Technologiepark Adlershof

Intel steigt mit 85 Mio. bei Berliner Solarfirma ein

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Joachim Fahrun

Foto: SO RH**FK** CS**FK** / AP

Diese Geldspritze könnten den Technologiestandort Adlershof nach vorn bringen: Amerikanische und britische Risikokapitalgeber investieren 85 Millionen Euro in die Berliner Sulfurcell Solartechnik GmbH. Die Intel Capital aus Kalifornien und der Climate Change Private Equity aus Großbritannien führen die Investorengruppe an.

Das 2001 gegründete Unternehmen will das frische Kapital nutzen, um am Firmensitz im Technologiepark Berlin-Adlershof ein neues Werk zur Produktion von Dünnschicht-Solarmodulen zu errichten und seine Forschungs- und Entwicklungsarbeit zu verbessern. Die Zahl der Arbeitsplätze soll sich von derzeit 130 in den nächsten zwei Jahren zunächst verdoppeln.

„Für uns ist die Finanzierungszusage ein Quantensprung“, sagte der Vorstandsvorsitzende von Sulfurcell, Nikolaus Meyer. Bisher hatte die Firma eine Pilotfertigung betrieben und Solarmodule mit einer Stromerzeugungskapazität von zwei Megawatt jährlich hergestellt. In vier Jahren sollen erst Module für 35, im zweiten Ausbauschritt für 75 Megawatt im Berliner Südwesten erzeugt werden. Der Umsatz der Sulfurcell würde dann auf über 100 Millionen Euro steigen. Bisher liegt er im unteren einstelligen Millionenbereich.

„Wir sehen bei Sulfurcell das Potenzial für einen Global-Player“, sagte Heiko von Dewitz , Investment Director von Intel Capital Europa. Die Division des Mikroprozessor-Herstellers platziert Intels Milliardengewinne in High-Tech-Unternehmen weltweit. Allein 2007 ist Intel mit insgesamt 639 US-Dollar in 166 Firmen eingestiegen, mehr als ein Drittel davon arbeiten außerhalb der USA.

Mit dem neuen Kapital für die Berliner Solarfirma wolle man die „aggressive Wachstumsstrategie“ des Unternehmens unterstützen. In drei bis vier Jahren soll die Firma profitabel sein, dann denke man auch über einen möglichen Börsengang nach, um neues Kapital zu gewinnen.

Sulfurcell ist eine typische Ausgründung aus einem Forschungsinstitut, die es auch mit öffentlicher Förderung zur industriellen Reife gebracht hat. Meyer und andere Wissenschaftler aus dem Berliner Hahn-Meitner-Institut haben ab 1999 den Schritt in die Selbstständigkeit vorbereitet und 2001 ihre Firme gegründet. Ihre Geschäftsidee beruhte auf einer Technologie, die wenige Jahre zuvor entwickelt worden war: Nämlich Solarmodule für die Fotovoltaik nicht mehr auf der Basis von teuren Siliziumkristallen herzustellen, sondern aus Kupfer-Indum-Sulfid (CIS).

CIS-Solarzellen sind hauchdünn, es wird viel weniger Material benötig als bei herkömmlichen Zellen. Entsprechend weniger wiegen sie, es ist in der Regel nicht nötig, Dächer oder Fassaden für den Einsatz von Fotovoltaik-Anlagen zu verstärken. Sulfurcell verkauft diese Module als komplettes, knapp einen Quadratmeter großes Bauteil aus Glas, das sich direkt auf Dächer oder in Fassaden integrieren lässt.

2001 gewann Sulfurcell den Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. 2002 und 2003 erhält das Unternehmen sieben Millionen Euro Fördermittel vom Land Berlin und von der EU. Neun Millionen Euro für den Aufbau kamen aus privaten Quellen und von der landeseigenen Investitionsbank Berlin, die über ihren VC-Fonds bereits an Sulfurcell beteiligt ist.

Die Aussichten für das Unternehmen, das zu den drei führenden Herstellern von Dünnschichtmodulen gehört, sind nach den Worten des Geschäftsführers Meyer glänzend: „International geht der Trend hin zu unserer Technologie. Die weltweite Nachfrage übersteigt das Angebot.“