Arbeitsmarkt

Niedrigste Arbeitslosenquote seit fast 16 Jahren

Die Zahl der Arbeitslosen in Berlin ist im Juni leicht gesunken, die Quote liegt nun bei 13,6 Prozent. In Brandenburg verbesserte sich die Lage noch deutlicher als in der Hauptstadt. Bundesweit waren 3,16 Millionen Menschen ohne Arbeit, so wenige wie seit 1992 nicht mehr.

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Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit fast 16 Jahren gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) vom Dienstag waren im Juni 3,16 Millionen Jobsuchende registriert, das ist ein überraschend deutlicher Rückgang um 123.000 gegenüber dem Vormonat. Experten hatten mit einer Abnahme von unter 100.000 gerechnet. Im Vergleich zum gleichen Monat des Vorjahrs ergibt sich ein Minus um 528 000. Die Arbeitslosenquote reduzierte sich um 0,3 Prozentpunkte auf 7,5 Prozent.

Die Nachfrage der Unternehmen nach Mitarbeitern sei unverändert hoch, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Als Gründe nannte er neben der guten konjunkturellen Entwicklung mit einer starken Frühjahrsbelebung auch eine verbesserte Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen durch die Arbeitsagenturen.

Fast die Hälfte des Rückgangs verzeichnen mit minus 57.000 die neuen Länder. Dort sind nun 1,086 Millionen ohne Arbeit. Allerdings ist die Arbeitslosenquote mit 12,7 Prozent im Osten weiter doppelt so hoch wie im Westen mit 6,2 Prozent – hier sank die Zahl der Arbeitslosen um 66.000 auf 2,074 Millionen.

Arbeitslosigkeit in der Region sinkt leicht

Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt in Brandenburg und Berlin hat sich auch im Juni fortgesetzt. Die Erwerbslosigkeit in der Region sank auf den niedrigsten Wert in einem Juni seit 13 Jahren. In Brandenburg und Berlin waren 398.242 Menschen erwerbslos gemeldet, 17.598 weniger als im Vormonat und 6303 weniger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote ging gegenüber dem Vormonat um 0,6 Punkte auf 13,1 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 15,1 Prozent gelegen. Im Vergleich der 16 Bundesländer ist die Ewerbslosigkeit in Berlin jedoch die zweithöchste nach Sachsen-Anhalt.

Im Land Brandenburg ging die Zahl der Erwerbslosen im Juni auf 169.229 zurück. Das waren 8577 Menschen ohne Job weniger als im Mai. Binnen Jahresfrist reduzierte sich die Zahl der Arbeitssuchenden um 26.436. Die Erwerbslosenquote ging um 0,6 Punkte auf 12,6 Prozent zurück. Sie lag damit um 1,9 Punkte unter dem Vorjahreswert.

In Berlin waren im Juni 229.013 Menschen offiziell ohne Job, 9021 weniger als im Mai. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Erwerbslosen um 33 867. Die Arbeitslosenquote nahm gegenüber dem Vormonat um 0,5 Punkte auf 13,6 Prozent ab und lag damit 2,0 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region stieg im Vergleich zum Vorjahr um 38.300. Im April waren in Berlin und Brandenburg 1.800.700 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen tätig, das sind 2,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Bei jungen Leuten unter 25 Jahren sank die Zahl der Erwerbslosen im Vergleich zu Mai um 1030 auf 22.319 im Juni. Dies waren auch 2785 Frauen und Männer weniger als im Juni vergangenen Jahres. Bei Älteren über 55 Jahre waren Ende Juni 23.091 Arbeitslose gemeldet. Dies waren 601 weniger als vor einem Monat und 3196 weniger als vor einem Jahr.

Bundesweit niedrigste Quote seit 1992

Einen niedrigeren Juni-Wert verzeichnete die Bundesagentur zuletzt 1992 mit 2,838 Millionen. Angesichts der positiven Entwicklung hält Weise eine Unterschreitung der Drei-Millionen-Grenze in diesem Jahr für möglich. „Rein rechnerisch könnten wir unter die Marke von drei Millionen Arbeitslosen kommen“, betonte er.

Angesichts der Gefahren für die Konjunktur durch Inflation, hohen Ölpreis und die Finanzkrise warnte er aber zugleich vor zu großer Euphorie. Neben den offiziell als arbeitssuchend registrierten Menschen müssten sich die Arbeitsagenturen auch um mit die krank gemeldeten oder in Weiterbildungsmaßnahmen befindlichen Arbeitslosen kümmern. Zusammen mit der „stillen Reserve“ von Erwerbslosen, die sich bewusst nicht bei den Agenturen melden, betrage die Zahl der Arbeitslosen eigentlich rund fünf Millionen.

Seit 2006 entstanden laut Weise 1,4 Millionen zusätzliche sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, davon „deutlich mehr als die Hälfte“ als Vollzeitstellen. Laut einer Hochrechnung der BA lag die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im April bei 27,34 Millionen Menschen. Derzeit sind der Nürnberger Behörde zudem über eine Million offene Stellen bekannt, davon rund 84 Prozent auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Laut Berechnung des der Bundesagentur angegliederten Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stehen dem Arbeitsmarkt in diesem Jahr zugleich durch demografischen Wandel und durch Abwanderung rund 100.000 Menschen weniger zur Verfügung.

Hartz-IV-Empfänger sind nur schwer zu vermitteln

Erstmals seit Einführung von Hartz-IV fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit mit 65.000 bei den Empfängern dieser Grundsicherung stärker aus als der bei den Beziehern von Arbeitslosengeld I mit 58.000. Allerdings komme durchschnittlich nur jeder dritte ehemalige Hartz-IV-Empfänger tatsächlich in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. 25 Prozent nähmen an Maßnahmen der Arbeitsagentur teil, der Rest melde sich komplett aus dem Bezug von Leistungen ab oder wandere aus, erläuterte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.

Mit einer Quote von 3,8 Prozent verzeichnet Bayern erstmals seit November 2000 die niedrigste Quote unter allen Bundesländern vor dem langjährigen „Klassenprimus“ Baden-Württemberg.

In Folge der günstigen Entwicklung erwartet die Bundesagentur für Arbeit in ihrem Haushalt in diesem Jahr nur noch ein Defizit von 0,7 Milliarden Euro. Kalkuliert worden war mit 2,5 Milliarden Euro. In einer mittelfristigen Finanzplanung bis 2012 rechnet die Behörde sogar mit einem Überschuss von rund elf Milliarden Euro. Ob daraus eine weitere Beitragssatzreduzierung von derzeit 3,3 Prozentpunkte oder zusätzliche arbeitsmarktpolitische Maßnahmen finanziert werden sollten, sei Sache der Politik, betonte BA-Chef Weise.