Studie

Die „Sollbruchstelle“ in Elektrogeräten gibt es wohl doch

Viele haben es längst vermutet, eine Studie beweist es jetzt: Viele Elektrogeräte haben eingebaute Schwachstellen. Wie man kurzlebige Geräte schon vor dem Kauf erkennen kann.

Foto: Bernd Thissen / picture-alliance/ dpa/dpaweb

Eine Studie im Auftrag der Grünen-Fraktion hat ergeben, dass offenbar viele Elektrogeräte die berüchtigten Sollbruchstellen haben. Dazu zählen auch fest eingebaute Akkus und verklebte Gehäuse, die sich nicht öffnen lassen. Die Grünen-Umweltexpertin Dorothea Steiner kritisierte, ein geplanter oder zumindest bewusst in Kauf genommener frühzeitiger Verschleiß von Produkten führe auch zu „immensen Müllbergen“.

Die Grünen fordern deshalb schärfere Vorschriften für die Hersteller von Elektrogeräten, damit es keine „eingebauten Schwachstellen“ mehr gibt. Mit dem Vorstoß soll verhindert werden, dass Waschmaschine, Toaster & Co. bereits nach kurzer Lebensdauer wieder komplett ersetzt werden müssen. Erforderlich seien „klare Vorgaben für die Reparierbarkeit und Austauschbarkeit von Einzelteilen und die Überarbeitung des Gewährleistungs- und Garantierechts“, sagte die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Nicole Maisch, am Mittwoch.

Branche wehrt sich gegen die Kritik

Die Branche wies die Kritik zurück. „Elektro-Hausgeräte sind langlebig“, sagte Werner Scholz, zuständiger Geschäftsführer im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI). Von den fast 180 Millionen Geräten in deutschen Haushalten seien fast 75 Millionen älter als zehn Jahre. „Ein Verbraucher, dessen Waschmaschine schon nach relativ kurzer Zeit kaputt geht, wird das nächste Gerät sicherlich von einem anderen Hersteller kaufen.“

Ob ein Elektrogerät besonders schnell kaputtgeht, ist ihm beim Kauf kaum anzusehen. Aber es gebe Anzeichen für Kurzlebigkeit, sagt Stefan Schridde. Der Betriebswirt sammelt im Internet Beispiele für Produkte, die nach kurzer Zeit kaputtgegangen sind oder sich nur schwer reparieren lassen. Schridde war auch an der Studie für die Grünen-Bundestagsfraktion beteiligt. Die Untersuchung listet Beispiele für Geräte wie Waschmaschinen, Computer oder elektrische Zahnbürsten auf, die angeblich „eingebaute Schwachstellen“ haben.

Kann man das Produkt überhaupt öffnen?

Um beim Kauf kein Gerät zu erwischen, dass kurz nach Ablauf der Gewährleistungsfrist oder Garantie nicht mehr funktioniert, sollten Verbraucher im Geschäft klare Fragen stellen, rät Schridde. „Ist das Produkt auf Reparierbarkeit hin gebaut? Zeigen Sie mir bitte, wie man das öffnet, wenn ich es reparieren wollte.“

Öffnen könne man ein Gerät nur, wenn das Gehäuse verschraubt statt verklebt sei, sagt Dirk Petersen, Umweltberater bei der Verbraucherzentrale Hamburg. „Verklebte Produkte müssen Sie ja, um sie zu öffnen, zerstören“, sagt er. „Danach bekommen Sie das Gehäuse nicht mehr so zusammen, dass es wirklich dicht ist.“

Auf herausnehmbaren Akku achten

Leichter zu reparieren sind laut Petersen Geräte mit herausnehmbarem Akku. „Der Akku hat ja sowieso eine begrenzte Lebensdauer.“ Das könne man den Herstellern nicht vorwerfen. Aber einige konstruieren ihre Geräte so, dass sich der alte Akku nicht durch einen neuen ersetzen lässt – und damit ist das gesamte Produkt nicht mehr zu gebrauchen.

Nach Ablauf der Garantie oder Gewährleistungsfrist hätten Verbraucher allerdings in der Regel keine Chance mehr darauf, dass der Hersteller oder Verkäufer das Gerät erstattet oder kostenlos repariert, sagt Julia Rehberg, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. „Mit Kulanz ist da nicht unbedingt zu rechnen.“ dpa/alu

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.