Netzwerk

Facebook siedelt in Essen 500-köpfiges Lösch-Team an

In Essen sind plötzlich für Facebook Hunderte Stellen zu besetzen: Das Netzwerk eröffnet in Kürze ein zweites deutsches Löschzentrum.

Bislang prüfen Mitarbeiter von Arvato in Berlin, was Facebook-Nutzer melden. Bald wird es einen zweiten Standort in Essen geben.

Bislang prüfen Mitarbeiter von Arvato in Berlin, was Facebook-Nutzer melden. Bald wird es einen zweiten Standort in Essen geben.

Foto: Facebook

Essen.  Facebook richtet in Essen sein zweites Lösch-Zentrum in Deutschland ein: 500 Mitarbeiter sollen dort Inhalte prüfen, kündigte Facebook am Dienstag an. Im Auftrag von Facebook wird das österreichische Unternehmen CCC (Competence Call Center) vom Herbst an Meldungen von Nutzern prüfen und illegale Inhalte entfernen.

Der Dienstleister hat in Essen bereits einen Standort unweit des S-Bahn-Halts Essen-West und arbeitet dort unter anderem im Auftrag von eBay. Aktuell finden sich bei dem Unternehmen vorrangig Stellenangebote für Menschen, die fließend Persisch, Türkisch, Kurdisch oder Arabisch sprechen. Facebook setzt dabei offenbar auch darauf, dass im Ruhrgebiet viele Muttersprachler leben.

Auch für deutschsprachige Inhalte

Es werden aber auch Mitarbeiter gesucht, die deutschsprachige Meldungen sichten und bewerten. Eine Personalverantwortliche des Unternehmens sagte unserer Redaktion, ein Teil der Aufgaben werde mit bestehendem Personal übernommen. "Wir suchen aber noch sehr, sehr viele Leute." Eine genaue Zahl nennt CCC nicht. In den Stellenanzeigen ist Facebook nicht genannt, dort ist aber die Rede von der "Zusammenarbeit mit einem Top-Auftraggeber". Gesucht werden auch Sozialarbeiter und Psychologen.

In Berlin ist im Auftrag von Facebook bereits die Bertelsmann-Tochter Arvato mit dem Prüfen von Inhalten beauftragt. In Essen sollen die gleichen Aufgaben erfüllt werden wie dort. Der Berliner Standort stand zunächst wegen harter Arbeitsbedingungen ohne nötige psychologische Betreuung in der Kritik.

Auf Vorwürfe zu Arbeitsbedingungen reagiert

Facebook und Arvato führten Medien Anfang Juli eine andere Praxis vor: Es seien "mehrere Maßnahmen ergriffen" worden, um das Wohl der Mitarbeiter sicherzustellen, heißt es von Facebook. So gebe es Beratung und Betreuung durch Betriebsärzte, Psychologen und interne Sozialdienste.

Zu der Entscheidung von Facebook für den Standort Essen erklärte Martin Ott, Managing Director Central Europe: "Wir sind Teil der deutschen Wirtschaft und investieren deshalb in die Region Essen, um unser Engagement in Deutschland weiter auszubauen. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit CCC."

Facebook setzt auf den Standort Essen

Facebook lieferte in einer Pressemitteilung auch eine Stellungnahme von Ministerpräsident Armin Laschet mit: "Nicht nur wie bisher aus Berlin, sondern jetzt auch aus Nordrhein-Westfalen wird künftig ein wesentlicher Beitrag zur Netzsicherheit und zur Kommunikationskultur im Internet geleistet werden."

Der Standort Essen im Herzen des Ruhrgebiets habe den Weltkonzern Facebook überzeugt und übernehme nun eine zentrale Funktion in der globalen Netzkommunikation. "Ich habe in Gesprächen mit dem Unternehmen deutlich gemacht, dass das Ruhrgebiet der beste Ort ist, um mehrsprachige Fachkräfte mit hoher interkultureller Kompetenz zu finden."

Zur Startseite
© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.