sowie der japanische Bahnbauer Kawasaki Heavy um die lukrativen Aufträge. Der Markt in Japan und Taiwan wird von Kawasaki beherrscht, in Korea ist Alstom der ausländische Superzuglieferant. In den übrigen Ländern ist Siemens gut im Geschäft und hat dort mehr als 160 Züge der ICE-/Velaro-Familie verkauft.

Andere Konzerne ziehen nach

Der Erfolg ist auch nötig, denn die Konkurrenz ist Siemens immer dichter auf den Fersen. Noch vor drei Jahren waren die Deutschen allen europäischen Konkurrenten bei den Superschnellzügen technisch weit voraus. Doch inzwischen hat Alstom mit dem AGV einen Hochgeschwindigkeitszug, der der ICE-Familie ebenbürtig ist. Und Bombardier wird im kommenden Jahr mit der ersten eigenen Highspeedbahn „Zefiro“ starten. „Der Abstand zu den Wettbewerbern ist kleiner geworden“, sagt Ansgar Brockmeyer. Zudem haben die asiatischen Bahnbauer Europa entdeckt: Der japanische Hersteller Hitachi hat bereits IC-Züge für Großbritannien geliefert.

Dass Bombardier und Siemens nach dem Gemeinschaftsprojekt ICE getrennte Wege gehen, hat unter anderem mit der neuen Bestellpolitik der Deutschen Bahn zu tun: Die will künftig nicht mehr mit Konsortien zusammenarbeiten. Im Fall von Reklamationen oder bei Unfällen wie dem Achsbruch bei einem ICE-3 im Kölner Hauptbahnhof Anfang Juli sei es aufwendig und langwierig, Ansprüche durchzusetzen, heißt es bei der Bahn.

Siemens rechnet sich für den Velaro auch in Amerika gute Chancen aus. So sind in Kalifornien Hochgeschwindigkeitsstrecken geplant. Entsprechende Überlegungen gibt es auch in Brasilien. Amerikanischen Herstellern fehlt das Know-how zum Bau von Highspeedzügen.