Smarthome

Google Home – Ist das der neue Alleskönner im Wohnzimmer?

Amazons smarte Audiobox Echo bekommt in Deutschland nun Konkurrenz: Google Home. Wir haben den neuen digitalen Assistenten getestet.

Im Test: Darum kann Google Home mit Amazon Echo mithalten

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Berlin.  Der Kampf ums smarte Zuhause geht in die nächste Runde. Nachdem Amazons Echo-Lautsprecher mit seiner digitalen Assistentin Alexa bereits etliche deutsche Wohnzimmer erobert hat, ist ab heute der Herausforderer Google Home auch in Deutschland für 149 Euro erhältlich. Wir konnten das Gerät vorab ausführlich ausprobieren. Was kann die kleine Box alles, wie klingt sie und wie schlägt sie sich im Vergleich zu Amazons Echo?

Wer noch nie etwas von Echo und Alexa beziehungsweise Google Home gehört haben sollte, kann sich die Geräte folgendermaßen vorstellen: Man nehme eine brauchbar klingende Audiobox, stecke sie in ein schickes Gehäuse und versehe sie außerdem mit mehreren Mikrofonen, einem WLAN-Modul für die Anbindung ans Internet und ein wenig Rechenpower – fertig ist der smarte Heimassistent.

Dank der Mikrofone kann man mit der Box reden und sie etwa bitten ein bestimmtes Lied abzuspielen, einen Wecker zu stellen oder nach dem Wetterbericht zu fragen. Und wenn man die richtige Aktivierungsformel am Anfang sagt, also etwa „Hey Google…“, dann antwortet die Box tatsächlich so, als würde ein kleiner, dienstfertiger Geist darin wohnen, der nur darauf wartet, seinem Meister behilflich zu sein.

Tatsächlich wandern die an die Box gerichteten Worte via Internet in die Cloud zu einem leistungsfähigen Server, der das Gesprochene analysiert, versucht, sich einen Reim darauf zu machen und dann die entsprechende Antwort wieder zurück zum Gerät schickt. Datenschützer sind über diese Funktionsweise gar nicht glücklich. Auch wirkt der Geist bisweilen etwas begriffsstutzig, wenn er auf eine Frage, die er bereits dutzendfach beantwortet hat, plötzlich keine Antwort mehr weiß, nur weil man sie leicht anders formuliert hat.

Der Grund dafür ist, dass es für Maschinen enorm schwer ist, natürliche Sprache zu verstehen. Tatsächlich sind die beiden Vertreter auch schon ziemlich gut darin, Google noch etwas besser als Amazon – perfekt aber eben noch nicht.

Auch für Menschen ohne Technikkenntnisse gemacht

Schon beim Auspacken wird klar: Google Home ist auch für Menschen entwickelt worden, die nicht viel mit Technik am Hut haben. Außer dem etwa Mango-großen Gerät liegt das Netzteil in der Schachtel und eine Skizze mit drei Schritten: Aufstellen, mit dem Strom verbinden, Google-Home-App (für Android und iOS) herunterladen. In der App müssen noch das Passwort für das Wlan und den eigenen Google-Account (kann kostenlos erstellt werden) eingegeben werden, das war’s.

Google Home vs. Amazon Echo: Battle der Sprachassistenten
Google Home vs. Amazon Echo: Battle der Sprachassistenten

Anschließend sorgt ein „Ok Google“ oder „Hey Google“ für die ungeteilte Aufmerksamkeit des „Google Assistant“, wie die freundliche Frauenstimme offiziell heißt. Typische Aufgaben sind etwa: Einen Radiosender abspielen, Musik von einem Streaming-Dienst wie Spotify oder Google Music, die Frage nach dem Wetterbericht oder auch das Abspielen der aktuellen Nachrichten. Dabei muss man keine Befehle auswendig lernen, sondern kann oft einfach drauflosreden. Wie auch Amazons Echo sind bei Google Home sehr gute Mikrofone verbaut, so dass die Box den Sprecher auch quer durch das Zimmer versteht. Sogar ein aus dem Nebenraum gerufenes „Hey Google, mach das Licht in der Küche an“, funktionierte im Test stets tadellos.

