CES

Mattscheibe war gestern – das sind die Trends bei Fernsehern

Auf der CES wird neue Unterhaltungstechnik vorgestellt. Wer denkt, beim Fernseher sei alles erreicht, täuscht sich. Es passiert viel.

Dave Das von Samsung Electronics enthüllt den 98-Zoll-QLED-8K-TV während einer Samsung-Pressekonferenz auf der Technik-Messe CES.

Dave Das von Samsung Electronics enthüllt den 98-Zoll-QLED-8K-TV während einer Samsung-Pressekonferenz auf der Technik-Messe CES.

Foto: John Locher / dpa

Las Vegas.  Ein Fernseher zum Aufrollen, TV-Kacheln zum selbst zusammensetzen: es sieht fast so aus, als könnte 2019 mit der eckigen Mattscheibe Schluss machen und endlich mal ganz andere Formate ins Wohnzimmer lassen. Die Trends sind auf der Consumer Eletronics Show in Las Vegas.

Und tatsächlich: was im vergangenen Jahr noch wie ein bloßes Konzept aussah, soll nun auf den Markt kommen. Allerdings – und das ist die große Einschränkung – dürften die Geräte vorerst nur in sehr kleinen Stückzahlen und zu einem sehr großen Preis verkauft werden.

2019 und sicher auch 2020 wird für den normalen Verbraucher die Revolution an der TV-Front wohl ausbleiben. Trotzdem lohnt es sich, auf die Neuvorstellungen der CES zu schauen, denn mittelfristig können sie tatsächlich auch für den großen Markt interessant werden.

Das sind alle weiteren Trends der CES.

LG

Die Koreaner hatten im vergangenen Jahr den heimlichen Star der Messe dabei: Hinter verschlossenen Türen wurde ein flexibles OLED-Display gezeigt, dass bei Bedarf einfach in seinem Standfuß aufgerollt wurde. Nur ein Jahr später ist das nun tatsächlich ein Produkt, der LG Signatur OLED TV R.

Die 65-Zoll-Display-Diagonale sieht man nur bei Bedarf, sonst versenkt man den Schirm ganz oder lässt im sogenannten „Line-Mode“ nur einen schmalen Streifen sichtbar, auf dem das Wetter, der Kalender oder andere Inhalte eingeblendet werden.

Der praktische Nutzen mag überschaubar sein, dennoch ist die Technologie faszinierend und zeigt, wozu OLED prinzipiell fähig ist.

Ein weiterer anhaltender Trend ist die Nachfrage nach immer größeren TV-Geräten – und die Hersteller bedienen diese Nachfrage gern: Die Bildschirmdiagonale wächst und damit notgedrungen auch die Auflösung, damit man ja keine einzelnen Pixel erkennen kann.

War 8k im vergangenen Jahr noch die Ausnahme, zeigen auf der CES fast alle großen Hersteller entsprechende Geräte.

LG präsentierte auf der CES etwa den Z9, seinen erster OLED-Fernseher mit 8k-Auflösung und einer Bildschirmdiagonale von bis zu 88 Zoll. Der soll im Frühjahr auf den Markt kommen, der Preis ist noch nicht bekannt, dürfte aber wohl sicher im fünfstelligen Bereich liegen.

Samsung

Auch Samsung hat 2018 Jahr eine spannende Display-Technologie erstmals präsentiert: Micro LED. Stark vereinfacht kann man sich das wie eine Miniaturversion von Stadionleinwänden vorstellen – ein Display, das aus Millionen kleinen LED-Lämpchen besteht.

Das besondere an Samsungs Technologie ist aber, dass sie Modular aufgebaut ist. Der im vergangenen Jahr vorgestellte Riesenfernseher „The Wall“ war aus etlichen Einzelmodulen zusammengesetzt.

In diesem Fall rechteckig – aber er hätte auch eine ganz andere Form annehmen können. Ein weiterer Vorteil der Technologie ist, dass er einerseits wie OLED satte Schwarzwerte und höchste Kontraste bietet, ohne dessen Nachteile zu teilen.

