Computermesse

Auf der Cebit hat die Post-PC-Ära längst begonnen

Weder der PC noch Smartphones sind die Stars der diesjährigen Cebit. Auf der Computermesse dreht sich alles um die digitale Daten-Wolke.

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Es gibt sie noch, die Computer auf der Hightech-Messe Cebit, die am Dienstag in Hannover ihre Tore für das Publikum öffnet. Auch die neusten Smartphones und Tablets sind für Technikbegeisterte überall zu sehen. Doch in diesem Jahr gehören die Multimedia-Geräte nicht zu den Stars der weltgrößten Messe.

Denn das Schaulaufen haben sie längst hinter sich: auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas und auf der Mobilfunkmesse MWC in Barcelona in der vergangenen Woche. Die Cebit, so viel ist schon zu Beginn klar, interessiert nicht so sehr die Taktfrequenz von Prozessoren. Ihr geht es darum, was die Wunderwerke der Technik künftig leisten können.

Telekom-Chef René Obermann lässt am Tag vor dem Messebeginn keinen Zweifel aufkommen: „Die PC-Architektur ist überholt, die Post-PC-Ära hat begonnen. “ Nicht zuletzt deswegen dreht sich beim Telekommunikationskonzern derzeit alles um das Cloud Computing, die Verlagerung von Computerleistungen in ferne Rechenzentren . Geht es nach der Telekom, werden künftig Dokumente, Musik, Fotos und Videos im Internet gespeichert und lassen sich dann von überall abrufen.

Eine lohnenswerte Angelegenheit, wie der Bitkom in einer Studie der Experton-Group herausfinden ließ. Schon in diesem Jahr soll das Cloud Computing in Deutschland für einen Umsatz von 5,3 Milliarden Euro stehen, fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Bis 2016, so der Verbandspräsident Dieter Kempf, sollen es bereits 17 Milliarden Euro sein, davon mehr als ein Drittel im Geschäft mit Privatanwendern.

Wettrennen um die Gunst der Nutzer

Wie sich nun in Hannover zeigt, hat das große Wettrennen um die Gunst der Nutzer längst begonnen. „Wir wollen in diesem Ökosystem Cloud eine wichtige Rolle einnehmen“, sagte Obermann. Vom reinen Netzgeschäft allein könne die Telekom auf Dauer nicht leben. Nun schnürt die Telekom allerlei Pakete für kleine und mittelgroße Unternehmen, von denen gerade einmal zwölf Prozent Dienste aus der Cloud nutzen.

Dass die Unternehmen ihre Daten nur ungern aus der Hand geben, wissen die Cloud-Anbieter. Deshalb mühen sie sich um Sicherheitsversprechen. Die Telekom lässt die Unternehmen wählen, in welchen Rechenzentren und Ländern ihre Daten gespeichert werden. An 22 Standorten hat der Konzern sogar zwei dieser Rechenzentren bauen lassen, die wenige Kilometer voneinander entfernt einspringen, wenn einer dieser Zwillinge ausfällt. Konkurrent Vodafone zeigte eine sichere Handy-Karte, mit der Daten und Gespräche verschlüsselt und damit sicher übertragen werden können.

Nach langer Vorarbeit soll es nun auch mit der rechtssicheren E-Mail losgehen. Allerdings stehen sich jetzt zwei Systeme gegenüber. Auf der einen Seite die Post mit ihrem E-Postbrief, zu dem es am Dienstag weitere Details gibt. Und auf der anderen Seite Unternehmen wie die Telekom und 1&1, die als De-Mail-Anbieter in den nächsten Wochen loslegen wollen.

Die Telekom hat am Montag ihre Preise für die sichere E-Mail-Übertragung genannt. Privatkunden dürfen drei dieser De-Mails monatlich kostenlos versenden, jede weitere Mail kostet 39 Cent. Die Post hingegen verlangt für das Verschicken eines E-Postbriefs 55 Cent. Natürlich gibt es auf der Cebit auch die skurrilen Dinge. Ein Tablet mit eingebautem Drucker von Bormann, der 2,5 Kilogramm auf die Waage bringt (Halle 26, Stand A50). Der Haushaltsroboter Armrar, der lernt, indem er seinem Besitzer zusieht (Halle 26, Stand G33). Oder die Penclic-Computermaus, die eher wie ein Kugelschreiber aussieht, (Halle 16, Stand E24).

Erstmalig präsentieren sich auch 50 junge Internet-Startups aus neun Ländern und zeigen etwa einen Telefon-Dolmetscher und Übersetzer, ein Carsharing-Service, bei dem das Privatauto zum Mietwagen wird, und einen digitalen Korruptionsmelder.

Am Abend eröffnen Kanzlerin Angela Merkel und die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff die Cebit. Auch Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt wollte kommen. Die Messe hat bis einschließlich Samstag geöffnet.