Darüber hinaus lässt sich Google Home nach allerlei Wissenswertem befragen: „Was ist der höchste Berg/Gebäude Deutschlands“, „Wie viele Kohlenhydrate stecken in einem Apfel“, „Wie heißen die Bandmitglieder der Beatles/von Faith No More/der Wildecker Herzbuben“ – auf all diese Fragen gibt die freundliche Frauenstimme sachkundig Auskunft. Im direkten Vergleich schlägt sich Google Home hier etwas besser als Alexa und ist darüber hinaus auch etwas flexibler, was die Formulierung der Frage angeht.

Zudem versteht der Google Assistant Gesprächskontexte. Schließt man an die Frage „Wie hoch ist der Kölner Dom?“ die Frage „Und der Berliner Fernsehturm?“ an, weiß Google, dass es auch hier um die Höhe geht, ohne dass diese selbst in der Frage vorkommt. Das macht Dialoge mit Google Home etwas natürlicher – Alexa muss hier passen.

Auch Google Homes Fremdsprachenkenntnisse sind beeindruckend. Auf Zuruf wird ein Satz wie „Was ist der schnellste Weg zum Bahnhof?“ in etliche Sprachen übersetzt und vorgesprochen – ganz gleich ob in Spanisch, Dänisch, Russisch oder Chinesisch. Auch wer beim Lesen auf ein Fremdwort oder einen fremdsprachigen Begriff stößt, der ihm nicht geläufig ist, bekommt auf einen schnellen „Was heißt ‘flabbergast’“-Zuruf meist die korrekte Antwort (hier: „verblüffen“). Im Alltag ist das in der Tat immer wieder verblüffend – und manchmal praktisch.

Praktisch ist außerdem die Bedienung von Smart-Home-Geräten per Sprache, hier unterstützt Google bereits eine ganze Reihe von Herstellern. Ein Set aus smarten Philips-Hue-Lampen etwa lässt sich innerhalb von einer Minute unter Google Home einrichten, anschließend kann man die Lampen einzelnen Räumen zuordnen.

Der Befehl „Mach das Licht im Schlafzimmer aus“ schaltet dann tatsächlich alle dem Raum zugewiesenen Lampen aus. Die Lampen können aber auch individuell gesteuert werden, „Dimme Jans Nachttischlampe auf 20 Prozent“ klappt also ebenso gut. Mit Alexa geht das allerdings auch – mittlerweile klappt auch die Einrichtung einfacher als zu Beginn.

Druckvoller Klang dank sattem Bass

Beim Audio-Streaming schlägt Google Home sich erstaunlich – die kleine Box spielt dank ihres satten Basses druckvoll auf, nur in den Höhen fehlt es etwas an Brillanz. Bei Amazons Echo sieht es im direkten Vergleich umgekehrt aus: Die Höhen sind hier klarer, dafür fehlt es ein wenig an Wumms in den Tiefen.

Der große Vorteil von Google Home ist jedoch sein Multiroom-Talent: Hat man weitere Google-Home-Geräte oder Boxen, die mit Googles Multimedia-Adapter Chromecast versehen sind, können diese zu Gruppen zusammengefasst werden. So kann man dann Musik zeitgleich auf mehreren Geräten oder nur auf bestimmten Geräten in bestimmten Räumen abspielen – und alles per Sprache steuern. Sogar Youtube-Videos kann man auf dem Fernseher anzeigen lassen, wenn dieser mit einem Chromecast-Dongle verbunden ist: „Zeige Yoga-Videos auf dem Fernseher.“

Google Home günstiger als Amazon Echo

Fazit: Ist Google Home also die bessere Alternative zu Amazon Echo? Derzeit lässt sich das kaum beantworten. Klar ist: Google Home ist aktuell rund 30 Euro günstiger und kann fast alles, was Amazons Alexa auch kann, sogar noch ein paar Dinge mehr.

Amazons Gerät hat Google allerdings die Anbindung an seinen riesigen Shop und etwa an seinen Hörbuchdienst Audible voraus. Zudem haben bereits etliche Hersteller die Alexa-Unterstützung in ihre Dienste und Geräte integriert, von der steuerbaren Steckdose über diverse Audioboxen bis hin zum smarten Kühlschrank – da hängt Google Home noch etwas hinterher. Doch Google hat bereits zahlreiche Funktionen angekündigt, die bald per Update nachgereicht werden sollen. Gut möglich also, dass Googles smarte Box in einem Jahr deutlich besser als Amazon Echo ist. Derzeit ist sie das noch nicht.