Denn augenscheinlich kann Micro LED auch sehr helle Bilder produzieren, die Gefahr des Einbrennens gebe es ebenfalls nicht.

2019 hat Samsung seine Technologie weiter geschrumpft. Musste im vergangenen Jahr noch ein Monster mit 146 Zoll Diagonale zusammengesteckt werden, um auf die notwendige Pixelzahl für 4k zu kommen, zeigte Samsung in diesem Jahr ein Micro-LED-TV mit 75 Zoll.

Auch der wird wohl noch nicht für den Endverbraucher bestimmt sein. Aber die Richtung stimmt. Gut möglich, dass man bereits in wenigen Jahren seinen Fernseher Modular kauft und dann bei Bedarf später einfach noch ein paar Dutzend Micro-LED-Panels dazu kauft, um den Fernseher zu erweitern.

Auf der Messe zeigte Samsung eine Demo, bei der sich Panele im laufenden Betrieb zustecken und wegnehmen ließen.

Hisense

Eine außerhalb China noch recht junge Marke ist Hisense, tatsächlich ist das Unternehmen aber bereits 50 Jahre alt. Seit ihrem Markteintritt in der westlichen Welt wachsen die Chinesen schnell und setzen dabei teilweise auf selbstentwickelte Technologien.

Ein besonderes Augenmerk legt Hisense etwa auf das sogenannte „Direct Backlight“. Das ist eine Beleuchtungstechnik, die für bessere Kontraste innerhalb des Bilds sorgen soll. Kurz zur Erläuterung: Bei LCD-Fernsehern werden Farbe und Helligkeit der einzelnen Bildpunkte durch eine Filterschicht erzeugt, die von der Rückseite mit einem einfarbigen Licht beleuchtet wird.

Die Schwächen sind bekannt: Da die Filter das Licht nicht komplett blocken können, kann diese Technologie kein echtes Schwarz darstellen, eher Dunkelgrau. Beim normalen LCD-Fernseher wird das Licht von einer Lichtquelle über eine Folie gleichmäßig hinter der Filterschicht aus Flüssigkristallen verteilt.

Beim Direkt Backlight liegen dagegen viele einzelne LED-Leuchten hinter dem Bildschirm, die individuell gedimmt werden können. Wird etwa ein schwarzer Nachthimmel mit Mond gezeigt, leuchtet nur die Zone hinter dem Mond hell, die übrigen Lämpchen werden gedimmt oder ganz abgestellt.

Das verbessert den Kontrast über das Bild deutlich. Typischerweise arbeiten die teils mehrere Tausend Euro teuren Top-TV-Geräte anderer Hersteller mit rund 500 Helligkeitszonen. Hisense setzt in seinem aktuellen Top-Modell U9F (75 Zoll, ab Juni für rund 3500 Dollar/3000 Euro) auf mehr als doppelt so viele.

Wirklich interessant ist aber, dass Hisense mit dem H9F auch ein TV-Gerät mit Oberklasse-Features wie Quantum-Dot-Technologie (helleres Bild, leuchtendere Farben) sowie Local Dimming (150 Zonen) für nur 700 (55 Zoll) bzw. 1000 Dollar (65 Zoll) vorgestellt hat. Das könnte etwas Bewegung in die Mittelklasse-Sparte bringen.

Eine weitere Hisense-Besonderheit ist Laser-TV. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Laser-Kurzdistanz-Projekter und eine zugehörige Leinwand. Hier setzt Hisense mittlerweile auf drei einzelne Laser für die Grundfarben.

Das Ergebnis soll ein größerer Farbumfang sein, als bei anderen Technologien. Auf der Pressekonferenz ließ sich das auf die Schnelle nicht wirklich beurteilen.

Die Systeme mit 100 (2,5 Meter) bzw. 120 Zoll (3 Meter) Displaydiagonale haben noch keinen Preis, dürften aber eher im Preisbereich um die 10.000 Euro liegen.

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