US-Wahlkampf

Trump-Lager wirbt mit Gaga-Video von islamischem Deutschland

Kein Alkohol zum Oktoberfest, Halbmond auf Berliner und Kölner Dom: Ein Video zum „Islamic State of Germany“ macht Stimmung für Trump.

Der Kölner Dom mit Halbmond auf der Spitze: Eine der Szenen aus dem Video einer konservativen US-Organisation, die damit Stimmung für Trump macht.

Der Kölner Dom mit Halbmond auf der Spitze: Eine der Szenen aus dem Video einer konservativen US-Organisation, die damit Stimmung für Trump macht.

Foto: Screenshot Secure America/Youtube

Washington.  Ein absurdes Video zieht seit Montag Kreise: Es ist ein Werbevideo, nach Deutschland zu kommen – aus der Sicht von Islamisten. "Tapferen Jihadisten" sei es gelungen, Deutschland zu erobern und das Kalifat zu erweitern, heißt es in der Einleitung des Films.

An den bekanntesten Gebäuden der Republik wie Brandenburger Tor und Schloss Neuschwanstein wehen Deutschlandfahnen mit dem Signet der Terrormiliz Islamischer Staat. Das Oktoberfest wird als nun alkohol- und schweinefleischfrei angepriesen, wo arrangierte Ehen gefeiert würden. "Welcome to the Islamic State of Germany – buch jetzt Dein Ticket!" Mit absurden Bildern soll im US-Wahlkampf Stimmung gemacht werden, auch wenn einer der Macher das bestreitet.

Kopf hinter dem Video hat deutsche Eltern

Das Video hat die in Texas sitzende Agentur Harris Media erstellt, die nach ihren Angaben schon für viele republikanische Politiker gearbeitet hat, aber auch schon für die israelische Likud-Partei und die britischen Brexit-Treiber von Ukip. Firmenchef Vincent Harris schreibt unserer Redaktion, seine Eltern seien aus Deutschland. "Ich liebe Deutschland", er sei auch schon mit Lederhosen auf dem Oktoberfest gewesen. Der Film solle "unabhängig von der Wahl" ein wichtiges Thema hervorheben.

Das ist allenfalls ein Teil der Wahrheit. Seine Firma hat das Video für die als gemeinnützig anerkannte konservative Lobbyorganisation "Secure America Now" erstellt, die von sich behauptet, fast vier Millionen Mitstreiter zu haben. Dort hat ein Sprecher gesagt, dass mit den Bildern unentschlossene Wähler in besonders umkämpften Staaten bearbeitet werden sollen. Josh Canter erklärte dem rechten Portal breitbart.com, in Florida, North Carolina und Nevada soll das Video mit Facebook und Google besonders beworben werden. In Deutschland wird er Twitterern als gesponsorter Inhalt angezeigt. Ein Nutzer ärgerte sich öffentlich.

Trump sprach von "Katastrophe für Deutschland"

Trump selbst hatte in einer Rede einmal gesagt, Hillary Clinton wolle Amerikas Angela Merkel werden, "und ihr wisst, was für eine Katastrophe diese massive Einwanderung für Deutschland und die Menschen Deutschlands ist". breitbart.com schrieb, die Bilder sollten die Welt 2020 zeigen, falls Clinton Präsidentin werde.

Das Video ist Futter für diese Argumentation, und die Reaktionen auf der Facebookseite der Organisation sind fast einhellig und eindeutig: Trump muss die USA davor bewahren. Das Video erzielt bei seinen Anhängern die Wirkung, ohne das Trumps oder Clintons Name in dem Film fallen.

Deutschland-Video ist zweiter von drei Filmen

Das dürfte sich noch verstärken, wenn kurz vor der Wahl noch ein weiteres Video dieser Machart herauskommt: Es wird ein Video zum "Islamic States of America" geben, erklärte Harris unserer Redaktion. Vor dem Deutschland-Video gab es bereits einen Film zum "Islamic State of France" mit einer vollverschleierten Mona Lisa und dem Eifelturm mit IS-Flagge.

Die Bilder aus Deutschland nahmen einige Facebooknutzer in den Kommentaren offenbar für bare Münze. "Oktoberfest ohne Braten und Alkohol? Was läuft falsch mit den Deutschen, dass sie das zulassen?", fragt eine Frau. Ein anderer schreibt, er bete für Deutschland.

Macher spricht von "subtiler Satire"

Eine "subtile Satire" sei das Video, sagt Harris, der Mann dahinter. Es sei dazu gedacht, die Betrachter zu schockieren und eine Reaktion auszulösen, um gemeinsam das Problem islamistischen Extremismus zu lösen. Er glaube nicht, dass Nutzer das Video falsch verstehen. "Es zeigt eine Zukunft, die verhindert werden kann, wenn der Westen gegen radikalen Islam zusammensteht."

Zugleich nimmt es die Organisation "Secure America now" mit Fakten nicht genau, um die Wirkung des Films zu verstärken, für den ein deutscher Sprecher engagiert wurde und das von der Seite newkulturofislam.de begleitet wird.

IS-Propaganda produzierte ähnliche Videos

Auf Facebook verbreitet sie das Video mit dem Verweis auf die ungeklärte Bluttat in Hamburg vom 16. Oktober, die der Islamische Staat für sich reklamiert. "Gestern", hieß es dazu in dem Beitrag vom Montag, "hat ein islamistischer Terrorist einen 16 Jahre alten Jungen erstochen". Deutschland leide weiter "unter den Problemen und der Gewalt der offenen Grenzen und der syrischen Flüchtlinge". Experten haben Zweifel, ob wirklich der IS hinter der Hamburger Tat steckt.

Videos mit seinem Erkennungszeichen an markanten westlichen Gebäuden hat die Terrororganisation aber zweifelsfrei auch schon selbst produziert.

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