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So geht Facebook auf Rasterfahndung

Facebook hat eingeräumt, dass automatisch Chatprotokolle und Nachrichten der Nutzer auf verdächtige Aktivitäten gescannt werden.

Dass Pädophile sich im Zeitalter des Internets nicht mehr nur auf das Ausspähen von Spielplätzen und Schulen beschränken würden, war vorhersehbar. Die sozialen Netzwerke bieten ihnen neue und (vermeintlich) anonyme und sichere Möglichkeiten, Kontakte zu Minderjährigen zu knüpfen. Doch wie reagiert man darauf? Joe Sullivan, Sicherheitschef beim Netzwerk Facebook, hat der Nachrichtenagentur Reuters erläutert, wie der Konzern versucht, potenzielle Sexualstraftäter von kriminellen Akten abzuhalten. Er enthüllte, dass sein Unternehmen Software automatisiert nach verdächtigen Kontakten suchen lasse.

Ungewöhnlich ist Sullivans Eingeständnis, weil sein Konzern in diesem Bereich üblicherweise schweigsam bleibt: Man will Nutzern nicht das Gefühl geben, sie auszuspähen, will sie nicht verschrecken und die Gefahren nicht betonen – was dem Geschäft abträglich wäre.

Möglichst wenige Unschuldige verdächtigen

Das Netzwerk nutzt, so viel war bekannt, eine Mischung aus automatisierter Suche nach verdächtigen Aktivitäten und einem Monitoring durch Mitarbeiter. Offenbar hat Sullivans Team auch lernfähige Analyseprogramme für die Kommunikation im Netzwerk entwickelt. So würden Beziehungsmuster analysiert und Chats ausgewertet, die vor realen sexuellen Übergriffen stattgefunden haben. So wisse man, sagte Sullivan, dass Pädophile über Facebook häufig Dutzende von möglichen Opfern ausspähen, bevor sie sich für eines oder mehrere entscheiden und diese missbrauchen.

Das Unternehmen habe nie gewollt, dass Angestellte in die private Kommunikation von Nutzern eindringen. Deshalb sei es wichtig, automatisierte Technologien einzusetzen, die „sehr niedrige falsch-positive Ergebnisse“ liefern. Mit anderen Worten: Durch die „Rasterfahndung“ sollen möglichst wenige Unschuldige verdächtigt werden. Ob das gelingt, darüber machte Sullivan keine Angaben. Offen bleibt auch, wie viele Sexualstraftäter bei ihrer Suche nach Opfern unentdeckt agieren können.