Fleischskandal

Über 200.000 Gammel-Döner bereits aufgegessen

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Aus der bayerischen Lieferung von Gammelfleisch könnten mehr als 200.000 Döner hergestellt worden sein. In einem Döner sind nach Angaben des Fleischerverbands Bayern maximal 100 Gramm Fleisch enthalten. Das ergibt bei 20 Tonnen Schlachabfällen, je nach Fleischmenge, mindesten 200.000 Stück. Und das meiste Fleisch davon wurde in Berlin verzehrt.

Nach Angaben der Gesundheitsverwaltung ist Berlin doch mehr vom bayerischen Fleisch-Skandal betroffen als angenommen. Die Lebensmittelaufsicht gehe nun von 14 Tonnen minderwertigem Fleisch aus, das aus dem schwäbischen Wertingen an einen Berliner Döner-Hersteller in Mitte geliefert wurde. Das Fleisch, das aus Schlachtabfällen bestand, sei an Döner-Ständen in Berlin und Brandenburg verkauft und mit Sicherheit auch gegessen worden. Zunächst nur von 1,7 Tonnen Ekelfleisch in Berlin die Rede.

Über die fehlenden sechs Tonnen Ekelfleisch fehlt jeder Nachweis

Auch das Berliner Landeskriminalamt ermittelt bei den Fleischlieferungen aus Bayern. „Das sind alles sehr komplizierte Vorgänge. Es ist nicht ausgeschlossen, dass noch Neues ans Licht kommt“. Nach Erkenntnissen der bayerischen Staatsanwaltschaft sind sogar 20 Tonnen des minderwertigen Fleisches nach Berlin gelangt. Über die fehlenden sechs Tonnen gebe es in der Hauptstadt aber bisher noch keinen Nachweis, berichtete die Sprecherin. Der Berliner Döner-Hersteller soll nach Behördenangaben nichts von dem Betrug gewusst haben.

Tierfutter im Döner?

Das Fleisch, das nach Berlin gelangte, bestand aus Schlachtabfällen. Sie sind nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt.

Solch minderwertiges Fleisch, das als „Kategorie 3“ (genussuntaugliches Fleisch) gehandelt wird, findet in der Regel höchstens in der Tierfutter-Produktion Verwendung.


Im Unterschied zum Gammelfleisch ist minderwertiges Fleisch aber nicht verdorben – und damit auch nicht gesundheitsgefährdend.

Als lebensmitteltauglich umetikettiert

Bisher orientiere sich die Berliner Lebensmittelaufsicht bei ihren Recherchen an den Lieferlisten der Fleischwaren. Die bayerische Firma habe am 16. Juli rund 20 Tonnen minderwertiges Fleisch erhalten und in einem kriminellen Akt als lebensmitteltauglich umetikettiert. Beim Berliner Döner-Hersteller seien vom 19. Juli an vier Lieferungen dieser Firma eingetroffen - insgesamt 14 Tonnen Fleisch. „Am 12. August kam die letzte Lieferung aus Bayern in Berlin an“, sagte die Sprecherin. Die gesamte Ware wurde als Döner-Fleisch an Imbisse in Berlin und Brandenburg ausgeliefert – und mit Sicherheit auch aufgegessen.

Die Firma wurde umgehend geschlossen

Die bayerische Firma wurde umgehend geschlossen. Der Fahrer eines Fleischtransporters hatte die Polizei auf den Skandal aufmerksam gemacht. Ihm war nach Angaben der Staatsanwaltschaft aufgefallen, dass die von ihm gelieferte so genannte K3-Ware von dem Ehemann der Geschäftsführerin der Wertinger Firma an einem unauffälligen Ort abgeladen werden sollte. Dort habe dieser dann begonnen, die Kennzeichnung der Waren zu entfernen.

Bei dem Unternehmen waren Ende vergangener Woche auch mehr als elf Tonnen verdorbenes Rind- und Putenfleisch beschlagnahmt worden. Es war ebenfalls umetikettiert und sollte auch nach Berlin verkauft werden. Die Ermittlungen der Memminger Staatsanwaltschaft richten sich nach Angaben von Staatsanwalt Jürgen Brinkmann gegen den 56-jährigen Beschuldigten und gegen dessen Ehefrau, die Geschäftsführerin der geschlossenen Firma ist, und gegen den Lieferbetrieb in Schleswig-Holstein.