Computerspiel-Messe

Die Gamescom 2019 startet mit vielen Weltpremieren

Bei der Gamescom 2019 präsentieren Aussteller die neuesten Computerspiele in Köln. In diesem Jahr gibt es dabei auch wieder Premieren.

Ein 16-jähriger US-Amerikaner hat sich im Finale des Fortnite-Einzelwettbewerbs rund 2,7 Millionen Euro erspielt.

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Köln. Es blitzt, es kracht. Aliens sind gekommen und jede Menge anderes Gesindel. Denn das ist die „Gamescom 2019 Opening Night“, der Beginn der weltgrößten Messe für Video und Computerspiele in Köln.

Meist werden die Besucher von Sondereinsatzkommandos und Spezialeinheiten erwartet. Es wird gerast, Hubschrauber fliegen tief und die Welten, von denen Bilder zu sind, erscheinen düster, gefährlich und dystopisch. Und das auf einer Gala. Aber niemand hier fühlt sich gestört. Im Gegenteil. Immer wieder brandet Applaus auf. Denn so kennt man die Messe.

Gamescom 2019: Eine Weltpremiere nach der anderen in einer zweistündigen Show

Wo früher jeder große Anbieter seine eigene Show veranstaltet, sind an diesem Montagabend erstmals fast alle großen Firmen zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammengekommen. 1500 Leute sind in einem Saal der Halle 11 der Kölner Messe live dabei, Hunderttausende in aller Welt online.

Pünktlich zur vollen Stunde betritt Geoff Keighley die Bühne – so eine Art Markus Lanz der Videospielszene. Und dann geht es gleich Schlag auf Schlag. Gears 5, die Hubschraubersimulation „Comanche, die Weltraumsimulation „Kerbal Space Program“ oder das ungewöhnliche aber grafisch atemberaubende Open-World-Adventure „Death Stranding“ - Weltpremiere auf Weltpremiere flimmert über die große Videoleinwand. Längst sind die Trailer mit denen die neuen, immer realistischer werdenden Spiele angekündigt und beworben werden, so aufwändig wie die für große Kinofilme – meist sogar aufwendiger.

Cloud Gaming ist das beherrschende Thema der Messe

Neben diesen neuen Spielen ist das beherrschende Thema dieser Gamescom das sogenannte „Cloud –Gaming“, also das Spielen mit Hilfe einer virtuellen Wolke. Vereinfacht gesagt heißt das: Spiele laufen dabei nicht mehr auf der eigenen Konsole oder dem eigenen Rechner, sondern auf externen Servern, mit denen der Kunde, der ein Abo abschließt, über das Internet verbunden ist. Also so ähnlich wie es Spotify mit Musik oder Netflix mit Filmen und Serien macht.

Vorteil: Alles lässt sich auch auf älteren Geräten oder leistungsschwächeren Smartphones oder Tabletts spielen, weil der Server die Rechenleistung für aufwendige Grafiken übernimmt. Nachteil: Ohne schnelle Internetverbindung läuft gar nichts. In Teilen des Hochsauerlandes oder Bereichen am Niederrhein dürfte es deshalb noch eine ganze Zeit dauern, bis die ersten Spiele-Clouds aufziehen.

Internet-Giganten mit eigenen Streaming-Angeboten

Doch das stört in Branche kaum noch jemanden. Sony bietet mit „Playstation Now“ einen solchen Dienst schon länger an auch über Microsofts Xbox oder Windows 10 lassen sich Spiele streamen. Die Deutsche Telekom hat am Montag „Magentagaming“ vorgestellt, die Firma Medion schon vor einiger Zeit ein vergleichbares Angebot.

Nun aber rücken die Giganten aus dem Internet an. Nicht nur Amazon ist ins Game-Streaming eingestiegen, zu Beginn der Gamescom hat auch Google noch einmal kräftig die Werbetrommel für sein Streaming-Portal „Stadia“ gerührt und sogar erste Spiele präsentiert, die exklusiv darüber erhältlich sein werden. Dabei verlangt Google nach jetzigem Stand nicht nur eine monatliche Pauschale, sondern in vielen Fällen zusätzlich einen Einzelpreis für die Spiele. Das kommt bei Gamern nicht so gut an, aber dennoch scheint die Konkurrenz so mächtig, dass Sony und Microsoft, eigentlich erbitterte Rivalen bei den Spielkonsolen, beschlossen haben, in Sachen Streaming künftig zusammenzuarbeiten – möglicherweise sogar in der neuen Microsoft xCloud.

Indie-Games bekommen mehr Platz

Ein weiterer Trend in diesem Jahr sind Computerspiele kleiner Programmierer-Teams, sogenannte Independent-Games. Als independent, also unabhängig gilt in der Branche, wer nicht mehr als 50 Mitarbeiter hat und maximal fünf Millionen Euro im Jahr umsetzt. Diesen Firmen wird auf der Messe in Halle 10.2 immer mehr Platz geboten.

Über mehr Platz können sich auch die Besucher der Messe freuen. Neben der Vergrößerung der Fläche (210.000 Quadratmeter) sind nicht nur die Gänge verbreitert worden, es gibt auch zusätzliches Catering und Erholungsflächen. Trotzdem dürfte es vor allem am Wochenende eng werden. Freitag und Samstag sind nämlich bereits komplett ausverkauft.

Dieser Text ist zuerst auf www.waz.de erschienen.